Gerhard Schöne ist ein sanfter Weltverbesserer. Er schreibt keine Botschaften auf trotzig in die Luft gereckte Schilder. Er will nicht bekehren oder belehren. Er spielt nicht den moralisierenden Mahner oder den Verkünder wohlfeiler Wahrheiten. Wenn Gerhard Schöne mit seiner Gitarre auf der Bühne steht, stellt er singend manchmal Fragen, wie ein Kindermund sie stellt. Dennoch sind seine Lieder keine naive Weltflucht.

Gerhard Schöne singt buchstäblich von Gott und der Welt, von Himmel und Hölle und davon, dass die wahren Helden diejenigen sind, die sich Feinde zu Freunde machen. Ist Gerhard Schöne deshalb ein christlicher Liedermacher? Wer seinen Auftritt in der Reihe "Cultur im Contakt" in Coburg erlebt, könnte fast diesen Verdacht haben.
So gut besucht ist selten ein Abend in diesem Rahmen.

Poetische Texte

Christlicher Liedermacher? Schöne singt vom Engel, der die Träume macht, und er singt vom Wunder des Lebens, aber in die Schublade mit der Aufschrift "Christlicher Liedermacher" will er dennoch nicht so recht passen. Weil seine Texte oft einfach zu poetisch sind? Weil er nicht im Gestus des in allen strahlenden Dur-Tonarten besungenen Gutmenschentums erstarrt?

Gerhard Schönes besondere Gabe, so scheint es, ist es, das Staunen nicht verlernt zu haben - das Staunen über die kleinen Helden des Alltags. Er singt von den stillen Momenten des Glücks, die nur derjenige erlebt, der sich dem Diktat der vermeintlichen Logik nicht beugt. Passt ein ganzes Künstlerleben in einen einzigen Konzertabend? Dem Coburger Publikum jedenfalls präsentiert Schöne eine klingende Assoziations-Rundreise durch sein bisheriges Schaffen. Und am Ende gibt es dann noch einen kleinen Querschnitt seines aktuellen Albums.

Verzaubert und verwandelt

"Die Lieder der Briefkästen" hat Schöne sein jüngstes Opus genannt. Darin stellt er sich vor, was Briefkästen denn zu erzählen hätten, wenn Briefe reden könnten - Liebesbriefe und Feldpostbriefe, die vom Weihnachtswunder an der Front der Schützengräben 1914 berichten.

Und er begibt sich mit einem Flaschenpostbrief auf eine abenteuerliche, elf Jahre währende Odyssee über die Weltmeere. Gerhard Schöne verkündet keine Botschaften, er sät Gedanken. Und das Publikum im Coburger "Contakt" folgt ihm staunend, verzaubert, verwandelt.



Aus dem Leben eines Liedermachers

Gerhard Schöne ist einer der wenigen aus der Schar der ostdeutschen Liedermacher, deren Produktivität und Popularität auch nach der Wende ungebrochen sind. Davon zeugen nicht nur 25 Musikalben, die nach 1989 entstanden sind, sondern jährlich auch fast 100 Konzerte in Ost, West und der Mitte.

Er wurde für sein Schaffen mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik (1992, 2003), mit dem Preis des Verbandes Deutscher Musikschulen (2002), mit dem Leopold-Medienpreis (1995), mit dem Preis der Stiftung Bibel und Kultur (1998) sowie mit dem Deutschen Musikautorenpreis (2012) ausgezeichnet.

Nächster Termin "Cultur im Contakt" ist am Sonntag, 3. März (19.30 Uhr), ein Konzert mit dem Ensemble Rubato. - Karten im Vorverkauf (Buchhandlung Riemann, Pfarramt St. Moriz) acht Euro, an der Abendkasse zwölf Euro.