Stefan mag am liebsten den Marzipanstollen, davon holt er sich gleich noch ein paar Stückchen. Seine Mutter, Elke Lanzerath, ist von den Stollen mit Cranberrys und Schokoladenguss begeistert und Gerhard Dalke stimmt eher Stefan zu. "Der Marzipanstollen ist so schön saftig. Aber eigentlich schmecken sie alle sehr gut." Auf vorbereiteten Zetteln geben die Verkosterinnen und Verkoster, die in die Tageblatt-Geschäftsstelle zur öffentlichen Stollenprüfung gekommen sind, ihr Urteil ab.

Aus fachlicher Sicht begutachtet Manfred Stiefel vom Institut für die Qualitätssicherung von Backwaren die weihnachtlichen Leckereien. "Fünf Bäcker aus der Stadt und dem Landkreis nehmen freiwillig an dieser Qualitätsprüfung teil", erläutert er. Seine Kriterien sind streng. Manfred Stiefel schaut sich zunächst erst einmal das äußere Erscheinungsbild der Stollen an. Er beurteilt die Oberflächen- und Krusteneigenschaft, wie locker das Gebäck ist, wie das Krumenbild, die Struktur und die Elastizität - alles Dinge, die der Laie nur bedingt wahrnimmt. Für die Stollenprüfer von der Straße sind vor allem Geschmack und eventuell noch der Geruch ausschlaggebend. "Das sind aber auch für mich die entscheidenden Kriterien", sagt der Sachverständige.

Während er erzählt, kommt eine Tageblatt-Leserin an den Prüftisch und freut sich riesig über einen Mohnstollen. "Den kenne ich von zu Hause im Sudetenland", sagt sie und erzählt, dass dort aus dem Teig vor allem Mohnstriezel gebacken wurden, wozu mehrere Zöpfe geflochten und übereinander gestapelt wurden. Eine andere Kundin hat es eilig, füllt auch gar keinen Zettel aus, sondern probiert nur mal. "Ich muss ins Saarland einen Stollen mitnehmen; der sollte besonders gut sein." Sie hat ihren Favoriten schnell gefunden und fragt Manfred Stiefel nach dem Bäcker.

Um 13 Uhr ist's dann vorbei mit dem Verkosten. Vier der teilnehmenden Bäcker kommen vorbei, um mit dem Fachmann über das Ergebnis seiner Prüfung zu sprechen. Sie haben übrigens nicht nur ihre Stollen testen lassen, sondern auch noch Lebkuchen mitgebracht. Doch dazu ist Manfred Stiefel gestern nicht mehr gekommen. Das Ergebnis wird er nachreichen. Und so sieht seine Einschätzung der Stollen aus: Die fünf Bäcker hatten ihm 31 Proben zur Verfügung gestellt. 14 bekommen das Prädikat "sehr gut" und 14 das Prädikat "gut". Nur zwei Stollen bewertete Manfred Stiefel mit "zufriedenstellend".

Was bewegt die Bäcker, ihre Produkte einer so strengen Prüfung zu unterziehen? "Natürlich möchte jeder gern eine Bestätigung haben, dass er einen sehr guten Stollen gebacken hat. Aber wir sind auch dankbar, wenn wir auf Fehler hingewiesen werden, damit wir sie abstellen können", sagt Bäckermeister Rainer Reißenweber.