Erwin Appel ist Dialyse-Patient und muss regelmäßig zur Blutwäsche. Er fährt meist mit dem Taxi, alles klappt in der Regel problemlos. Bis zu dem Freitag, als er so mitgenommen war, dass er nicht allein vom Taxi in seine Wohnung laufen konnte. Seine Lebensgefährtin Edelgard Pape wollte ihm helfen, hatte aber keine Chance - der Mann wiegt um die 100 Kilogramm. "Ich habe unseren Nachbarn um Hilfe gebeten, aber auch zusammen haben wir es nicht geschafft", erzählt Edelgard Pape. Also hat der Nachbar den Rettungsdienst angerufen.

Als die Sanitäter vom BRK Coburg kamen, fanden sie Erwin Appel hilflos vor. "Sie wollten ihn mit ins Krankenhaus nehmen, aber er hat sich geweigert. Da haben sie gedroht, die Polizei zu rufen", sagt Edelgard Pape und ist im Nachhinein noch empört. Viel mehr hätten aber sie und ihr Lebensgefährte sich geärgert, als eine Notärztin dazukam, die die Sanitäter angerufen hatten. "Die hat zu mir gesagt, ich soll meinen Mann rauswerfen und ihn in ein Pflegeheim bringen."

Nach Darstellung der Rettungssanitäter und der Notärztin stellte sich die Situation anders dar. Die Schwierigkeit für die Ärztin: "Ich habe Schweigepflicht und darf zur konkreten Lage vor Ort nichts sagen." Nur so viel: "Ich habe mir viel Zeit gelassen, mehr als sonst in ähnlichen Fällen." Deshalb sei sie verwundert, dass es zu einer derart massiven Beschwerde gekommen sei. "Ich würde mich gern noch einmal mit Frau Pape und ihrem Lebensgefährten unterhalten, um zu klären, was genau sie mir vorwerfen", sagt die Notärztin.

Für die zwei Rettungssanitäter äußert sich Werner Reiners-Kröncke, der beim Coburger BRK für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden unfreundlich gewesen sein sollen. Sie gehören zu unseren nettesten Kollegen", sagt er.

Die Situation, die sie bei ihrem Einsatz vorgefunden hätten, beschreibt Werner Reiners-Kröncke so: "Den Patienten hatte offenbar die Kraft verlassen und deshalb haben sie ihn gebeten, ins Klinikum zu gehen." Weil er das aber nicht wollte, hätten sie ihn auf seinen Wunsch hin in sein Wohnzimmer gebracht und die Notärztin gerufen. "Anscheinend gestaltete sich das Ganze dann so, dass selbst die Lebensgefährtin darum gebeten hat, den Mann mit ins Krankenhaus zu nehmen." Der habe schließlich eingewilligt. Edelgard Pape bestätigt, dass die Sanitäter Erwin Appel mitgenommen haben. "Am nächsten Tag ging es ihm wieder besser und er wurde auf eigenen Wunsch entlassen, nachdem er dafür unterschrieben hatte", erzählt sie.