Eigentlich hätten die Mitglieder des Schützenvereins Grub am Forst heuer doppelten Grund zum Feiern. Denn neben dem Schützenfest, welches sonst im August für die Mitglieder und die Bevölkerung abgehalten wird, hätten die Grüber Schützen das 125-jährige Bestehen ihres Vereins gefeiert. Auch wenn kein großer Festkommers geplant war, sollte das Jubiläum Mitte Mai im Kreise der Schützenfamilie sowie Ehrengästen würdig begangen werden. Mit Protektor Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha stand auch der Schirmherr fest. Außerdem waren weitere Vorbereitungen angelaufen, wie die Erstellung einer Festschrift oder der Ablauf der Feier. Zuvor hätte noch ein Königsessen abgehalten werden sollen, das jetzt auf kommendes Frühjahr verschoben worden ist.

"Zum Glück konnten wir Ende Januar in Eigenleistung noch den Umbau der elektronischen Schießstände abschließen. Viele Mitglieder haben sich in unzähligen Stunden tatkräftig engagiert", erklärt Vorsitzende Maria Lessig. Die Finanzierung sei komplett durch Spenden, ein Crowdfunding sowie Förderungen der Gemeinde und des Bayerischen Sportschützenbundes erfolgt.

Was in einem normalen Jahr geplant gewesen wäre

Mit dem Schützenfest ist seit Jahren auch das beliebte Jedermann-Schießen verbunden, an dem sich stets mehr als 100 Hobbyschützen beteiligen. Beides fällt aufgrund der weiterhin bestehenden Beschränkungen aus. Eine zeitliche Verschiebung wäre schwierig, da der Verein aus Kostengründen ohne Festzelt auskommen müsste, begründet die Vorsitzende die Entscheidung der Führungsriege, heuer kein Schützenfest zu veranstalten. Aber das ist noch nicht alles, was wegen der Corona-Pandemie ausfällt. Auch das Zeltlager und ein Ausflug des Schützennachwuchses sowie das Hauptschießen im September mussten gestrichen werden. In den Sternen stehen das Abschießen, welches mit dem Schuss auf die Weihnachtsscheibe verbunden ist, und die Weihnachtsfeier als geselliger Abschluss des Schützenjahres.

Vor dem Schützenfest werden eigentlich beim Königsschießen die neuen Königshäuser ermittelt, deren Proklamation dann beim Schützenfest stattfindet - in der Regel. Der Vorstand hat beschlossen, auch das Königsschießen heuer nicht durchzuführen, weshalb Schützenkaiser Rainer Wolniczak, 1. Ritterin Barbara Florschütz und 2. Ritter Manfred Florschütz sowie Jungschützenkönigin Lena Bätz, 1. Jugendritter Paul Schirmann und 2. Jugendritter Felix Knoch in die Verlängerung gehen. Ihre Amtszeit erstreckt sich demnach bis 2021.

Und das Geld fehlt auch

Abgesehen von all den ausgefallenen Veranstaltungen und den damit entgangenen Einnahmen fehlt dem Verein vor allem das Geld, das er wöchentlich aus dem Schützenhausbetrieb einnimmt. Dieses wird aber benötigt, um den Unterhalt für das vereinseigene Schützenhaus zu erwirtschaften. "Auch das gesellige Miteinander, das den Herzschlag eines Vereins ausmacht, bleibt derzeit total auf der Strecke", bedauert Lessig. Sie und die Mitglieder hoffen, dass bald wieder zu einem annähernd normalen Vereinsleben zurückgekehrt werden kann.

Großer Zusammenhalt

Seit 125 Jahren pflegt der Verein nicht nur Traditionen und den Schießsport. Er ist auch ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde. Aus der Chronik, die zum 100-jährigen Bestehen von Ehrenmitglied Kuno Rüttel erstellt und von Volker Gahn fortgeführt wurde, ist dies an vielen Stellen erkennbar. Schon immer haben Mitglieder und Funktionäre seit der Gründung im Mai 1895 zusammengehalten. Als 1995 das 100. Jubiläum gefeiert wurde, nahmen 400 Schützen am Jubiläumshauptschießen teil, ein Rekord, der bis heute steht. Ein weiteres Highlight in der Vereinsgeschichte war 1995 die erneute Teilnahme am Oktoberfestfestumzug in München. Auch das Jahr 2020 wird für die Grüber Schützen in die Annalen eingehen - weil so gut wie alle Veranstaltungen ausfallen.