Eine aktive und bürgernahe Umweltpolitik hat sich die Gemeinde Lautertal mit Bürgermeister Karl Kolb (ÜPW) als Ziel gesetzt. Ein erster Schritt hierzu war im vergangenen Jahr die Bildung des Arbeitskreises "Klima- und umweltfreundliches Lautertal". Hier entstand die Idee zu einer Bürgerbefragung. Der Arbeitskreis wurde dieses Jahr zum Beirat erhoben. In dessen erster Sitzung präsentierte Dr. Marten Schrievers die Ergebnisse der Umfrage. Er bedankte sich bei Martin Ungelenk dafür, dass er die Fragen so ausformuliert hatte, dass die Antworten auch verwertbar sind. Bürgermeister Kolb erwähnte, dass das gesamte Projekt mit einem Budget von weniger als 1000 Euro ausgekommen sei.

Jetzt folgte der nächste Schritt: Aus der Auswertung der Fragebögen wurden Schlussfolgerungen gezogen. Für Bürgermeister Karl Kolb sind diese, sofern der Gemeinderat dies auch so sieht, die künftigen "Hausaufgaben" der Gemeinde. Die Umsetzung der Ergebnisse solle nur in enger Abstimmung mit dem Gemeinderat erfolgen, die Bürger sollten immer eng eingebunden werden. Kolb: "Das Ganze ist keine Ein-Mann-Show, sondern muss ein Produkt vieler werden."

Ein Katalog an Maßnahmen

Kolb präsentierte den Katalog klimaschützender Maßnahmen. So sollen bei künftigen Ausweisungen von Gewerbe- und Wohngebieten Umweltvorgaben festgelegt werden. Dies könnte die Installation von Photovoltaikanlagen, Zisternen, Wärmepumpen und eine naturnahe Gartengestaltung betreffen. Gerade die Kiesgärten um Wohngebäude gefallen den Bürgern gar nicht. In diesem Zusammenhang verwies Bürgermeister Kolb darauf, dass die Gemeinde für das Gewerbegebiet "Reutersgasse" im Bebauungsplan festgeschrieben habe, dass Photovoltaikanlagen zu installieren seien.

Der Klimabeauftragte des Landkreises Coburg, Christian Gunsenheimer, sieht Lautertal auf einem guten Weg, wenn zukünftig ein Baugebiet nur noch "aus ökologisch wertvollen" Grundstücken bestehen werde, wenn dies die Gemeinde konsequent umsetze. Derzeit gebe es Baugebiete, bei denen die Ökologie wirtschaftlichen Interessen weichen musste.

Auch sieht der Bürgermeister die Gemeinde in der Pflicht, sich für die Förderung regenerativer Energien starkzumachen. Die Windkraftanlage zwischen Tremersdorf und Rottenbach wird aller Voraussicht nach 2023, wenn die Förderung im Rahmen des "Erneuerbaren-Energie-Gesetz" (EEG) ausläuft, zurückgebaut. Dann sollte die Anlage erneuert werden.

Mobilität ist auch ein weites Feld

Ein großes Spektrum in der Klimapolitik der Gemeinde wird auch die Mobilität einnehmen. Es sollte laut Kolb einen durchgängigen Radweg zwischen Coburg und Eisfeld, eine verbesserte Rufbusanbindung und gute Voraussetzungen für die Elektromobilität geben. Allerdings habe die Auswertung der Fragebögen ergeben, dass die Lautertaler Elektrofahrzeugen eher skeptisch gegenüberstehen, berichtete Kolb. Auch er sehe die Elektromobilität als eine Übergangstechnologie, die aber nicht außer Acht gelassen werden dürfe, sagte Kolb.

Als überregionales Ziel peilt er die Aufnahme des Coburger Landes in das Thüringen-Ticket an, wenn ab 2023 ein Regionalexpress von Coburg nach Erfurt fährt. Auch wünschte er sich eine Unterstützung der Gemeinden durch die Klimamanagerin des Landkreises. "Diese benötigen wir viel mehr als einen Archivpflegeverein", meinte Kolb mit einem Augenzwinkern.

Eines förderte die Befragung aber ganz deutlich zutage: Die Bürger wünschen sich viel mehr Informationsveranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen wie genossenschaftliche Photovoltaikanlagen, Energie oder Gartengestaltung. "Diesem Wunsch werden wir zeitnah Rechnung tragen", betonte Karl Kolb. Marten Schrievers, der die Fragebögen ausgewertet hatte, stellte fest: "Immer mehr Menschen übernehmen Verantwortung für ihr Handeln im Umweltbereich. Viele spüren auch die Verantwortung, den nächsten Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Durch Umweltwissen entsteht ein Umweltgewissen." Die Teilnehmer der Bürgerbefragung hätten von dieser Verantwortung sicher etwas gespürt, als sie sehr viele konstruktive Vorschläge für die Gemeinde gemacht haben. Abschließend meinte der Arzt: "Wir können alle am leichtesten da anfangen, wo wir leben: in unseren Familien und unserer Gemeinde."

Unter den Teilnehmern der Bürgerbefragung wurden fünf Lautertaler-Gutscheine im Wert von je 25 Euro verlost. Gewonnen haben Florian Schott, Andreas Liebelt, Michael Gertz, Michael Sollmann sowie Klaus und Christine Welz.