Gerade auf dem flachen Land, wo manch Feuerwehr heute schon personell auf dem Zahnfleisch läuft.
Der Coburger Kreisbrandrat Manfred Lorenz hat es deshalb für heuer ganz oben auf die Dringlichkeitsliste gesetzt, die Potenziale für personelle Verstärkungen der Feuerwehren noch besser zu nutzen. Im Gespräch mit dem Tageblatt erklärt er, wie er dies machen will.
CT: Schaut man sich die Umfragen an, dann ist das Image der Feuerwehren nahezu perfekt. Bekommen dies Ihre Leute draußen im Dienst auch zu spüren?
Manfred Lorenz: Ich glaube nicht. Die Arbeit der Feuerwehr wird fast schon als Selbstverständlichkeit zur Kenntnis genommen. Dass dort ausschließlich Ehrenamtliche im Einsatz sind, wird gerne vergessen. Man könnte fast sagen, dass wir unsere Arbeit zu gut machen. Wir leisten professionelle Hilfe - aber das ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften.

Wie könnte denn die Bevölkerung das Engagement der Feuerwehr besser würdigen?
Wichtig wäre es, wenn die Leute einsehen: Es geht nicht von allein. Wenn ehrenamtliche Dienste funktionieren sollen, dann muss jeder seinen Teil dazu leisten. Dass uns die Menschen vertrauen, ist nicht schlecht. Aber das hilft mir auch nicht weiter, wenn das Personal fehlt.

Gibt es Dinge, die das Vertrauen der Menschen in die Feuerwehr in Gefahr bringen können?
Wir müssen bei unserem Auftreten nach außen immer aufpassen. Wenn jemand in Uniform oder Schutzanzug kommt, dann wird von der Bevölkerung besonders genau hingeschaut. Und wenn da einer Blödsinn macht, dann wird das immer gleich auf die gesamte Feuerwehr ausgelegt. Das sollte nicht passieren. Denn nur, wenn uns die Menschen vertrauen, haben sie Interesse, bei uns mitzuarbeiten.

Sind die Feuerwehren in der Öffentlichkeitsarbeit vielleicht noch ein bisschen zu zurückhaltend?
Wir müssen sehen, dass wir das vorhandene personelle Kapital besser nutzen. Wir in Coburg sind mit dem Staatlichen Schulamt im Gespräch und haben unsere Ideen auch schon den Schulleitern in der Region präsentiert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir uns vielleicht bei der Nachmittagsbetreuung mehr engagieren, um die Kinder frühzeitig auf uns aufmerksam zu machen. Aber dafür braucht man halt auch Leute, die sich am Nachmittag für eine solche Aktion frei nehmen können.

Wie hat es denn mit Ihnen bei der Feuerwehr angefangen?
Mit 15 Jahren in Rossach. Wir wollten eine Jugendfeuerwehr gründen. Da hieß es: "Die Leute dafür müsst ihr aber schon selbst suchen." Das haben wir getan. Ein Nachmittag, schon hatten wir genug, die mitmachen wollte. So eine Uniform - die hat halt einfach was hergemacht. Der heutige Kreisbrandmeister Bernd Schultheiß und der Großheirather Bürgermeister Udo Siegel waren damals schon mit dabei - sie sind es heute noch.

Funktioniert die Werbung für neue Mitglieder ausschließlich im Kinder- und Jugendbereich?
Nein - wir wollen künftig auch Seiteneinsteigern signalisieren: Jeder, der sich engagieren möchte, ist bei uns herzlich willkommen. Da gibt es auch keine Altersgrenze. Wenn jemand mit 50 Jahren noch kommen möchte, dann darf er das gerne tun. Dieter Rempel aus Höhn hat auch erst in diesem Alter angefangen - und er hat der Feuerwehr im Landkreis Coburg enorm viel gegeben. Solche Leute kann man immer gebrauchen.

Gibt es Potenziale bei Menschen mit Migrationshintergrund?
Wir haben hier für uns keine Zahlen vorliegen, aber vom Gefühl her würde ich sagen: Wir haben in diesem Personenkreis eine schlechte Quote. Deshalb werden wir hier auch aktiv werden. Da ist Potenzial vorhanden, keine Frage. Ich erhoffe mir da auch viel vom "MORO"-Projekt im Landkreis Coburg. Da werden wir genaue Zahlen über die künftige Struktur unserer Bevölkerung erfahren - bis hinein in die Ortsteile gerechnet.

Wir es irgendwann so weit kommen, dass man im Sinne der Sicherheit auf die Berufsfeuerwehren setzen muss?
Der Feuerschutz gehört zu den ureigensten Aufgaben der Kommunen. Derzeit wird er von einem ehrenamtlichen System getragen, das professionelle Leistungen bringt. Wenn dieses nicht mehr funktioniert, muss es zwangsläufig in die hauptberufliche Richtung gehen. Das wird nicht heute sein und auch nicht morgen, aber langfristig schließe ich das nicht aus. Kleinere Gemeinden werden natürlich nicht in der Lage sein, diese Herausforderung zu bewältigen. Da wird man sich zusammenschließen müssen. Wie die Gemeinschaftsfeuerwehren dann allerdings binnen zehn Minuten am Einsatzort sein sollen, kann ich mir aber noch nicht so recht vorstellen.
Im vergangenen Jahr wurde in Gemünda eine Feuerwehr aufgelöst. Rechnen Sie auch heuer mit dem Aus für eine Feuerwehr?
Ich gehe davon aus, dass heuer nichts passiert. Man muss bei Problemen in einer Feuerwehr auch einmal den Mut haben und einen Schnitt machen. Manchmal ist es besser, man entlastet eine Mannschaft von ein paar Aufgaben und gibt ihr damit die Möglichkeit, sich ein bisschen mehr auf sich selbst zu besinnen. Hier haben die Kommandanten und Führungskräfte vor Ort eine große Verantwortung. Wer es versteht, zu motivieren, kann auch mit einer kleinen Mannschaft große Dinge leisten.
Das Gespräch führte
unser Redaktionsmitglied
Berthold Köhler