Das hat vielleicht gedauert. Weit über ein halbes Jahr haben Edith und Klaus Scherl warten müssen, ehe sie zum 54. Mal mit dem Wohnmobil nach Bad Rodach fahren konnten. Aber am Fronleichnamstag war es so weit: Der Bad Rodacher Kurbetrieb durfte seinen Wohnmobilstellplatz in der "Thermenaue" nach fast achtmonatiger behördlich angeordneter Schließung wieder für Gäste öffnen. Darauf hat die Schar der Wohnmobilisten mit Stammziel Bad Rodach sehnlichst gewartet, sagt Stine Michel, die Geschäftsführerin des städtischen Kurbetriebes: "Bei uns steht das Telefon derzeit nicht mehr still. Alle wollen wissen, ob sie kommen können."

Die besten Plätze sind noch frei

Wobei man derzeit nicht sagen kann, dass der große Stellplatz unterhalb des Thermalbades aus allen Nähten platzt. Noch halten sich die Wohnmobilisten ein bisschen zurück. Diese Einschätzung bestätigt Klaus Scherl aus Gesprächen im Kreis seiner reisefreudigen Freunde: "Viele scharren zwar mit den Hufen, aber losgefahren sind sie noch nicht." Aber das werde sicher nicht mehr lange dauern, da ist er überzeugt. Dass die Therme Natur derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen noch geschlossen ist, bedauern die Scherls natürlich ausdrücklich - aber eine Katastrophe ist das für sie dann auch wieder nicht. "Wir können uns auch ohne Bad hier toll erholen", sagt Edith Scherl. Sogar ihre Fahrräder haben die Scherls diesmal daheim gelassen, in den nächsten Tagen ist Wandern angesagt. "Und natürlich mal vorne beim Storch vorbeischauen" - das will Edith Scherl auf keinen Fall unerwähnt lassen.

Die Nachricht, dass der Bad Rodacher Stellplatz wieder öffnen darf, hat Klaus Scherl erst im Internet entdeckt und sich dann telefonisch in der Therme bestätigen lassen. Dann ging es ruckzuck, denn von Hollstadt im Landkreis Rhön-Grabfeld bis nach Bad Rodach ist es ja nur ein Katzensprung. "Eine gute dreiviertel Stunde", sagt der Ruheständler gelassen, braucht er mit seinem Wohnmobil von der heimischen Haustür bis nach Bad Rodach. Fünf Tage werden die Scherls jetzt vermutlich mal in Bad Rodach bleiben. Und dann möglichst schnell zurückkehren, wenn das Thermalbad wieder öffnen darf. Denn die Therme, erzählt Edith Scherls, ist schon das, was Bad Rodach besonders macht.

Stine und Bad-Betriebsleiter Rene Michel sind extra bei den Scherls vorbeigekommen, um sie mit einem kleinen Thermalbad-Bocksbeutel wieder zurück am Stammplatz willkommen zu heißen. Nur zu gerne würde Stine Michel Klaus Scherls Frage nach dem Termin für die Wiedereröffnung der Therme beantworten. Aber die Kurdirektorin kann nur mit den Schultern zucken und um Geduld bitten: "Es ist schwierig derzeit mit Prognosen. Uns liegen keine Informationen vor, wie sich der Freistaat Bayern die Wiedereröffnung der Kurbäder vorstellt." Aber eigentlich dürfte es ja nicht mehr ewig dauern, wenn der Landkreis Coburg doch jetzt auch schon die 50er-Schwelle bei der Sieben-Tage-Inzidenz nach unten durchbrochen hat.

Rene Michel will mit seinem Team auf den Tag X nach einer kompletten Wintersaison im Lockdown auf jeden Fall gut vorbereitet sein. Deshalb wird in der Therme Natur ab dem Montag das System wieder hochgefahren. Das betrifft Technik und Personal, sagt der Betriebsleiter: "Wir werden die Becken langsam wieder aufheizen und die Mitarbeiter auf Neustart hin schulen." So sieben Tage dauert es nach Einschätzung Michels, bis das Thermalbad nach seinem ungewollten Winterschlaf wieder bereit ist, Gäste zu empfangen. Das ist ganz schön schnell. Bei vielen anderen Kurbädern, weiß Rene Michel, wird von zwei Wochen Vorlauf gesprochen.

Wann geht's wieder los?

Nach ein bisschen zögern ringt sich der Betriebsleiter dann doch zu einer Hochrechnung für den Re-Start durch: "Ich denke mal, in zwei oder drei Wochen ist es so weit." Im Thermalbad hofft man dabei, dass die Rückkehr zum Normalbetrieb in etwa so abläuft wie nach dem ersten Lockdown. Das heißt: mit beschränkter Besucherzahl, aber keinen gravierenden Einschränkungen beim Angebot. "Es wäre sehr schlecht, wenn wir unsere Saunen nicht öffnen dürften", sagt Rene Michel. Denn die seien einfach zu wichtig für die Gesamtkonzeption der Therme. Rückblick: Im vergangenen Jahr mussten lediglich die Dampfbäder geschlossen bleiben, die Saunen waren geöffnet - mit der Einschränkung, dass die Aufgüsse nicht "verwedelt" werden durften. Damit könnte man in Bad Rodach auch gut jetzt leben.