Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sich aus der Geschäftslage und den Erwartungen der befragten Unternehmen errechnet, ist leicht rückläufig und rangiert bei 120 Punkten - das sind acht Punkte im Vergleich zur letzten Umfrage im Frühjahr 2012.

Aktuell meldet nahezu jedes zweite Unternehmen gute Geschäfte, nur sieben Prozent der Betriebe sind mit ihrer Lage unzufrieden. Die Ertragslage der Unternehmen ist seit der Frühjahrsumfrage unverändert positiv. Die Geschäftserwartungen im Jahresverlauf werden allerdings verhaltener beurteilt und wirken sich auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus.

36 Prozent der Unternehmen wollen in den Folgemonaten weniger investieren oder schrauben ihre Investitionen auf "Null" zurück - das bedeutet: 17 Prozentpunkte weniger im Vergleich zur letzten Umfrage. Auch im Hinblick auf die Personalplanung zeigen sich die Unternehmen etwas zurückhaltender.

In der regionalen Industrie haben zwei Drittel der Unternehmen ihre Umsätze in den zurückliegenden Monaten steigern oder halten können. 91 Prozent der befragten Betriebe sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Auch die Auslastung der Produktionskapazitäten ist nahezu unverändert gut. Die Erwartungen der Unternehmen sind hingegen pessimistischer als noch im Frühjahr. Ein Fünftel der Unternehmen rechnet für die nächsten Monate mit rückläufigen Geschäften. Entsprechend dazu wollen die Betriebe auch ihre Investitionsplanungen nach unten anpassen.

Das Auslandsgeschäft der Industrie hat zwar an Dynamik verloren, bleibt aber auch in den kommenden Monaten Stütze der regionalen Industrie. Als Risikofaktoren für die Konjunkturentwicklung sehen die Unternehmen hauptsächlich die sinkende Inlandsnachfrage und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise an. Hinzu kommt die Unsicherheit aufgrund der ungelösten Schuldenkrise in Europa.

Die regionale Metall-, Elektro- und Kunststoffindustrie (Vorleistungsgüterindustrie) zeigt sich mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Hälfte der befragten Branchenvertreter musste allerdings seit der letzten Umfrage Auftragseinbußen hinnehmen. Die größten Verluste waren im Inland und EU-Ausland zu verzeichnen. Trotz hoher Material- und Energiepreise ist die Ertragslage in der Branche erfreulich. Der Blick auf das kommende Quartal stimmt die Unternehmen hingegen pessimistischer. Ein Viertel der befragten Betriebe rechnen mit rückläufigem Auftragsvolumen, was ein Plus um zehn Prozentpunkte zur Vorumfrage bedeutet.

Gute Geschäfte der Maschinenbauer


Die regionalen Maschinenbauer erfreuen sich guter Geschäfte. Alle befragten Branchenvertreter beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Zwar ist das Auftragsvolumen seit Frühjahr bei einem Drittel der Betriebe gesunken, die Kapazitätsauslastung liegt jedoch noch immer bei allen Befragten bei 100 Prozent. Die Aussichten auf die Geschäfte im Jahresverlauf fallen jedoch auch im Maschinenbau verhaltener aus. Zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen mit gebremstem Wachstum.

Dank stabiler Konsumlaune der deutschen Verbraucher wächst die heimische Polstermöbelindustrie auch im zweiten Halbjahr 2012. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fällt folglich bei über 90 Prozent der befragten Hersteller positiv aus. Trotz leicht rückläufigem Auftragsvolumen insbesondere aus dem europäischen Ausland und gestiegener Materialkosten ist die Ertragslage erfreulich stabil. Für die Folgemonate erwarten nahezu alle Befragten Unternehmen gute Geschäfte.

Dienstleistungsbranche als Jobmotor


Die regionale Dienstleistungsbranche stellt die aktuelle Geschäftslage durchwegs positiv dar. Beim Blick in die Zukunft gibt es nur vereinzelt negative Meldungen. Die Branche fungiert weiterhin als regionaler Jobmotor, 15 Prozent der Unternehmen wollen neue Mitarbeiter einstellen.

Anhaltend gut läuft es bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern und den unternehmensnahen Dienstleistungen, wie den Unternehmensberatern, den IT-Dienstleistern oder den Wirtschaftsprüfern.

Das Geschäftsklima im Tourismus hat sich im Vergleich zum Frühjahr sichtlich verbessert. 55 Prozent der Befragten beurteilen ihre Geschäftslage als gut. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage ist von 14 Prozent auf 5 Prozent gesunken. Erfreuliche 60 Prozent der Branchenvertreter sind gegenwärtig voll ausgelastet. Die Beurteilung der zukünftigen Geschäftslage zeigt allerdings ein ambivalentes Bild. Während 27 Prozent mit einer Verbesserung der Geschäfte im Jahresverlauf rechnen, gehen 16 Prozent von einer negativen Performance bis zum Jahresende aus.

Nach einem erfreulichen ersten Geschäftshalbjahr ist die Stimmung im regionalen Handel etwas gedämpft. Waren im Frühjahr noch alle befragten Händler mit ihrer Geschäftslage zufrieden, berichtet derzeit jeder zehnte Handelsbetrieb von schlechten Geschäften. Der Umsatz ist bei mehr als jedem dritten Unternehmen gesunken. Die Erträge geraten infolgedessen unter Druck. Die Erwartungen an die Folgemonate sind zurückhaltender. Die Beschäftigtenzahl im Handel bleibt insgesamt stabil.

Großhandel beliebt Zugpferd



Der Großhandel bleibt das Zugpferd der regionalen Handelslandschaft. Wie schon in den Vorumfragen zeigt sich kein Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Die Stimmung hat sich seit Frühjahr sogar noch leicht verbessert. Ertragslage und Zukunftsaussichten werden folglich unverändert positiv eingeschätzt.

Schlechte Stimmung im Einzelhandel



Trotz vermeintlich guter Konsumlaune hat sich die Situation im regionalen Einzelhandel verschlechtert. Aktuell beurteilen nur 7 Prozent der befragten Einzelhändler ihre Lage als gut, in der letzten Konjunkturumfrage waren es noch 27 Prozent. Bei 60 Prozent der befragten Branchenvertreter ist der Umsatz seit Frühjahr zurückgegangen. Die Ertragslage hat sich bei über der Hälfte der Betriebe in den vergangenen Monaten verschlechtert. Ein Fünftel der befragten Einzelhändler rechnet im Jahresverlauf mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Folglich plant nahezu jedes fünfte Unternehmen Stellen zu streichen.

Fazit: "Die Eurokrise in Europa hat die vergangenen Monate thematisch dominiert und wird sicherlich auch die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Monate bestimmen. Die regionale Konjunktur verliert an Schwung. Rezessionsängste sind aber unbegründet", kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage. "Unsere Betriebe melden noch immer erfreulich gute Werte, auch wenn die Zukunftsaussichten nicht mehr ganz so optimistisch sind. Wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Unternehmen in den Folgemonaten wird sein, inwieweit die Binnennachfrage etwaige Nachfragerückgänge aus den europäischen Nachbarstaaten kompensiert. Auch der noch immer starke private Konsum und die Innovationsstärke unserer Unternehmen werden die regionale Wirtschaft stützen." ct