"Nein, an eine Lehre war damals nicht zu denken. Wir mussten Geld verdienen, damit wir überleben konnten", erinnert sich der Senior. In der Landwirtschaft habe er gearbeitet, lange Zeit in der Spielwarenindustrie und noch länger, beinahe 40 Jahre, im Siemens-Kabelwerk.

"Irgendwann wurde ich in den Gemeinderat gewählt und war da dann automatisch Mitglied der Thanner Feuerwehr. Aber so richtig zu den Aktiven habe ich eigentlich nicht gehört", gesteht Seidl aufrichtig. Nur einmal sei er an einer Handspritze gestanden und habe "ein bisschen gelöscht". Trotzdem blieb er all die Jahre im Verein und im Rahmen der Hauptversammlung wurde er für inzwischen über 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Ja, die "Alten" bleiben bei ihrer Wehr. Aber wie sieht es mit den Jungen aus? "Im nächsten Jahr", stöhnt Kommandant Rainer Wittmann, "im nächsten Jahr ist über die Hälfte unserer aktiven Wehrmänner über 50 Jahre alt".

Damen gebe es inzwischen nicht mehr in der Truppe und auch die jungen Leute zögen sich zurück. "Bisher hatten wir bei Ernstfällen Glück, denn eigentlich haben wir nur noch drei Aktive vor Ort, die tagsüber eventuell erreichbar sind. Für die Zukunft sieht das sehr schlecht aus", bedauert der Kommandant und deutet an, dass er die Ausbildung der Mitglieder herunterfahren will, sich dafür aber verstärkt um Nachwuchs bemühen wird. Auch Stadtbrandinspektor Rolf Höfner sieht das Problem der Thanner Feuerwehr. "Man muss ständig auf der Suche sein nach jungen Leuten", bestätigt er und fährt fort: "Also redet mit euren Verwandten und Bekannten, überzeugt sie, dass unsere Arbeit wichtig und richtig ist. Argumente dafür gibt es genug, die dagegen kann man leicht entkräften." Gerne übernahm der Vorsitzende der Feuerwehr Thann, Udo Pechauf, die Ehrung langjähriger Mitglieder und wies auf das interessante gesellschaftliche Programm seines Vereins hin. mgi