Steht der Sportkegelverein Neustadt an einem Scheideweg? Diese Frage muss nach der jüngsten Hauptversammlung gestellt werden. Bei den turnusmäßigen Neuwahlen fand sich weder ein erster noch ein zweiter Vorsitzender.

Ulrich Bieberbach, seit 23 Jahren an der Spitze des Vereins, stellte sich nicht mehr zur Verfügung. Auch Susanne Hofmann, die kommissarisch das Amt der zweiten Vorsitzenden bekleidet hat, stellte sich hierfür nicht zur Wahl. Der bisherige Vorstand konnte keine Wahlvorschläge unterbreiten. Auch Nachfragen bei den 53 anwesenden Mitgliedern liefen ins Leere. "Das habe ich so erwartet", war der Kommentar von Neustadts Drittem Bürgermeister Martin Stingl, der die Wahl leitete. Deutlich machte Stingl, dass innerhalb eines gewissen Zeitraums eine weitere Versammlung einberufen werden müsse, mit dem Ziel, einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Sollte kein Vorsitzender gefunden werden, gelte das Vereinsrecht, in dem geregelt ist, dass der Verein aufgelöst wird.

Das Ungemach kam nicht von ungefähr. Dem Desaster war ein Referat von Dominik Heike vorausgegangen, in dem der zweite Vorsitzende des TBVfL Wildenheid sachlich und fachlich fundiert erläuterte, dass sich in der Neustadter Vereinslandschaft ein Problem dahingehend abzeichne, Vereinsvorstände zu finden. Er selbst sei von fünf Vereinen angesprochen worden, ob er nicht als Vorsitzender zur Verfügung stehe. Eine Lösung sieht Heike in Form eines großen Mehrspartenvereins, unter dessen Dach bisherige eigenständige Vereine ihrem Vereinszweck weiter nachkommen können.

Ein Signal geben

Nachdem er alles Für und Wider ohne Schönfärberei aufgezeigt hatte, meinte Martin Stingl, der sich als absoluter Befürworter eines Mehrspartenvereins zeigte, dass es jetzt wichtig sei, dem Vorstand ein Signal zu geben, ob der Faden weitergesponnen werden soll oder nicht. Er regte daher eine "Probeabstimmung" an, um zu sehen, in welche Richtung die Tendenz der Mitglieder geht. Die Fragen, die an Dominik Heike gestellt wurden, zeigten auf, dass eine gewisse Skepsis vorhanden war. Der Versuch von Stingl, die Versammlung dafür zu sensibilisieren, dass es im Moment überhaupt nicht darum gehe, tiefgehende Problemstellungen zu analysieren, fand am Ende nicht das gewünschte Gehör. So setzte sich die Strömung durch, dass man zunächst innerhalb der einzelnen Mitgliedsclubs (PSV Franken Neustadt, SKC 07 Neustadt, Alle Neun Neustadt und DSKC Neustadt) das Thema erörtern wolle. Eine "Probeabstimmung" fand nicht statt.

Den Bemerkungen von Ulrich Bieberbach war zu entnehmen, dass er diese eher ablehnende Stimmung auch zum Anlass nahm, nicht mehr zu kandidieren. "Ich sehe hier zu viele skeptische Gesichter", meinte Bieberbach, der auch während der Diskussion den Satz fallen ließ: "Ich glaube nicht, dass sich dann ein erster Vorsitzender finden wird." Dass die mahnenden Worte von Dominik Heike, es werde immer schwieriger, Vorsitzende zu finden, nicht Schall und Rauch seien, mussten die Mitglieder des Sportkegelvereins umgehend erfahren. Sorgen bereitet Bieberbach die Altersstruktur im Sportkegelverein. So sind nach seinen Darlegungen über ein Drittel der 136 Mitglieder älter als 60 Jahre und nur zehn Prozent unter 26 Jahre. "Für mich ist es deshalb wichtig, rechtzeitig die Weichen zu stellen, um nicht als kranker und sterbender Verein bei irgendjemandem um Aufnahme zu bitten", sagte Bieberbach.

Rückblickend auf vergangene Veranstaltungen stellte der Vorsitzende fest, dass im sportlichen Bereich ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen gewesen sei."Alle geplanten Meisterschaften und Turniere konnten durchgeführt werden", betonte Bieberbach. Deutliche Worte fand er am Ende seiner Ausführungen, als er unterstrich: "Mittel- und langfristig habe ich größte Bedenken hinsichtlich eines erfolgreichen Fortbestands des Kegelns in Neustadt."

Einen Überblick über die sportlichen Aktivitäten im Jugend- und Erwachsenenbereich gaben Lukas Müller und Sportwart Günter Faber.