Keiner hat Coburg architektonisch so geprägt wie er, Herzog Johann Casimir, auf dessen 450. Geburtstag die Stadt in diesem Jahr zurückblickt. Er hat das vormalige Ackerbürger-städtchen ja insgesamt kulturell und politisch in eine andere Dimension gebracht, was ihm bisher nicht recht gedankt wurde. Er war nämlich eine zwiespältige Figur, der den Coburgern bis heute nicht ganz geheuer ist.


Renaissance-Architektur


Der vierte von insgesamt sechs Vorträgen der Volkshochschule und der Historischen Gesellschaft über das Denken und Handeln Johann Casimirs findet am nächsten Mittwoch im Staatsarchiv Coburg statt. Im Mittelpunkt steht die Renaissance-Architektur in Deutschland zur Zeit Herzog Casimirs. Viele Gebäude in Coburg sind ein Beispiel für die damalige Entwicklung von Architektur und Kunst.
Referent ist Hans-Georg Lippert, Professor am Institut für Baugeschichte an der Technischen Universität Dresden.


In seinem Auftaktvortrag zu dieser Reihe hatte sich bereits der Historiker Gert Melville, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Coburg, mit dem baulichen Schaffen Casimirs befasst:
"Das Gebäude des "Casimi rianums" war nicht das einzige, mit dem der Herzog das bisherige Stadtbild Coburgs, welches - abgesehen von der Ehrenburg - allein von bürgerlichen und kirchlichen Bauten bestimmt war, signifikant veränderte. Schon von 1597 bis etwa 1601 hatte der Baumeister Peter Sengelaub (1558 - 1622) ein Kanzleigebäude ebenfalls im Stile der Renaissance auf dem Markt direkt gegenüber dem damals neu erbauten bzw. erweiterten Rathaus errichtet. Es stellt ein mächtiges dreigeschossiges Satteldachhaus dar mit sieben Doppelachsen, drei Zwerchhäusern, zwei sogenannten Coburger Erkern sowie einem Prunkportal, das Casimirs Wappen krönt.


Es nahm dann, mitten in der Stadt, sämtliche Landeskolle gien und -behörden auf. Der Anlass also war, vordergründig gesehen, auch hier wieder ein ganz pragmatischer, zugleich aber gab es kaum einen wirkungsvolleren Weg, den Herrschaftswillen Casimirs in Stadt und Staat überzeugender zu präsentieren.


Dies gilt in gleicher Weise auch für den 1615/21 ebenfalls von Sengelaub durchgeführten Bau eines dreigeschossigen Zeughauses zwischen Ehrenburg und Kanzlei, das durch sein trutziges, wehrhaftes Gesamterscheinungsbild und sein schweres, mit toskanischen Dreiviertelsäulen flankiertes Hauptportal auffällt. Es diente (allerdings nur kurze Zeit) als Waffenarsenal für die Bürgerschaft.

Zeichen seiner Herrschaft

Im engeren höfischen Bereich fanden ebenfalls Neu- und Umbauten statt. Neben der Errichtung eines Ballhauses sowie einer Stahlhütte zum Armbrustschießen hinter der Ehrenburg (beide existieren nicht mehr) wurde vor allem letztere beträchtlich umgeformt und erweitert, um zum Beispiel die Münzstätte und eine Schlosskirche unterzubringen, vor allem aber um dem gewandelten Repräsentationsbedarf der Zeit zu entsprechen.


1592 erfolgte die Ausstattung des Südportals mit einem Prunkaufsatz, der das Wappen Casimirs und zwei allegorische Gestalten des Friedens trägt, mit dem Wahlspruch des Herzogs "frid ernert, unfrid verzert". Der Bamberger Baumeister Bonalino schuf dann noch 1623/27 an der Ostseite des Innenhofes einen Arkadenbau - die sogenannte "Altane", im modernen Stile der Spätrenaissance. Und schließlich bleibt, noch einmal auf das Epitaph in der Morizkirche zu verweisen - sicherlich eine der größten Kostbarkeiten Coburgs."