Die drei obersten Ebenen des Parkhauses Mauer - 6, 7 und 8 - werden der Spielort der Designtage 2022. Offiziell genehmigt ist das zwar noch nicht, aber die Macher vom Coburger Designzentrum Oberfranken (CDO) können in die konkrete Vorbereitung gehen. Das ist mit der Stadtverwaltung abgeklärt.

Vor allem ist es mit der Stadtentwicklungsgesellschaft abgeklärt, die gern mit der Wohnbau Stadt Coburg in einen Topf geworfen wird. Denn die Wohnbau managt die Stadtentwicklungsgesellschaft und damit die Parkhäuser. Einen Monat lang will das CDO die drei Etagen im Parkhaus Mauer belegen. Öffentlich zugängliche Parkplätze gehen durch diese Aktion aber nur wenige verloren, versichern die neue Geschäftsführerin des CDO, Sylvia Endres, und David Küffner: Die beiden obersten Etagen werden nur durch die Wohnbau genutzt.

Designtage im Parkhaus - das stellt das Team im SÜC-Gebäude Schillerplatz vor neue Herausforderungen. Nicht nur, weil alles neu geplant werden muss. Auch, weil die Durchfahrten im Parkhaus niedrig sind. "Mit Lastern oder Lieferwagen kommen wir nicht rein", seufzt Marion Knonsalla, wie David Küffner langerprobt in der Vorbereitung, dem Aufbau und der Durchführung der Designtage Coburg. Es sind in diesem Jahr die 34.

Offene Türen eingerannt

In den fünf Jahren vor Corona war die frühere Stückguthalle am Güterbahnhof Standort der Designtage. Da waren Abläufe eingespielt. Fürs Parkhaus müssen Wegführungen, Fluchtwege und all diese Dinge neu definiert werden. Auch deshalb werde die eigentliche Genehmigung voraussichtlich erst eine Woche vor den Designtagen erteilt, sagt David Küffner, wenn schon aufgebaut ist: Die Behörden sollen alles abnehmen können. Eröffnet werden die Designtage am Dienstag, 24. Mai, und bis 29. Mai dauern.

Die drei Parkdecks zu bekommen sei kein Problem gewesen, berichtet Sylvia Endres: "Wir haben bei der Wohnbau offene Türen eingerannt." Auch sonst seien die Reaktionen in erster Linie positiv gewesen: "Wir haben nicht einmal gehört: ,Was ist denn das für eine komische Idee?‘ Jeder sagte: ,Interessant!‘ oder ,Ist ja cool!‘"

Auch wenn der Ort ein anderer ist - vieles, was sich über die Jahre hinweg bei den Designtagen etabliert hat, wird es auch im Parkhaus zu erleben geben. Design wird zu sehen sein, logisch. Aber auch Wohnbau und Stadtverwaltung wollen sich präsentieren. Die Wohnbau zeigt ihre Ideen zur Stadtentwicklung, die Stadt wolle unter anderem das Thema "Green Deal Coburg" und Bürgerbeteiligung vorstellen, sagt Sylvia Endres. Auch die Hochschule will vertreten sein. Dort hatten die Coburger Designtage ihren Ursprung; einer der Väter ist der frühere Professor Auwi Stübbe, heute einer der beiden Vorsitzenden des CDO. Nachdem Stübbe aus der Hochschule ausgeschieden war, entwickelte die Faktultät Design den "Designcampus open" als eigene Veranstaltung.

Die Coburger Designtage blieben in der Verantwortung des CDO, das sich auch um die Finanzierung kümmerte. Sponsoren seien auch für die Auflage 2022 gesucht, sagt Sylvia Endres. Sie hofft darauf, dass nicht nur die Macher beim CDO, sondern auch die Coburger nach zwei Jahren "Designtage light" wieder Lust auf das volle Programm haben mit Vorträgen, Workshops, Führungen und Ausstellungen. Die Designtage bleiben nicht aufs Parkhaus beschränkt: Marion Knonsalla zeigt den Entwurf einer Karte mit weiteren Spielorten. Die "Stadtgalerie" wird einbezogen (derzeit ist der erste Teil in Coburger Schaufenstern zu sehen), das Landestheater wird erstmals offizieller Partner sein.

Win-Win-Situation

"Innenstadtbelebung" erhofft sich Sylvia Endres und spricht von einer Win-Win-Situation - auch, wenn für die Designtage im Parkhaus dann ein paar weniger Parkplätze im Parkhaus selbst zur Verfügung stehen als normal. "Man würde es einem Parkhaus nicht zutrauen, dass es ein Ort mit Aufenthaltsqualität werden kann", sagt sie mit Blick auf einige Fotos des Betonbaus an der Wand.

Denn auch, wenn die Designtage im Parkhaus etwas Einmaliges bleiben sollen (ein "One-Shot" auf Designerisch), so weisen sie doch über das Jahr 2022 hinaus. "Was machen wir mit den Parkhäusern, wenn wir sie nicht mehr brauchen?" fragt Marion Knonsalla. Klimawandel und steigende Spritpreise könnten dazu führen, dass weniger Auto gefahren wird. "Wir wollen Fragen in den Raum stellen, für die noch niemand eine Antwort hat", sagt Sylvia Endres. "Wir laden ein zur Diskussion."