Bereits im letzten Jahr gab es auf Landkreisebene im März einen "Kita-Gipfel" mit Landrat Sebastian Straubel und Vertretern aus den Städten und Gemeinden. Dabei wurde deutlich, dass dieses Problem nur gemeinsam zu lösen ist. In den vergangenen Jahren haben die Kommunen im Landkreis Coburg die Betreuungsplatzangebote ausgebaut. Allerdings erschweren verschiedenste Faktoren die Planung. Beispielsweise haben sich die Quote der Inanspruchnahme verändert und die Zahl der zu versorgenden Kinder erhöht. Hinzu kommt, dass den Kommunen verlässliche Planungsdaten erst mit den Geburtenzahlen vorliegen, der realistische Planungszeitraum für Neu- oder Erweiterungsbauten jedoch rund drei Jahre beträgt. Bei einem Geburtenanstieg von einem auf das nächste Jahr ist es planungstechnisch ausgeschlossen, innerhalb dieses Zeitraums neue Gruppen zu schaffen.

Bis eine weitere Kindertagesstätte ihren Betrieb im Ebersdorfer Gemeindebereich aufnimmt, werden die Kinder in der Großtagespflege betreut. Es ist eine schnell zu realisierende Möglichkeit, um die dringend benötigten Plätze zur Verfügung zu stellen. Deshalb wurden im Gemeindebereich unterschiedlichste Liegenschaften besichtigt. "Letztendlich scheiterten diese alle entweder an der finanziellen Größenordnung oder an Vorschriften oder Vorgaben", sagt Michael Götz von der Gemeindeverwaltung. Deshalb reifte die Idee, als Übergangslösung bis zur Fertigstellung des Neubaus Container aufzustellen.

24 Kinder in zwei Gruppen

Die offizielle Einweihung der Großtagespflege ist am 21. September um 10 Uhr. Am selben Tag nimmt die Großtagespflege mit 24 Kindern in zwei Gruppen in der Hinteren Wilhelmstraße 8 ihren Betrieb auf. "Wir rechnen damit, dass in zwei bis drei Jahren die dritte Kindertagesstätte im Gemeindebereich fertiggestellt ist", sagt Bürgermeister Reisenweber. Auch er ist von der Container-Lösung begeistert, denn den Kindern fehle es dort an nichts. Zudem konnte mit der Kirchengemeinde ein erfahrener Träger gefunden werden, der hohes Ansehen genießt.

Die 19 Container wirken mit ihren großen Fenstern und hellen Innenräumen einladend und sind wie Kindertageseinrichtungen in herkömmlichen Gebäuden ausgestattet. Unter anderem gibt es neben den Gruppenräumen auch kindgerechte Toiletten, Wickelmöglichkeiten sowie Schlaf- und Ruheräume für die Kleinsten. "Für diese schnelle Lösung erhalten wir keinerlei Fördermittel", erklärt Bürgermeister Reisenweber. Trotzdem sei sich der Gemeinderat einig gewesen, diese Lösung zu realisieren, um Plätze zu schaffen. Dass die Entscheidung richtig war, zeigt sich in der Nachfrage, denn die Plätze sind alle vergeben. Auf drei Haushaltsjahre verteilt, schultert die Kommune bis 2022 rund 325000 Euro, aufgeteilt in 66000 Euro für den Tiefbau, 209000 Euro für die Container, 40000 Euro für die Ausstattung und 10000 Euro für die Erschließung.

Träger ist die Kirchengemeinde

Die Trägerschaft hat die evangelische Kirchengemeinde Sankt Laurentius übernommen. Als das Pfarrerehepaar Kathrin und Andreas Neeb im letzten Jahr nach Ebersdorf wechselte und den Bürgermeister besuchte, waren schon bald die fehlenden Betreuungsplätze und Absagen an Eltern ein Thema. "Schnell wurde uns klar, dass wir als Kirchengemeinde unseren Beitrag dazu leisten wollen, damit sich die Situation verbessert", erzählt Pfarrerin Kathrin Neeb. Nachdem der Kirchenvorstand das auch so sah und es mit der Laurentius-Kinderwelt bereits eine Kindertagesstätte gibt, können Synergien genutzt werden, beispielsweise im Bereich der Spielgeräte.

Die Großtagespflege ist eine eigenständige Einrichtung und kooperiert mit der Laurentius-Kinderwelt. Von dort wechselt Manuele Keßler als künftige Leitung in die Großtagespflege. Zudem werden dort drei neue Kräfte tätig sein und das pädagogische Konzept mit Leben erfüllen. Seitens der Kirchengemeinde werden die laufenden Kosten für Personal und Betrieb übernommen. Wie andere Kindertagesstätten auch finanziert sich die Großtagespflege aus Elternbeiträgen, Zuschüssen der politischen Gemeinde, Spenden sowie Fundraising.