"Wir bedauern diesen Schritt sehr, wollen Michael Stoschek in ungeminderter Form aber unseren großen Dank aussprechen. Michael Stoschek war in den vergangenen Jahren einer der maßgeblichen Unterstützer unseres politischen Wirkens für die Vestestadt." Das sind nur zwei Sätze aus einem dreiseitigen Brief, den alle Mitglieder der Coburger CSU erhalten haben. Verfasst hat ihn die Führungsriege des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt, angeführt vom Vorsitzenden René Boldt. Weitere Unterzeichner sind unter anderem der CSU-Fraktionsvorsitzende Hans-Herbert Hartan und der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach.

Boldt & Co. sprechen angesichts von zwei Ereignissen aus der vergangenen Woche von einer "großen Unruhe". Unruheherd Nummer 1 war - natürlich - der Parteiaustritt des Unternehmers Michael Stoschek (Brose).

Stoschek-Austritt sorgt für "große Unruhe" bei der Coburger CSU

Dass Stoschek seinen Austritt in einer neuerlichen Stellungnahme damit begründet hat, mit der Haltung der CSU-Stadtratsfraktion bezüglich der Aufarbeit der Coburger NS-Vergangenheit nicht einverstanden zu sein, stößt auf Unverständnis. So heißt es in dem Brief: "Zu keinem Zeitpunkt hat sich die CSU-Fraktion einer grundsätzlichen Aufarbeitung widersetzt." Das Vorgehen der damaligen Fraktion habe lediglich darauf abgezielt, "die Verhältnismäßigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit in unserer schönen Stadt unter haushälterischen Gesichtspunkten mit anderen Maßnahmen der Daseinsvorsorge zu wahren." Am Ende habe die CSU den Beschluss zur Aufarbeitung mitgetragen.

Unruheherd Nummer 2 war, dass Michael Schulz angekündigt hat, bei der Neuwahl des Kreisvorstands René Boldt abzulösen zu wollen. Der Vorgang selbst sei zwar Schulz' gutes demokratisches Recht, heißt es in dem Brief. Doch die von Schulz geäußerte Kritik am seiner Meinung nach schlechten Zustand der Coburger CSU wird zurückgewiesen. Wörtlich heißt es: "Wer öffentlich schreibt, dass sich unsere Coburger CSU in einem beinahe desolaten Zustand befindet, stellt die CSU entweder aus Unkenntnis oder aus eigennützigen Interessen in einem nicht angebrachten und falschen Licht dar." Schulz habe es zudem "billigend in Kauf genommen", dass das Ansehen der CSU in der Öffentlichkeit beschädigt wird. "Ein solches Verhalten fördert nicht Vertrauen, sondern untergräbt es." Und: "Das öffentlich über die Medien vorgenommene Schlechtreden der einem nicht gewogenen Mehrheit ist ein Vorgehen, das nur spalten und zerstören will." Die Unterzeichner des Briefs würden diese "destruktive Art der Selbstdarstellung" ablehnen.

Hintergründe zur Kampfkandidatur von Michael Schulz lesen Sie hier