Es heißt, Tiere wissen wo sie hingehören. Ochs und Esel in der Krippe wird nachgesagt, dass sie diejenigen waren, die Gottes Sohn zuerst erkannt haben. Kein Wunder also, dass wir uns Weihnachten ohne Ochs und Esel in der Krippe nicht vorstellen wollen. Lebendkrippen, die in den vergangenen Jahren immer häufiger in Dörfern und auf Weihnachtsmärkten zu finden waren, haben deshalb eine besonder Anziehungskraft. Auch auf dem Biohof in Callenberg versammeln sich die Tiere an Weihnachten im Stall.

25 000 Kilometer

Seit drei Jahren gehört ein brauner Riesenesel dazu. Beau, der seinem Namen alle Ehre macht, hat einen weiten Weg hinter sich. Er ist nach weit über 25000 Kilometern angekommen. Zusammen mit drei anderen Eseln hat er auf Callenberg seine Herberge gefunden. Mit seinen acht Jahren ist er der jüngste in der kleinen Herde.

Transport aus Portugal

Lisa Braunersreuther, die ihn zufällig auf einer Facebook-Seite entdeckt hat, holte ihn vor drei Jahren aus dem Hochgebirge in Portugal nach Coburg. "Ich habe mich sofort in ihn verguckt", erzählt sie. Die junge Frau, die schon von Kindesbeinen an auf Eseln geritten ist und sich um sie gekümmert hat, war auf der Suche nach einem größeren Tier, da sie auf herkömmlichen Eseln nicht mehr reiten konnte. "Mit Beau ging ein großer Wunsch für mich in Erfüllung. Ich flog sofort hin und schaute ihn mir an. Es war Liebe auf den ersten Blick." Die Ausreise war dann allerdings gar nicht so einfach.

Beau, der mit seinem Vorbesitzer quer durch Europa unterwegs war, hatte nämlich keine Papiere. Der Mann hatte ihn auf dem Hof in Portugal zurücklassen müssen, da er selbst schwer krank war. Lisa Braunersreuther fand eine Lösung und ließ ihn mit einem Pferdetransporter nach Callenberg bringen.

Die Zuneigung, die das Tier ihr entgegenbringt, zeigt sich auf unzähligen Bildern. Besonders berührend ist eine Aufnahme, auf der Beau den schwangeren Bauch von Lisa sanft berührt. "Ja, er ist wirklich sehr sensibel und vorsichtig im Umgang", erzählt sie.

Allerdings ist Beau auch an viel Bewegung gewöhnt. Schließlich ist er über viele Jahre täglich 15 bis 20 Kilometer gelaufen. Das kann Lisa nicht leisten - zumal sie gerade ihr zweites Kind entbunden hat. Deshalb ist sie auf der Suche nach einer Reitbeteiligung.

Zusammen mit Ana Gerboth und deren Schwester kümmert sich Lisa Braunersreuther um die vier Esel auf Callenberg. Gerne würden sie andere an dem Glück mit den Eseln teilhaben lassen. Deshalb haben sie sich überlegt, Patenschaften, Pflege- und Reitbeteiligungen anzubieten.

Wer Lust hat, an einem festen Tag in der Woche mit einem Esel spazieren zu gehen, allein oder mit Eltern oder Großeltern, kann sich gerne melden. Allerdings kostet das im Monat 40 Euro. Möglich ist das mit Beau und Luna. Luna ist 21 Jahre alt, ein sehr zuverlässiger Kinderesel. "Sie ist eine liebe Dame", sagt Ana, die genau aufpasst, dass niemand herunterfällt.

Patenschaften

Eine Patenschaft kann man für jedes der Tiere übernehmen. "Wir bräuchten tatsächlich etwas Unterstützung für Futter- und Tierarztkosten", sagt Lisa offen. Einfach nach Callenberg kommen und die Tiere kennenlernen. Wer eine Patenschaft für 50 Euro übernimmt, bekommt eine Urkunde und darf jederzeit das Tier besuchen.

Auch Eselreiten für einzelne oder ganze Familien ist wieder möglich. "Wir führen die Tiere durch den Callenberger Forst und die Wiesen rund um den Hof", sagt Ana, die zur Zeit eine Ausbildung zur Pferdewirtin macht. Ihre Leidenschaft sind neben den Eseln vor allem Jungtiere. Lämmer, die nicht in der Herde bleiben können, nimmt sie mit nach Hause und zieht sie mit der Flasche auf.

Die beiden jungen Frauen kennen sich schon seit frühester Kindheit. Callenberg und seine Tiere hat beide in ihren Bann gezogen. Ihre erste Begegnung mit einem Esel hatte Lisa mit Filou, der heute 31 Jahre alt ist und immer noch Bestandteil der Herde. Er liebt auch heute noch Kinder , kann aber nicht mehr geritten werden. "Eine Kuschelbeteiligung für ihn wäre sehr schön", sagt Lisa. Er habe es verdient, jetzt Rentner zu sein. Ein bisschen faul sei er und gefräßig, lacht sie.

Attila, der vierte im Bunde, auch schon 26 Jahre alt, ist ein ruhiges Tier, "hin und wieder eigensinnig". Man müsse sich bei ihm durchsetzen können und ihm Führung geben, aber im Grunde sei er ein "Schisser, der sich nicht viel traut".

Welcher der vier Eesel an Weihnachten wohl mit im Stall steht? Lassen wir uns überraschen.

Lust auf eine Begegnung mit einem Esel?

Unterschätzes Multitalent Edelmut gehört zu seinen größten Stärken. Als loyaler Partner führt er die ihm auferlegten Dienste mit besonderer Treue aus. Wittert er eine Bedrohung, so wägt er - klug und mit Bedacht - zunächst die Lage ab und stellt sich, wenn nötig, furchtlos jeder Gefahr. So furcht- und selbstlos er ist, liebt er auch geselliges Beisammensein und teilt gern mit anderen.

Quelle: Welttierschutzorganisation

Aus der Bibel Einige Historiker sind der Ansicht, dass Ochs und Esel in der Krippe auf das Alte Testament verweisen. Dort heißt es im Vers des Propheten Jesaja: "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht" (Jes 1,2-3). Dieser Satz bedeutet: Die Tiere wissen, wohin sie gehören. Sie sind klüger als sie eingeschätzt werden.

Quelle: Lignoma.com

Kontakt Wer Interesse an einer Patenschaft, Reit- oder Pflegebeteiligung hat, oder einen Termin fürs Eselreiten möchte (auch in den Weihnachtsferien möglich), kann sich bei Ana Gerboth melden, Telefon 0160 / 94487388.