Vor gut 56 Jahren wurde die evangelische Kindertagesstätte (Kita) "Klosterknirpse" errichtet. Im Laufe der Zeit erfolgten Erweiterungs- und Umbauten. Auch wenn die Einrichtung betriebstauglich ist, steht nun eine Generalsanierung an. Allerdings ist das nicht so einfach umzusetzen und mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden. Um nämlich dem sogenannten Summenraumprogramm zu entsprechen, das Grundlage für Zuweisungen des Freistaates Bayern ist, müssten unter anderem zusätzliche Räume geschaffen oder auch bestimmte Raumhöhen eingehalten werden.

Container werden nicht bezuschusst

Eine erneute Erweiterung hätte deshalb in Betracht gezogen werden müssen.

Während der Bauarbeiten in und an der bestehenden Kita hätte allerdings deren Betrieb ausgelagert werden müssen. Hierfür wäre es notwendig gewesen, Container aufzustellen, was mit erheblichen Kosten verbunden gewesen wäre. Für die gibt es aber keine Förderung. Hinzu kommt, dass auch die Heizung des Gebäudes in die Jahre gekommen ist und nicht alle Ebenen barrierefrei erreichbar sind. Um alle Möglichkeiten abzuwägen, erfolgte eine Gebäudeanalyse. Diese zeigte, dass eine Generalsanierung mit Erweiterung oder Ersatzneubau nicht wirtschaftlich wäre. "Die Erfahrung zeigt, dass die Summe aller Nebenkosten rund 25 Prozent beträgt", führt der Leiter des evangelischen Kirchengemeindeamts Coburg, Rainer Mattern, aus.

Deshalb wurde nach Alternativen gesucht. Mit der benachbarten Klosterschule scheint eine Lösung gefunden zu sein, die finanzierbar ist und dem historischen Gebäude wieder Leben einhaucht. Seit mehreren Jahren steht das gesamte Gebäude leer. Während sich im rechten Teil der Schultrakt befand, waren im linken Teil bis vor einigen Jahren Wohnungen unterbracht. Die entsprachen jedoch schon lange nicht mehr dem heutigen Standard. Beispielsweise befanden sich die Toiletten auf dem Gang. Weil die Förderkulisse für die Schaffung von Wohnraum in solchen Gebäuden ungünstig ist, hätte die Gemeinde die wesentlichen Kosten selbst tragen müssen. Deshalb wurde diese Idee vorerst nicht weiterverfolgt.

Einen Umbau zur Kita lässt die Gebäudesubstanz aber zu, er wäre auch finanzierbar. Auch ein Wasserschaden, den es vor einigen Jahren im Gebäude gab, ist zwischenzeitlich durch eine Fachfirma behoben. Die Räume sind trocken, da muss niemand Bedenken haben.

Ein Planungsbüro führte die Kalkulation dieser Alternative durch und stellte das Projekt den verantwortlichen Stellen in der Regierung von Oberfranken vor. Es kamen positive Signale aus Bayreuth, vom Bereich der Kindertagesstätten, vom Städtebau und der Denkmalpflege. "Jetzt müssen nur noch die notwendigen Beschlüsse im Gemeinderat und im Kirchenvorstand gefasst werden", zeigt sich Mattern optimistisch, wenngleich aufgrund der Architektensumme eine europaweite Ausschreibung notwendig sei.

Um die Maßnahme zügig voranzubringen, wird das Kirchengemeindeamt die Ausschreibung vornehmen und die Gemeindeverwaltung die weiteren notwendigen Schritte übernehmen. Weil der Architekt sowohl Erfahrung in Denkmalpflege als auch im Bereich Bildung haben muss, werden diese beiden Aspekte besondere Entscheidungskriterien bei der anschließenden Vergabe sein.

Im Zuge des Umbaus wird sich auch am alten "Pausenhof" der Klosterschule und in Richtung benachbarter Klosterkirche einiges tun. "Im Umgriff wird die Optik, wie wir sie im Zuge der Städtebauförderung bereits im Ortskern haben, fortgeführt. Auch der Brunnen vor der Klosterschule bleibt erhalten", erklärt Bürgermeister Michael Keilich.

Er freut sich, dass auch die Denkmalpflege der Idee, die ehemalige Klosterschule künftig als Kita zu nutzen, offen gegenüber steht. Schließlich wird damit der Gebäudeleerstand beendet und die ehemalige Klosterschule weiter als Bildungseinrichtung genutzt. Die ehemaligen Klassenzimmer können ohne größere Probleme umgebaut und die zusätzlichen Räume mit untergebracht werden. Selbst der geforderte Rettungsweg ist einfach zu realisieren. Beispielsweise könnte er an der rechten schmalen Gebäudeseite in Form eines Spielturms entstehen.

In den oberen beziehungsweise vorderen Bereichen Wartezonen könnten ein Bistro oder Sozialräume entstehen, während auf der unteren Ebene und im rückwärtigen Bereich die drei Kita-Gruppen sowie Besprechungs- und Differenzierungsräume untergebracht werden könnten. Die Kinder können sich auch mal austoben. Denn die Raumhöhe ist groß genug.

"In Niederfüllbach hatten wir über eine ähnliche Maßnahme nachgedacht, allerdings scheiterte das Vorhaben dort, weil die Substanz des Gebäudes nicht ausreichend war", teilt Rainer Mattern mit. Er und der Bürgermeister rechnen nicht vor 2025 mit einer Fertigstellung. Das sei aber kein Problem. Bis dahin könne der Betrieb der "Klosterknirpse" im alten Kita-Gebäude uneingeschränkt weiterlaufen. Erst nach dem Umzug werde dann das Gebäude abgerissen. "Für die Maßnahme erhalten wir die Maximalförderung", hat Michael Keilich herausgefunden.

Im Zuge des Umbaus der Klosterschule soll sich auch außen einiges verändern. Sowohl an der rückwärtigen Seite als auch vorne in Richtung Klosterkirche soll schräg aufgeschüttet werden, so dass Rampen angelegt für einen barrierefreien Zugang geschaffen werden können. Die Fußwegverbindung zwischen dem noch bestehenden Kita-Gebäude und der alten Klosterschule zur Klosterkirche und dem evangelischen Gemeindehaus wird zum Garten hin umgestaltet. Schließlich sollen im Westen ausreichend Parkplätze angelegt werden.