56 von 57 möglichen Stimmen - ein tolles Ergebnis! Aber die CSU in Coburg hatte auch keine andere Wahl. Immerhin hat sie mit Birgit Weber eine Kreisvorsitzende und designierte OB-Kandidatin, die von sich behaupten kann, mit all den inner- und zwischenparteilichen Querelen der vergangenen Jahre nichts zu tun zu haben. Sie steht für einen Neuanfang.

Ihr Rechenschaftsbericht ähnelte denn auch einer Bewerbungsrede für die Nominierung zur OB-Kandidatin. Sie zeigte aber auch, wie neu Birgit Weber im stadtpolitischen Geschäft ist. Noch hat sie genug Zeit, Schwachstellen auszugleichen, die den politischen Mitbewerbern Angriffspunkte bieten.

So dürften sich SPD (und CSB) mit Genuss auf ihre Ankündigung stürzen, die CSU werde den kommunalen Haushalt "ausgleichen". Bislang musste sich die CSU-Fraktion im Stadtrat stets anhören, keine eigenen Sparvorschläge gemacht zu haben.
Denn die Stadt gibt entweder Geld für Dinge aus, zu denen sie gesetzlich verpflichtet ist, oder sie setzt Stadtratsbeschlüsse um. Keine Partei ist bisher groß mit Sparvorschlägen hervorgetreten. Nun hat Birgit Weber ihre Fraktion in Zugzwang gebracht. Dabei könnte die CSU auf dem Finanzfeld durchaus punkten. Der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach setzt sich bei der CSU-geführten Staatsregierung für mehr Städtebaufördermittel für Coburg ein. Da müsste die Coburger CSU sich nur einreihen. Aber wenn sie sich als "Opposition" im Stadtrat begreift und daraus ableitet, dass sie gar nichts für die Stadt zu tun braucht, nicht mal auf der parteipolitischen Schiene, dann bleibt sie weit unter ihren Möglichkeiten.

Beim "Band der Wissenschaft" auf dem Güterbahnhofsgelände zeigt ausgerechnet Hans Michelbach den Schwachpunkt auf. Während Birgit Weber kritisiert, dass da nichts vorangeht, verweist Michelbach darauf, dass die Stadt das Grundstück von der Bahn nur altlastenfrei übernehmen sollte (und will). Da wirken die Vorwürfe an die Stadtverwaltung schlicht daneben.

Eine fehlende Anger-Umgestaltung anzumahnen ist auch gewagt - erst hat sich die CSU vom SPD-Oberbürgermeister in die Position treiben lassen, dass "Coburgs neuer Süden" die Stadt kein Geld kosten dürfe. Als klar war, dass es die Anger-Umgestaltung zum Nulltarif nicht gibt, musste auch die CSU-Fraktion dagegen sein. Abgesehen davon, dass auch den CSU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Herbert Hartan beim Gedanken an eine Angerumgestaltung Bauchschmerzen befallen, weil er um den Festplatz fürchtet, hat ja auch die CSU keine Idee, wie es mit dem Bau von Hotel, Stadthalle etcetera schneller vorangehen könnte. Geld ist jedenfalls keins da - und die Stadt verschulden will auch Birgit Weber nicht.

Da ist noch einiges aufzuarbeiten wenn sie sich in einem Wahlkampf behaupten will. Die Parole "24 Jahre Kastner sind genug" wird nicht reichen, wenn Birgit Weber nicht überzeugend vermittelt, dass sie es besser könnte als die anderen. Deshalb: Hausaufgaben machen!