Es gehörte zu den Sünden der 60er Jahre in der Architektur, dass Verspieltes, Schmückendes begradigt wurde. Das widerfuhr auch dem Gebäude im Steinweg 8. "Das Haus stammt aus dem Jahr 1420 und ist seit über 100 Jahren in Familienbesitz", erzählt Jochen Pönisch, der Sohn des heutigen Eigentümers, Horst Pönisch. Die vor Jahrzehnten eingebauten Einscheibenfenster seien besonders hässlich gewesen. "Deshalb haben wir sie zunächst in Richtung Steinweg gegen Sprossenfenster austauschen lassen." Doch als dann der Bus-Rendezvousplatz beim Theater neu gestaltet, Cafés und Restaurants eingerichtet und das Stückchen Stadt dort auf eine neue Art belebt wurde, sollte auch die rückwärtige Fassade des Pönisch-Hauses in Richtung Gemüsemarkt verschönert werden.

Und an dieser Stelle kommt Hans-Heinrich Eidt, der Vorsitzende der Gemeinschaft Stadtbild, ins Spiel.
"Zufällig beim Rundgang durch die Stadt zur Aufnahme renovierungsbedürftiger Gebäude traf ich am Gemüsemarkt auf den Eigentümer, der dort mit seiner Familie die Renovierung des Hauses besprach", berichtet er. Eine gute Gelegenheit, Hilfe anzubieten. Immerhin: Sprossenfenster kosten mehrere Hundert Euro mehr als Einscheibenfenster. Außerdem musste, sollte das Ganze Hand und Fuß haben, auch noch die hässliche Aluminium-Eingangstür an der Rückfront ausgetauscht werden.

Durch die Spende des Coburger Unternehmers Michael Stoschek und seiner Schwester Christine Volkmann war es Stadtbild möglich, der Familie Pönisch finanziell unter die Arme zu greifen. "So ein Zuschuss wird je nach Zustand des Hauses und den Möglichkeiten der Eigentümer gewährt", erläutert Stephan Zapf, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild. "Aber nur für denkmalgerechte Teile", ergänzt Karl-Heinz Glodschei, der in der Vergabekommission von Stadtbild mitarbeitet. Im Fall des Hauses Steinweg 8 gab es die Zuwendungen für den Mehraufwand, den die Sprossenfenster erforderten und die neue/alte Eingangstür.

Neue Tür mit Dämmung

"Ohne den Zuschuss hätten wir die Tür nicht austauschen können", gesteht Jochen Pönisch ein. Das Schwierigste sei die Suche nach einer passenden Tür gewesen, stellt er im Nachhinein fest. Im Coburger Raum war er nicht fündig geworden. "Im Internet habe ich dann einen Händler entdeckt und eine halbwegs passende Tür aus Eiche ausgewählt", erinnert er sich. Eine Firma im Schwäbischen habe sich auf den Einbau alter Hauseingänge spezialisiert. "Sie wird auch vom Denkmalamt empfohlen."

Die Türen werden zerlegt und entsprechend der benötigten Ausmaße neu zusammengesetzt, abgeschliffen und eingesetzt. "Derzeit haben wir noch einen sogenannten Rohling am Eingang auf der Rückseite des Hauses", sagt Jochen Pönisch. Die neue Tür werde nach dem Sandwich-Prinzip gebaut. Das bedeutet, hinter der Front, die nach außen sichtbar ist, wird eine Dämmung angebracht, dahinter eine Verblendung. "Das bedeutet Wärme- und Schallschutz." Die ursprünglichen Einscheibenfenster zum Gemüsemarkt hin waren unterschiedlich hoch und wurden von der Größe her ausgeglichen, die Fassade durch Simse unterteilt. Zum Ergebnis sagt Hans-Heinrich Eidt, dass die Sanierung des Gebäudes nachhaltig zur Verbesserung des Stadtbildes beigetragen habe.
Das Haus beherbergt derzeit eine Anwaltskanzlei, ein Reisebüro und die Wohnung von Horst Pönisch.