Coburg
Friedhofsatzung

Ein bisschen Grün muss sein

Es ist ein Zeichen der Zeit: Immer mehr Angehörige von Verstorbenen wünschen sich pflegeleichte Gräber. Inzwischen gibt es in Coburg ein wildes Durcheinander.
Gräber mit Aussparungen für Pflanzen, völlig abgedeckte Urnengräber und die Baumbestattung: Die Mitglieder des Bau- und Umweltsenats haben sich die verschiedenen Möglichkeiten auf dem Friedhof angeschaut. Fotos: Helke Renner
Gräber mit Aussparungen für Pflanzen, völlig abgedeckte Urnengräber und die Baumbestattung: Die Mitglieder des Bau- und Umweltsenats haben sich die verschiedenen Möglichkeiten auf dem Friedhof angeschaut. Fotos: Helke Renner
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Die einen bedecken ihre Gräber vollständig mit Platten, andere mit weißem Kies. Hier ist noch ein Eckchen Platz für die Bepflanzung, dort ist eine Hälfte mit Grün bestückt, die andere mit Grabplatte verschlossen. Mitunter finden sich sogar mehr oder weniger ansehnliche Einfassungen aus dem Baumarkt.
Dabei hat der Friedhof am Glockenberg einen historischen Wert. "Er wurde nach den Grundsätzen eines Landschaftsgartens im 19./20. Jahrhundert angelegt, steht auf der Denkmalliste und beherbergt die Gräber namhafter Persönlichkeiten", erläutert Dritter Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (CSB) den Mitgliedern des Bau- und Umweltsenats. Die machen sich selbst ein Bild vom gestalterischen Sammelsurium, das sich in den zurückliegenden Jahren herausgebildet hat. Einigkeit herrscht bei allen Beteiligten, dass der historische Charakter des Friedhofs erhalten werden soll.
Der Leiter des Grünflächenamts, Bernhard Ledermann, gibt aber zu bedenken, allzu restriktive Vorschriften könnten auch dazu führen, dass immer mehr Verstorbene im Ruheforst beigesetzt werden und der Coburger Friedhof ein Einnahmeproblem bekommt.
Seit 2006 gibt es im neueren Teil die Urnengräber, die mit einer Grabplatte bedeckt sind. Soll diese Praxis nun auf das Gartendenkmal in den Vierteln I bis IV übertragen werden? Diese Frage haben die Mitglieder des Bau- und Umweltsenats zu beantworten, um eine entsprechende Satzungsänderung auf den Weg zu bringen.
Zu entscheiden ist, ob sogenannte liegende Grabmale - damit sind die Grabplatten und Kissensteine gemeint - als unzulässig erklärt werden oder ob sie erlaubt sind, wenn Platz für Grünes bleibt. Jürgen Oehm (CSU) macht den Vorschlag, zwischen dem historischen und dem neuen Teil des Friedhofs zu unterscheiden. Bernhard Ledermann kann sich mit dieser Lösung anfreunden.
Schließlich beschließen die Senatsmitglieder, dass im historischen Teil des Friedhofes Grabplatten und Kissensteine erlaubt sind, wenn mindestens zwei Drittel des Grabes freigehalten und bepflanzt werden. Im neuen Teil reicht es aus, wenn ein Drittel des Grabes freigehalten und bepflanzt sind. Danach wird nun die Friedhofsatzung verändert.
Wolfgang Weiß (Bündnis 90/Die Grünen) regt an, dass über die Denkmale für die Baumbestattungen, die es auf dem Coburger Friedhof auch gibt, nachgedacht werden sollte. "Sie könnten meiner Meinung nach schöner gestaltet werden."
Hans-Heinrich Ulmann ergänzt, dass die Verwaltung sich auch über die Einfassungen und Ausstattungen der Gräber Gedanken machen und neue Ideen in die Satzung einfließen lassen sollte.