Auf den ersten Blick fehlt ihnen nichts. Die fünf stupsnäsigen Welpen wuseln durch den Quarantäne-Raum, beschnüffeln die hereinkommenden Besucher und haben überhaupt keine Angst. Doch Tierarzt Joachim Lessing verhehlt nicht die Gefahr, der sie ausgesetzt waren. "Die hätten den Transport bis Belgien nicht überlebt. Sie hatten Glück, dass sie rechtzeitig entdeckt wurden", sagt er. Die fünf kleinen Hunde, die am Samstag im Tierheim auf der Brandensteinsebene aufgenommen wurden, sollten im Kofferraum eines Autos von Tschechien nach Belgien transportiert werden - in Kunststoffgitterboxen zusammengepfercht. Die Polizei stoppte den illegalen Tiertransport auf der Autobahn nahe Werneck (Landkreis Schweinfurt) und alarmierte das Veterinäramt im Landratsamt Schweinfurt.

Dann ging alles sehr schnell - das musste es auch, wenn das Leben der wenige Monate alten Welpen gerettet werden sollte. "Der Tierschutzbund hat die Sache in die Hand genommen und Tierheime in der Umgebung angerufen", erzählt Sandra Bauer, Betriebsleiterin der Coburger Einrichtung. Um 7 Uhr sei das Fahrzeug mit den Hunden gestoppt worden, um 13 Uhr waren schon alle Tiere aufgeteilt. "Wir haben die fünf Welpen im Tierheim Schwebheim abgeholt. Dort waren sie vorübergehend untergebracht."

Hunde waren gestresst

Die viereinhalb bis fünfeinhalb Wochen alten Hunde seien sehr gestresst gewesen, aber einigermaßen gesund. Vermutlich sind es vier Havaneser - es könnten aber auch Chizu sein; so genau ist das in dem Alter nicht feststellbar - und ein Cavalier King Charles Spaniel.

Gestern hat Joachim Lessing sich die kleinen Racker genauer angesehen. "Wir müssen vor allem schauen, ob sie durch Parasiten belastet sind", erläutert er, denn oft kommen die Welpen in Osteuropa in Schweinebuchten oder Rinderställen unter katastrophalen Umständen zur Welt. Und an dieser Stelle wird der Tierarzt nun richtig zornig. "Die Hündinnen werden oft nur als Wurfmaschinen gehalten. Und jeder, der einen jungen Hund aus einem solchen Wurf kauft, macht sich mitschuldig", schimpft er.

"In der Regel kosten die Havaneser zwischen 800 und 1000 Euro", ergänzt Sand ra Bauer. Die aus Tschechien oder Polen bekomme man aber schon für die Hälfte des Geldes. "Da wird nur kurzfristig gespart, denn oft fallen für diese Hunde in der Folge hohe Tierarztkosten an."

Warnung vor der Tier-Mafia

Inzwischen habe sich eine regelrechte Tier-Mafia in Belgien und Holland gebildet, die ihre "Ware" meist aus Osteuropa beziehe, sagt Joachim Lessing. Er warnt auch ausdrücklich davor, zum Beispiel Hunde auf Märkten in Polen oder Tschechien zu kaufen. Das Argument: "Ach, das Tier hat mir leidgetan" zähle nicht. "Man tut damit kein gutes Werk, vor allem auch im Hinblick auf die Hündinnen."

Die zwei Rüden und kleinen Hündinnen, die jetzt erst einmal im Coburger Tierheim eine Heimstatt gefunden haben, sind gesund. "Zwei haben kleine Narben am Nabel. Wahrscheinlich wurde da ein Nabelbruch operiert", stellt der Tierarzt fest.

Fünf Wochen Training

Und sie werden liebevoll betreut auf der Brandensteinsebene. Drei haben auch schon einen Namen: Püppi, Rudi und Nele. Jetzt werden sie erst einmal sozialisiert. "Vier bis fünf Wochen beschäftigen wir uns mit ihnen", sagt Sandra Bauer. Das heißt, die Welpen üben den Kontakt zu Menschen, lernen, was eine Mülltonne ist, was es bedeutet, wenn ein Mensch einen Stock oder Regenschirm dabei hat, was man von Autos zu halten hat. "Dinge des alltäglichen Lebens eben." Nach acht Wochen werden sie geimpft. Erst dann können sie vermittelt werden. "Es hat also noch keinen Sinn, jetzt schon nachzufragen", betont Sandra Bauer und überlässt die Kleinen der Obhut von Tierpflegerin Brigitte Schildknecht. Die geniest schon das Vertrauen der kleinen Racker.