Sensation in Ismaning! Der VfL Frohnlach besiegte am Dienstagabend den TSV 1860 München II mit 2:0 und feierte damit den ersten Sieg in der Regionalliga Bayern. Doch war dieser Dreier tatsächlich eine Sensation?
Wer die 93 Minuten verfolgt hat, kam zu der Erkenntnis, dass die Oberfranken unter dem Strich sogar völlig verdient gewannen, denn gegen die oft viel zu kompliziert agierenden Platzherren hatten sie stets das richtige Mittel.
Überhaupt hatten die nur knapp 300 Zuschauer den Eindruck, dass die Frohnlacher trotz der langen Anreise einfach wacher waren und intensiver zur Sache gingen. Mit vier gelben Karten (Bulat, Böhnlein, Burkhardt und Karg) kauften sie den Youngstern der Zweitliga-Reserve bis zur 70. Minute den Schneid ab und schaukelten mit etwas Glück, aber ganz viel Geschick den 2:0-Vorsprung in der Schlussphase über die Zeit.
Es war ein Doppelschlag unmittelbar nach der Pause, der die Mannschaft von Coach Dieter Kurth auf die Siegerstraße brachte: Erst traf die "Lebensversicherung im Sturm", Thomas Karg, und nur knapp zwei Minuten später war es Sinan Bulat, der die "Blau-Weißen" in Ekstase versetzte. Zweimal sah "Löwen"-Keeper Vitus Eicher - eigentlich einer der erfahrensten Spieler der Münchner - sehr schlecht aus
Die Rechnung von Dieter Kurth ging also voll auf, denn der Cheftrainer hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Heimstetten umgestellt: Sinan Bulat und Marcel Burkhard durften erstmals von Beginn an ran. Dafür blieben Innenverteidiger Frank Zapf und der etatmäßige "Zehner" Christian Brandt draußen. Diese Veränderungen sollten sich im Laufe der Partie durchaus bezahlt machen.
Das Spiel begann mit einer Schrecksekunde für den VfL, denn nach einem lang gezogenen Freistoß von Vollmann verlängerte Andre Zapf das Leder an den eigenen Pfosten - das hätte bereits der Rückstand sein können (8.).
Und wahrscheinlich hätte ein 1:0 den jungen "Löwen" gut getan, denn danach waren ihre Aktionen nie zwingend genug, um die Gäste ernsthaft zu gefährden. Die Platzherren hatten sicher deutlich mehr Spielanteile, aber die von VfL-Abwehrchef Christian Beetz gut organisierte Defensive der Frohnlacher ließ im ersten Durchgang keine zwingende Tormöglichkeit zu.
Die spektakulärste Situation in Hälfte eins leitete ausgerechnet Sechzig-Schlussmann Vitus Eicher mit einer zu kurz abgewehrten Fußabwehr ein: Tayfun Özdemir schaltete sofort und nahm den Ball direkt kurz hinter der Mittellinie aus gut 45 Metern. Sein Schuss segelte haarscharf am leeren Tor der Münchner vorbei.
Die Gastgeber hätten sich nicht beschweren können, wenn sie mit einem Rückstand in die Pause gegangen wären, denn die hinten sicher stehenden, im Mittelfeld sehr lauf- und zweikampfstark agierenden "Blauen" aus Oberfranken lauerten ständig auf Konter und hatten in Thomas Karg einen nicht zu unterschätzenden "Knipser" in vorderster Front.
Und der aus Traunstein zum Spiel gekommene Realschullehrer machte kurz nach dem Wechsel seinem Namen als "Vollstrecker" sofort alle Ehre: Aus rund 25 Metern sah er den zu weit vor seinem Kasten postierten "Löwen-Keeper" und lupfte den Ball über ihn hinweg gekonnt in die Maschen. Die Freude im Lager der Kurth-Schützlinge war riesengroß.
Erst recht, als nur 100 Sekunden später die Frohnlacher ein zweites Mal zuschlugen und somit den Sechzigern den nächsten Nackenschlag verpassten, von dem sie sich im weiteren Lauf der Partie nicht mehr erholten. Sinan Bulat rechtfertigte seine Aufstellung mit dem Treffer zum 2:0. Nach einer Freistoßflanke stand der Neustadter Türke am langen Pfosten goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. In dieser Szene hatte er einfach einen Torriecher, denn der Torwart der Münchner hätten den Ball abfangen müssen, segelte jedoch zum Entsetzen seiner Mitspieler unter der Flanke hindurch!
Danach rannten die "Löwen" planlos an, fanden kein Mittel gegen die immer sicherer werdenden Frohnlacher. Vielleicht wäre es noch einmal spannend geworden, wenn Ziereis neun Minuten vor Schluss allein vor Torwart Christian Beer getroffen hätte, doch sein Schuss aus Nahdistanz ging nur ans Außennetz und somit war endgültig jedem klar, dass an diesem Abend nichts mehr für die bissigen Oberfranken anbrennt. Schließlich war das die größte Möglichkeiten der Münchner während der gesamten Partie.
Freudestrahlend stürmten die Frohnlacher Betreuer, allen voran Trainer Dieter Kurth, und die Ergänzungsspieler den Rasen und klatschten ihre Mitspieler ab. Der erste Sieg war verdient, macht Mut und sollte zusätzlich den einen oder anderen Zuschauer am Samstag ins Willi-Schillig-Stadion locken. Ab 14 Uhr gastiert dann der SC Eltersdorf in Frohnlach.