Einmal vor amerikanischen Investoren und Experten im Silicon Valley die eigene Geschäftsidee vorstellen - ein Traum, der sich den meisten deutschen Start-ups nie erfüllt. Für den Coburger Gründer Patrick Dabrowski wurde er im Juli jeden Nachmittag wahr und könnte in den kommenden neun Monaten fast zur Gewohnheit werden.

Der 34-Jährige nimmt seit Anfang Juli am Silicon Valley Program der Hochschule Deggendorf in Kooperation mit der Santa Clara University (Silicon Valley) teil. Gesponsert und unterstützt wird er dabei vom Coburger Gründerzentrum Zukunft.Coburg.Digital.

In der ersten Woche des Programms hat Patrick Dabrowski vor Ort in Niederbayern kennengelernt, was in den kommenden neun Monaten in den regelmäßigen Online-Workshops und Zoom-Meetings auf ihn zukommen wird: die strukturierte Auseinandersetzung mit seinem Start-up, seinem Produkt, mit potenziellen Kunden und Investoren - und vor allem jeden Nachmittag beziehungsweise künftig nach jedem Workshop ein Pitch seiner Ergebnisse vor erfolgreichen amerikanischen Investoren, die an der Santa Clara University in Kalifornien lehren und in dem Programm der TH Deggendorf den Gründern als Mentoren zur Seite stehen.

"Die Mentoren unterstützen die Gründer dabei, in kurzer Zeit von einer guten Idee zu einem tragfähigen und skalierbaren Geschäftsmodell zu kommen, das für Investoren interessant ist, vor allem aber am Markt bestehen kann", sagt Alexander Dorn, der gemeinsam mit Professor Peter Schmieder das Programm leitet. Ziel ist es, im kommenden April im Silicon Valley vor amerikanischen Investoren und Experten zu pitchen und bei Erfolg eine Finanzspritze aus den USA mit nach Hause zu bringen.

Das Silicon Valley Program besteht bereits seit elf Jahren. In diesem Jahr konnten erstmalig auch Gründerzentren aus ganz Bayern einem Team aus ihrem Netzwerk die Teilnahme ermöglichen. Der Verein Zukunft.Coburg.Digital hat sich deshalb entschlossen, ein Coburger Team aus dem Netzwerk mit zwei Dritteln der Programmgebühr finanziell zu unterstützen. 15 Start-ups hatten die Chance auf die Förderung - die Idee von Patrick Dabrowski hat den Vorstand von Zukunft.Coburg.Digital sowie Programm-Manager Dorn am meisten überzeugt.

Patrick Dabrowski selbst haben die ersten Präsentationen (Pitches) auf Englisch erst einmal nervös gemacht. Vier Mentoren am anderen Ende der Zoom-Leitung im Silicon Valley seine Idee vorzustellen, holt jeden aus der Komfortzone. Doch bereits die erste Woche mit dem täglichen Coaching hat sich ausgezahlt: "Alleine in den ersten Tagen habe ich so viele Denkanstöße und wertvolle Tipps bekommen, dass ich nun wesentlich zielgerichteter an der Entwicklung meines Start-ups arbeiten kann."

Der gebürtige Sonnefelder und Absolvent der Hochschule Coburg arbeitet seit knapp einem Jahr im Coworking Space von Zukunft.Coburg.Digital an seinem Unternehmen DevLabs Dabrowski und an seiner Industrie 4.0-Lösung, die rein mit der Hilfe einer scheckkartengroßen Box und einer App auf dem Smartphone die Effektivität von Produktionsanlagen steigert.

"Von der erfolgreichen Umsetzung der industrienahen Idee von Patrick Dabrowski könnten vor allem die vielen produzierenden Unternehmen im Coburger Wirtschaftsraum profitieren", sagt Philipp Steinberger, Vorsitzender von Zukunft.Coburg.Digital und Geschäftsführer der Firma Wöhner in Rödental. Sein erworbenes Wissen wird Patrick Dabrowski in der Coburger Gründerszene teilen, damit alle Start-ups vom Input aus dem Silicon Valley profitieren können. Eine Kooperation mit dem niederbayrischen Programm ist auch für die kommenden Jahre zur Förderung des Gründer-Ökosystems geplant.

"Beim Wachsen helfen"

"Wir bieten im Raum Coburg bereits ein attraktives Ökosystem für Gründer, wichtig ist uns nun, den Start-ups beim Wachsen zu helfen und durch Kooperationen mit etablierten Unternehmen den gesamten Wirtschaftsstandort zu stärken", erklärt Philipp Steinberger im Namen der Initiative Zukunft.Coburg.Digital.

Für Patrick Dabrowski steht nach den ersten Kontakten ins Silicon Valley erst mal eine Menge Arbeit auf dem Programm: Alle Tipps und neuen Erkenntnisse der Experten in den USA muss er durch Gespräche mit Projektpartnern und potenziellen Kunden sowie durch Marktanalysen überprüfen. Denn auch mit den besten Mentoren gilt: Ohne Fleiß kein (Investoren-)Preis. red