Theresa Kunick zeigt die neuen Schürzen, Blusen, Tücher und Schuhe. Es ist die aktuelle Ausstattung der Volkstanzgruppe der Landjugend Fechheim. "Die Kleider stammen teilweise aus dem Jahr 1977 und wurden damals unter der fachkundigen Leitung von Gudrun Zwingelberg und den Mädchen selbst genäht", erzählt die 23-jährige Sonnefelderin. Auch wenn sie nach wie vor in einem guten Zustand seien, sei eine "Frischkur" in Form von neuen Schürzen, Blusen, Tüchern und Schuhen dringend nötig gewesen.

Bei der Farb- und Stoffauswahl wurde Wert darauf gelegt, das Traditionelle zu bewahren und gleichzeitig die Tracht zeitlos aussehen zu lassen. Die nun jetzt helleren Schürzen zeigen, dass eine Tracht nicht veraltet, sondern auch jung und frisch aussehen kann. Bei der Auswahl erhielt die Gruppe wertvolle Tipps und Hinweise von den ehemaligen Volkstanzleiterinnen Gudrun Zwingelberg und Silke Baudler. Beide sind wahre Kennerinnen, denn sie haben sich in der Vergangenheit umfangreich für den Erhalt der Tänze und Trachten eingesetzt. Nachdem die Herren 2017 neu ausgestattet wurden, mussten lediglich für die neu hinzugekommenen Tänzer Schuhe gekauft werden. Um alles in einem guten Zustand halten zu können, wurden schließlich noch Kleidersäcke für beide Trachten angeschafft.

Insgesamt beliefen sich die Kosten für die Neuanschaffungen immerhin auf fast 3000 Euro. Deshalb ergriff nach den ersten Überlegungen die Sonnefelder Tänzerin die Initiative, suchte nach Finanzierungsmöglichkeiten und wurde fündig. Durch den Kleinprojektfonds der LEADER-Region Coburg Land war eine Maximalbezuschussung in Höhe von 2500 Euro möglich, worüber sich die Aktiven sehr freuen.

Viele Jüngere können mit Volkstanz nichts anfangen, finden dieses Hobby "angestaubt". Dass dies bei weitem nicht so ist und das Tanzen Spaß macht, zeigt seit Jahren die Volkstanzgruppe der Landjugend Fechheim. Ganz nebenbei leisten die Tänzerinnen und Tänzer damit einen wichtigen Beitrag zur Kultur- und Brauchtumspflege. Während viele andere Vereine aus der Sparte Heimat und Brauchtum Nachwuchssorgen plagen, gelingt es der Landjugend seit Jahren, Jüngere für sich zu begeistern.

Die Basis für diesen Erfolg bildet der starke Gemeinschaftssinn innerhalb der Landjugend und der Volkstanzgruppe. Zudem spricht das "Gesamtpaket" der Landjugend viele an. Die Mitglieder besinnen sich einerseits auf das Ursprüngliche und bewahren mit Stolz Traditionen. Andererseits weiß die Landjugend, wie Feste gefeiert werden, und bietet zur Förderung des Teamgeistes sportliche Aktivitäten wie Kegel-, Volleyball- oder Fußballturniere an. Kein Wunder also, dass auch die Volkstanzgruppe in der Landjugend Fechheim, die 1949 gegründet wurde, seit den 1950er Jahren ein Aktivposten ist. Freilich ist heute beim "starken" Geschlecht etwas Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Herren zu ihrem "tänzerischen Glück" zu zwingen. Haben sie aber erst einmal angefangen und sind begeistert, dann bleiben sie meistens, wie auch die Tänzerinnen, dabei.

Auch wenn es derzeit nicht möglich ist, dass die Volkstanzgruppe bei einem öffentlichen Auftritt in ihren frischen Outfits zu sehen ist, wird es eine Präsentation auf Instagram (landjugend_fechheim) geben. Damit verbinden die Tänzerinnen und Tänzer den Wunsch, bald weitere Neuzugänge begrüßen zu können. Denn mit sieben bis acht Paaren auf der Bühne, macht es noch viel mehr Spaß als derzeit mit fünf Tanzpaaren.Weil der Zuwachs der Truppe ganz unterschiedlich ist, wird es schwierig, wenn Aktive durch Ausbildung oder Studium nicht mehr zur Verfügung stehen. Derzeit sind mehr als 15 Tänzerinnen und Tänzer zwischen 14 und 29 Jahren aktiv und bilden einen guten Grundstock.

Reise nach Berlin als einer der Höhepunkte

Normalerweise tritt die Volkstanzgruppe jährlich vier bis sechs Mal bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen, die vom Dorffest über Jubiläen und Polterabende bis hin zu Seniorennachmittagen reichen, in der hiesigen Region auf. Außerdem nimmt sie an Volkstanzentscheiden oder Festumzügen teil. Ein Highlight war 2017. Nachdem die Truppe den Bezirksentscheid gewonnen hatte, reiste sie zum Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend nach Berlin. Dort tanzten sie bei der Übergabe der Erntekrone vor der damaligen Familienministerin Katarina Barley und dem Vorstand des Bundes der Deutschen Landjugend.

Eigentlich trainiert die Gruppe wöchentlich immer dienstags im Kirchengemeindehaus in Fürth am Berg. Unter der derzeitigen Leitung von Max Backert, der Ansprechpartner der Gruppe ist, und seiner Stellvertreterin Paula Rebiger gehen die Aktiven das Einstudieren der Tänze als Gemeinschaftsaufgabe an. "Die Erfahrenen bringen den Neuen die Schritte bei", erklärt Theresa Kunick. Sie ist seit knapp zehn Jahren in der Volkstanzgruppe aktiv und vermisst, wie die anderen, das gemeinsame Beisammensein und das Tanzen. Verständlich, denn das letzte Training wurde im vergangenen Sommer mit ausreichend Abstand an der frischen Luft absolviert. Trotz der derzeit herrschenden Beschränkungen konnten zwischenzeitlich zwei junge Männer und drei junge Damen als Neuzugänge gewonnen werden.

Um sich der Truppe anzuschließen, braucht es nicht viel. "Voraussetzung ist Spaß an der Gemeinschaft und Lust am Tanzen zu haben", sagt Theresa Kunick. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: "Etwas Taktgefühl kann nicht schaden. Allerdings haben es auch diejenigen, die anfänglich zwei linke Füße hatten, zu äußerst passablen Tänzern gebracht."