Sie gehören zum neuen Bild vieler Innenstädte: E-Tretroller und Fahrräder mit Elektro-Unterstützung, sogenannte Pedelecs. Dazu kommen neue Verkehrsdienstleistungen wie Car-, Bike- oder Ridesharing. Wie die Versicherungswirtschaft auf diesen Wandel von Mobilität reagieren kann, untersucht ein Team an der Hochschule Coburg in einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Mathias Wilde. Der Professor der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik forscht in den Bereichen Verkehrsgestaltung und nachhaltige Mobilität: "Die Menschen nutzen nicht mehr ausschließlich ein Verkehrsmittel. Indem wir die Veränderungen des Mobilitätsgeschehens zusammen mit der Versicherungswirtschaft und Partnern aus dem Verkehrssektor untersuchen, wollen wir gemeinsam Wege aufzeigen, wie sich aus der klassischen Kraftfahrtversicherung eine verkehrsmittelübergreifende Mobilitätsdienstleistung entwickeln kann." Das Vorhaben bringt dafür Versicherungsunternehmen, Verkehrsunternehmen und neue Mobilitätsdienstleister zusammen und zeigt darüber neue Kooperationsmöglichkeiten auf.

Das Forscherteam der Hochschule Coburg wird beispielhaft die Region Nürnberg untersuchen. Einer der vier Projektpartner ist die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft. Diese betreibt das U-Bahn-, Stadtbus- und Straßenbahnnetz in der Stadt Nürnberg. Frederik Nöth, Referent für Technik und Innovation bei der VAG, beschreibt die Rolle der VAG bei dem Vorhaben: "Wir bringen unsere Expertise als führender Mobilitätsdienstleister in Nürnberg ein und stellen Daten aus unserer langjährigen und umfangreichen Marktforschung bereit."

Versicherer entwickelt neue Produkte

Ein weiterer Projektpartner ist die HUK-Coburg. Carolin Wachter entwickelt für den Versicherer neue Produkte und betreut das Forschungsprojekt. Sie sagt: "Wir möchten durch die Zusammenarbeit mehr Erkenntnisse über das Mobilitätsverhalten der Menschen, insbesondere im urbanen Raum, losgelöst vom eigenen Auto, sammeln." Die Erkenntnisse, die in den drei Jahren Laufzeit gewonnen werden, sollen in neue Produkte einfließen. "Ideen zu einer Mobilitätsversicherung gibt es viele. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern wollen wir herausfinden, welche Bedürfnisse es gibt. Wir wollen uns weniger an bestehenden Produkten orientieren, sondern den Menschen völlig offen begegnen", erklärt Wachter. Das Forschungsprojekt mit dem Namen "DiVers" wird im Rahmen des Bayerischen Landesforschungsprogramms mit 250000 Euro gefördert. Prof. Wilde fügt hinzu: "Es wird spannend sein, im Laufe des Projektes herauszufinden, welche Konstellationen von Akteuren sich ergeben und welche neuen Geschäftsmodelle sich entwickeln lassen." Durch dieses Projekt könnten nachhaltige Alternativen zum motorisierten Individualverkehr in Ballungszentren noch attraktiver gestaltet werden.