Dem Osterhasen steht ab dem heutigen Gründonnerstag eine sehr arbeitsreiche Zeit bevor. Um so mehr haben wir uns gefreut, dass er es vorher noch geschafft hat, in der Tageblatt-Redaktion vorbei zu hoppeln und mit uns zu sprechen.

Normalerweise sind Sie ja sehr scheu. Für uns war es deshalb sehr überraschend, dass Sie sich zum Interview bereit erklärt haben. Wir freuen uns natürlich, aber wir fragen uns auch: Warum?
Ich sehe keine andere Möglichkeit mehr, als an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Osterfest wird immer mehr zum Geschenkefest. Weihnachten habt ihr schon verdorben, jetzt nehmt ihr auch noch Ostern den Zauber. Warum wohl gibt es mich, den Osterhasen? Ich bin ein Fabelwesen. Ich stehe für das Mysterium, das der Mensch nicht ergründen kann. Der Frühling kehrt wieder, es bleibt nicht Winter. Die Fastenzeit wird enden, es wird neue Ernten geben! Ostern steht für diesen Aufbruch, diese Hoffnung. Das alles steckt im Osterfest, im Osterei, ganz abgesehen von den christlichen Geschichten drumherum. Aber anstatt auch an all dem zu erfreuen und euch bewusst zu machen, wie sehr ihr von der Natur abhängig seid, macht ihr Menschen lieber ein neues Geldverschwendungsfest daraus.

Das klingt jetzt aber sehr kritisch. Sind Sie vielleicht ein Grüner? Oder gar ein Linker?
Grün, links - was sind denn das für Kategorien? Genauso hätten Sie fragen können, ob ich ein Romantiker bin! "Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein." Das kennen Sie doch, oder?

Das ist von Goethe, der Osterspaziergang.
Da haben Sie's. Aufs Menschsein kommt es an. Zum Menschsein gehört das Spiel, gern auch das Versteckspiel. Alle haben doch ihren Spaß, wenn ich die Osternester verstecke. Es geht doch gar nicht so sehr darum, was drin ist. Hauptsache, man findet etwas!
Ist der Coburger Hofgarten ein guter Ort, um Eier zu verstecken?
Absolut! Der Hofgarten ist aber sowieso ein ganz toller Ort - man kann da nicht nur an Ostern immer wieder Schönes und Neues finden und entdecken. Ich bin dort sehr gerne unterwegs, und zwar zu jeder Jahreszeit. Im Winter halte ich Ausschau nach Ski-Haserln. Im Sommer wundere ich mich manchmal über Ski-Langläufer, die ihre Ski gar nicht dabei haben. Etwas zu viel Trubel ist mir am Pfingstmontag im Hofgarten. Obwohl es mit den vielen Studenten und ihren Mützen und Fahnen natürlich auch wunderbar bunt ist. Sehr gut gefällt mir diese eine Nacht im September, wenn der Hofgarten nicht nur vom Mond angestrahlt wird.

Jetzt aber mal zurück zu Ostern: Können Sie uns verraten, wo genau Sie am Gründonnerstag im Hofgarten etwas verstecken?
Tut mir leid, das geht selbstverständlich nicht. Was ich allerdings sagen kann: Diese Baugrube gleich nebenan am ehemaligen DSZ hätte mich schon sehr gereizt. Aber das lasse ich mal lieber. Manche Anwohner dort haben ja ohnehin schon das Gefühl, dass ihnen mit diesem Bauprojekt ein dickes Ei ins Nest beziehungsweise vor die Haustür gelegt wurde.

In Coburg gibt's die Eier nicht erst am Ostersonntag, sondern bereits am Donnerstag, dem "Grü' Hos". Was halten Sie von dem Brauch?
Ach, die "Residenzler" und ihre Extrawürste, das ist doch nichts Neues.

Extrawürste! Für die Coburger? Dessen sind wir uns gar nicht so bewusst. Haben Sie Beispiele?
Ooooh,ja. Die Coburger haben ihre eigene IHK, ihr eigenes Herzogshaus, ihren eigenen Marsch, ihre eigenen Gullydeckel. Gegrillt wird natürlich nicht auf Holzkohle, sondern auf Kiefernzapfen, und die Semmel für die Wurst muss längs aufgeschnitten werden. Dann bekommt Coburg bald einen eigenen ICE-Halt - auf der Grünen Wiese bei Rödental wäre der zwar sinnvoller, aber eben nicht in Coburg gewesen...

Ach, hören Sie doch bitte auf! Wir lassen uns nicht schlecht reden - wenn, dann machen wir das schon selber.
Stimmt, das ist auch typisch Coburg!

Können wir zum Thema Ostern zurückkommen?
Gerne. Also: Das mit dem "Grü Hos" ist schon in Ordnung. Letztlich erleichtert mir das ja sogar die Arbeit. Denn so muss ich am Sonntag nicht überall herumspringen und Eier verstecken, sondern kann Coburg schon am Donnerstag erledigen.

Na also: Da können Sie ja richtig froh und dankbar sein über die Coburger und ihre Eigenarten!
Wir wollen es jetzt aber mal nicht übertreiben.

Noch eine letzte Frage: Wo erholt sich eigentlich der Osterhase von den ganzen Oster-Strapazen?
Ich habe ja am Ostersonntag noch einen schönen Termin in Bad Rodach: Ich verstecke Eier und weitere Überraschungen, die ab 10.30 Uhr im Kurpark gesucht werden dürfen. Da bietet es sich für mich natürlich an, anschließend die Therme Natur zu besuchen und dort zu entspannen. Ich finde übrigens, außer dem Singenden Bademeister würde sich in der Therme als Attraktion auch ein schwimmender Hase ganz gut machen.

Das Gespräch führte die Tageblatt-Redaktion mit vereinten Kräften.



Heute werden im Hofgarten Ostereier versteckt


Aktion Zusammen mit Radio Eins veranstaltet am heutigen Gründonnerstag die Projekt Bauart WohnInvest GmbH eine Ostereier-Suche im Hofgarten. Gedacht ist die Aktion für Kinder bis zehn Jahre. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Kunstverein (Zufahrt Leopoldstraße oder zu Fuß über Hofgarten/ Kleinen Rosengarten). Bis 13 Uhr gibt's auch Essen und Getränke. Die Projekt Bauart WohnInvest GmbH errichtet derzeit am Rande des Hofgartens (am alten DSZ) eine Wohnanlage.