Wer weiß denn noch, dass ein Flederwisch ein Staubwedel in Form eines Gänseflügels ist? Wer kennt noch die Holzwäscheklammern, die ohne Metallfeder auskommen? Es gibt über 60-Jährige, die sich daran erinnern, meist aber existieren diese Haushaltshelfer nur noch im Gedächtnis der noch älteren Menschen. Monika Hammerla und Claudia Keller wissen, womit sie demenzerkrankten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern können: mit dem Erinnern an Bekanntes. Und darüber haben die beiden ein Buch geschrieben. Es ist Fachliteratur, aber keine dröge Abhandlung über ein Krankheitsbild. "Es ist sehr unterhaltsam", sagt Monika Hammerla lächelnd. Und in der Tat finden sich in dem über 200 Seiten starken Buch Lieder, Gedichte, Backrezepte, Bewegungs- und Gedächtnisübungen. Alles ist didaktisch geschickt aufbereitet.
"Unsere Zielgruppe ist zum einen das Fachpersonal in Heimen, aber es sind auch alle anderen Menschen, die tiefer in die Problematik des Umgangs mit Senioren eindringen wollen", erläutert Claudia Keller. "Selbst für gesunde Leute sind da ganz schöne Denknüsse drin", ergänzt Monika Hammerla. Und Angehörige, die demenzerkrankte Angehörige pflegen, finden im Buch eine Menge Anregungen.
Bei jedem Anagramm, jeder Sinnesübung, Handarbeitsanleitung oder den biografischen Fragen ist verzeichnet, welche geistigen und haptischen Fähigkeiten dafür notwendig sind. Die Autorinnen teilen die Be troffenen in drei Kategorien ein: diejenigen, die noch fit sind (1), die Menschen, die noch ein Gespräch führen und konzentriert zuhören können und die gruppenfähig sind (2). Zur Kategorie 3 gehören die Bettlägerigen mit eingeschränkter Wahrnehmung. "Die Gruppen sollten in getrennten Räumen von Fachpersonal begleitet werden", sagt Monika Hammerla. Wichtig: Die Gruppen müssen homogen sein .

Geschichten aus dem Leben


Dass in dem Buch solche Autoren wie Annette Berghoff von der Buchhandlung Riemann und der bereits verstorbene Coburger Pfarrer Bernd Saal auftauchen, hat einen einfach zu erklärenden Grund. "Sie haben mir Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählt. Für alles, was ich in Büchern gefunden habe, hätte ich Quellenangaben machen müssen", erzählt Monika Hammerla. Außerdem habe ihr Annette Berghof sehr beim Korrekturlesen geholfen. "Und sie hat mir bei der Beschreibung der Sitztänze geholfen." Ein echtes Gemeinschaftsprodukt also. Worin liegt aus Sicht der Autorinnen die besondere Bedeutung des neuen Buches? "Alle bisherigen Veröffentlichungen zu dem Thema sind sehr theorielastig", erläutert Claudia Keller. "Wir haben die Theorie mit der Praxis verknüpft."
Ziel sei es, so die Autorin, in den Pflegeeinrichtungen Qualitätsmanagement mit einem Bewegungsprogramm zu verbinden. "Das gibt den Mitarbeiterinnen mehr Sicherheit." Die Zufriedenheit der Heimbewohner, die sich durch das Absolvieren des abwechslungsreichen Programms einstelle, habe auch wieder Auswirkungen auf das Personal. "Die Fluktuation ist nicht mehr so groß."
Das Buch "Seniorenaktivierung kompakt" gibt es unter anderem in der Buchhandlung Riemann. Deren Geschäftsführerin, Irmgard Clausen, hat selbst eine an Demenz erkrankte Mutter. Sie weiß um die Bedeutung praktischer Handreichungen für Altenpflegerinnen und Familienangehörige. "Betreuende Menschen müssen wissen, wie man Stress vermeiden kann. Dieses Buch bietet dafür wichtige Anregungen."