Äußerer Aufwand und musikalischer Ertrag haben manchmal wenig miteinander zu tun. Mit scheinbar bescheidenen Mitteln lassen sich bisweilen in aller Schlichtheit intensive Ergebnisse erzielen.
Das beweist diese Abendmusik zum Auftakt der Passionszeit in der Salvatorkirche Bad Rodach. Sopran und Orgel - in dieser vokal-instrumentalen Kombination gibt es viele Möglichkeiten, spannende Programme zu gestalten.
Die Sopranistin Julia Lucas und der Organist Markus Ewald haben sich in diesem Fall für die reizvolle Mischung aus bekannten Namen und reizvollen Entdeckungen entschieden, eine Uraufführung inklusive. Zum Auftakt: Mozarts "Ave verum".

Einfühlsam gestaltet

Schon hier erweisen sich Julia Lucas und Markus Ewald als musikalisch gut harmonierendes Duo. Julia Lucas besitzt einen schlanken, hell timbrierten Sopran, der technisch sicher geführt ist und sauber anspricht.
Klare Artikulation und präzise Aussprache gestatten ihr Interpretationen, die im Gestus bewusst schlicht, zugleich aber einfühlsam textbezogen in der Gestaltung sind.
Und Markus Ewald demonstriert an der kleinen Orgel der Salvatorkirche, dass sich auf zwei Manualen samt Pedal geradezu kammermusikalisch dezent begleiten lässt. Selbst mit den wenigen Registern, die ihm an diesem Instrument zur Verfügung stehen, gelingen ihm klangfarblich fein nuancierte Interpretationen.
Der textliche Bezug zur beginnenden Passionszeit steht im Zentrum des Programms. Auf der Suche nach passenden Stücken sind die Interpreten auch bei einigen weniger bekannten Komponisten zwischen Spätbarock und Romantik fündig geworden - so bei Albert Becker mit einem Passionslied, bei Johann Friedrich Gräfe ("Der du alle Kreuzesplagen") und bei Gustav Schrecks "Gebet".
Der Mittelteil des Programms ist dann Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet. Zwei Sätze aus seinen Orgelsonaten op. 65 - das lyrische Andante D-Dur und die in der Stimmführung prägnant artikulierte Fuge d-Moll - umrahmen zwei Vokalstücke. Liedhaft schlicht singt Julia Lucas "Bei Dir gilt nichts denn Gnad und Gunst" aus den "Drei Kirchenmusiken" op. 23, mit großem Nachdruck gelingt ihr die Arie "Jerusalem" aus dem Oratorium "Paulus".


Uraufführung


Nach Franz Schuberts "Vom Mitleiden Mariä" gibt es dann sogar eine Uraufführung - das "Stabat Mater" von Torsten Sterzik. Hildburghausens Kirchenmusikdirektor hat den tradierten lateinischen Text vom Leiden Marias im Angesicht des gekreuzigten Jesu in betont schlichtem Stil vertont. Zur fließenden Begleitung der Orgel über der ruhig fortschreitenden Basslinie im Pedal entfaltet die Singstimme ausdrucksvoll ariose Melodiebögen.
Lyrischer Ausklang ist dann César Francks "Panis angelicus". Freundlicher, verdientermaßen ausdauernder Beifall.


Die Interpreten


Die Sopranistin Julia Lucas (geboren in Eisenach) ist regelmäßig als Liedsängerin und in Kirchenkonzerten zu hören (früher in Weimar, seit einiger Zeit im Fahner Land und nun auch im fränkischen Raum). Sie studierte in Weimar und Jena Schulmusik, Stimmbildung, Musikwissenschaft und Germanistik. Zur Zeit ist sie als Musikerin, Musikpädagogin und Journalistin freiberuflich tätig.

Markus Ewald studierte Hauptfach Orgel an der Hochschule für Musik in München bei Hedwig Bilgram und Klemens Schnorr. Konzert-Diplom 1989. Es schlossen sich ein Studium bei Yves Devernay an Notre-Dame de Paris sowie Meisterkurse für Improvisation und historische Orgelmusik bei Louis Toebosch und Ewald Koimann an. Ewald ist als freier Organist und Kirchenmusiker in Bad Rodach und Coburg tätig und künstlerischer Leiter der "Kirchenmusik Bad Rodach". Er konzertiert in Deutschland und Frankreich.


Ausblick

Samstag, 16. März, 19 Uhr, Salvatorkirche Bad Rodach - Geistliche Abendmusik zur Passionszeit mit Hen-Chih Lin (Posaune) und Markus Ewald (Orgel).