Bei einer Vergewaltigung muss nicht immer körperliche Gewalt im Spiel sein. Strafrechtlich liegt dieser Tatbestand auch vor, wenn das Opfer etwa durch Drogen willenlos gemacht wurde. Aus diesem Grund verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Coburg am Donnerstag einen 39-Jährigen Mann aus Coburg zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Daniela Jensch sah es als erwiesen an, dass Anfang des Jahres ein zunächst harmonisches und intimes Tête-à-tête in Coburg aus dem Ruder lief. Die eine Tablette Ecstasy sei nicht im beiderseitigen Einverständnis und beiderseitigem Wissen in einer Kanne Tee aufgelöst worden, wie es der Beschuldigte darstellte. Strafverschärfend wertete die Kammer die weiteren Ecstasy-Tabletten und etwa zehn Gramm Haschisch in der Wohnung des Mannes, der freimütig Aussagen machte und nichts leugnete.

Es fing mit Online-Dating an

Anfang des Jahres lernten sich die Frau aus dem Landkreis Bamberg und der Coburger über eine Internet-Plattform kennen. Nach einigen Treffen fuhr die Frau Ende Januar nach Coburg. Auch wegen der damals geltenden Corona-Ausgangsbeschränkungen war klar, dass die Beiden die Nacht zusammen verbringen und es auch zum Austausch von Zärtlichkeiten kommen würde. "Die Chemie zwischen uns war da, wir haben uns gut verstanden", sagte der Mann aus.

Nach einem Spaziergang wurde zusammen gekocht und etwas Alkohol getrunken. Im weiteren Verlauf des Abends kamen sich Mann und Frau näher. "Um zu chillen, eine gute Stimmung zu haben und locker zu werden, wurde eine Pille Ecstasy im Tee aufgelöst. Der Sex war von uns beiden gewollt und sehr schön", sagte der Angeklagte. Keineswegs habe er die Frau mit Drogen willenlos machen wollen.

Am frühen Morgen verließ die Frau die Wohnung, wobei sie sich ihr körperliches Unwohlsein nicht erklären konnte. Nach der Heimfahrt und einem Telefonat mit der Notaufnahme des Klinikums Bamberg stellte sich die Frau dort vor. Sie hatte geweitete Pupillen, eine hohe Herzfrequenz und war am Körper gerötet. Auch hatte sie kein Zeitgefühl mehr, sagte die damals diensthabende Ärztin aus. Nachdem das Kliniklabor im Urin der Frau die Drogen Amphetamin, Metamphetamin (Crystal Meth) und auch Ecstasy nachgewiesen hatte, wurde die Polizei verständigt. Auch im Blut der Frau ließen sich Ecstasy und Metamphetamin finden.

Einer der aussagenden Polizeibeamten erklärte, für die Frau sei es nicht in Ordnung gewesen, mittels Drogen zu einer gemeinhin weniger verbreiteten Sexualpraktik gefügig gemacht worden zu sein. Während des intimen Abends wurde keine Körperöffnung ausgelassen.

Lange Haftstrafe trotz keiner Vorstrafen

Der Angeklagte war bislang nicht straffällig. Neben der Haftstrafe hat er die Kosten des Gerichtsverfahrens zu tragen. Der Mann lebt seit zwölf Jahren in Deutschland und hat nach dem Abitur und einem angefangenen Jurastudium in Marokko hier eine Facharbeiter-Ausbildung abgeschlossen. In dem technischen Beruf arbeitet er auch. Doch die nächsten Jahre wird er nun im Gefängnis verbringen.