Druckartikel: Franken: Giftpflanze verbreitet sich rasant - eine Berührung ist zu viel

Franken: Giftpflanze verbreitet sich rasant - eine Berührung ist zu viel


Autor: Riccarda Rascher

LKR Coburg, Dienstag, 09. Juni 2026

In Franken verbreitet sich eine harmlos aussehende, aber ätzende Pflanze vermehrt am Wegesrand, auf Grundstücken und in Böschungen. So solltet ihr jetzt handeln.
Der ätzende Riesenbärenklau ist immer häufiger in Franken zu sehen.


Der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, breitet sich im Landkreis Coburg zunehmend aus, wie aus einer Pressemitteilung des Landratsamts Coburg hervorgeht. Er stelle sowohl für die heimische Natur als auch "für die Gesundheit von Menschen eine erhebliche Gefahr" dar, heißt es dort.  Wie die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Coburg informiert, befinden sich größere Bestände beispielsweise an der Steinach in den Gemarkungen Fürth am Berg und Wörlsdorf. Grundstückseigentümer werden deshalb gebeten, die Pflanze auf ihren Flächen zu erkennen und gezielt zu bekämpfen.

Heute sei der Riesenbärenklau vielerorts anzutreffen, insbesondere auf wenig genutzten Flächen wie Straßenböschungen, Waldrändern, Feuchtwiesen oder Brachflächen. Durch sein starkes Wachstum verdränge er heimische Pflanzenarten und beeinträchtige zunehmend auch ökologisch wertvolle Lebensräume sowie Schutzgebiete, so die Behörde. Im Kreis Bad Kissingen wurde Anfang Mai eine gemeinsame Bekämpfungsaktion durchgeführt. Auch im Kreis Kronach verbreitet die schöne Blüte Schrecken, wie unsere Kollegen vom Fränkischen Tag berichten (Plus).

Riesenbärenklau: Fiese Hautentzündungen, Übelkeit und mehr als Folge des Kontakts

Die hessische Umweltministerium informiert über die gesundheitlichen Auswirkungen: Der Saft des Riesenbärenklaus enthält phototoxisch wirkende Furocumarine. Das bedeutet, dass Hautentzündungen entstehen, wenn die Haut nach der Benetzung mit Pflanzensaft der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird. Mögliche Folgen seien Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut.

Die Veränderungen könnten wie Verbrennungen ersten und zweiten Grades aussehen. Schon die Dämpfe könnten die Gesundheit beeinträchtigen und zum Beispiel Übelkeit verursachen, so das Ministerium.  Auch vertrocknete Stängel, Blüten und Samen enthielten den Giftstoff. Gefährdet sei jeder, der mit der Pflanze in Berührung kommt: Arbeiter in Land und Forstwirtschaft, Gärtner, Blumenliebhaber, Kinder beim Spielen. Die Hautreaktion werde bisweilen erst nach zwei bis drei Tagen sichtbar und spürbar. 

Das Landratsamt Coburg bittet deshalb zum Schutz von Menschen und Umwelt alle Grundstückseigentümer, vorhandene Bestände frühzeitig zu beseitigen. Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus erfordere jedoch besondere Sorgfalt. Einfaches Mähen oder Ausreißen reiche in der Regel nicht aus, da die robuste Pflanze erneut austreiben könne. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt laut Mitteilung davon ab, ob einzelne Pflanzen oder größere Bestände bekämpft werden müssen.

Sofortige Reaktion entscheidend: So handelst du, wenn der Pflanzensaft deine Haut berührt

Für eine erfolgreiche Bekämpfung des Riesenbärenklaus kommt es laut Experten vor allem auf den richtigen Zeitpunkt und die geeignete Methode an. Das Landratsamt Coburg empfiehlt, im Vorfrühling bekannte Standorte zu kontrollieren und junge Pflanzen mitsamt dem Vegetationskegel an der Wurzel auszugraben oder abzugehacken. Nur so könne ein erneutes Austreiben zuverlässig verhindert werden. Da über das gesamte Jahr hinweg weitere Keimlinge aufgehen könnten, seien regelmäßige Nachkontrollen bis in den September hinein erforderlich. Im Sommer ist das bloße Entfernen der Blüten meist nicht zielführend, da die Pflanze neue Blüten ausbildet, erläutert das Landratsamt. 

Effektiver sei es, die Samenstände erst dann zu entfernen, wenn die Hauptdolde bereits grüne Samen ausgebildet hat. "In bestimmten Fällen kann auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erforderlich sein. Dieser ist jedoch genehmigungspflichtig und darf nur von sachkundigen Personen durchgeführt werden", mahnt die Behörde. Dabei müssen die samentragenden Dolden fachgerecht entsorgt werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt dazu: Vor dem Bekämpfen ist zu überprüfen, ob es sich um die Herkulesstaude handelt, oder um den einheimischen Bärenklau. Kommt es zur Blüte, muss diese unbedingt entfernt und über den Restmüll entsorgt werden.

Das Gleiche gilt laut Landwirtschaftskammer für Blütendolden und Fruchtstände. Von Pflanzensaft getroffene Hautstellen müssten unverzüglich mit Wasser und Seife abgewaschen werden. Danach sollten Gesicht und Hände vorsorglich mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor vor Sonneneinstrahlung geschützt werden, um Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung zu mindern beziehungsweise zu vermeiden. Vorsichtshalber sollte die Sonne zwei bis drei Tage gemieden werden, erklärt die Kammer. Bei starken Hautreaktionen müssten Betroffene "unbedingt den Hautarzt aufsuchen".