Coburg
Aufklärung

Der Kampf gegen die roten Zahlen

Der Caritasverband Coburg erklärt, wie man mit etwas Hilfe wieder schwarze Zahlen schreiben kann, und betreibt Präventionsarbeit an Schulen.
Wenn sich unbezahlte Rechnungen stapeln und das Konto ins Minus rutscht, ist die Schuldnerberatung oft die letzte Rettung.  Foto: Jochen Nützel/Archiv
Wenn sich unbezahlte Rechnungen stapeln und das Konto ins Minus rutscht, ist die Schuldnerberatung oft die letzte Rettung. Foto: Jochen Nützel/Archiv
Zu den häufigsten Auslösern, die in eine sogenannte Verschuldungsspirale führen, zählt vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes. Weitere Ursachen sind Erkrankungen, Unfälle, Suchtprobleme, Scheidung, der Tod des Lebenspartners oder gescheiterte Selbstständigkeit. "Die Hauptauslöser der Überschuldung liegen überwiegend außerhalb der Kontrolle der Überschuldeten", bestätigt auch das statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung.


Wie aus 50 Euro 400 werden

Manchmal schlittert man aber auch ganz unbemerkt und nichtsahnend in eine Überschuldung hinein. So ist es Theresa Müller (Name von der Redaktion geändert) aus dem Landkreis Coburg passiert. "Es hat irgendwie ganz klein angefangen, ich habe das gar nicht so richtig wahrgenommen", erzählt sie. Anfangs ist es ein Einkauf über 50 Euro, Geld, das sie - zu ihrer eigenen Überraschung - nicht mehr auf dem Konto hat. "Per Post habe ich dann Erinnerungen und später auch insgesamt drei Mahnungen bekommen, sie aber immer wieder zur Seite gelegt und weitergeschoben, weil ich mir der Konsequenzen gar nicht so bewusst war."
Das Geschäft schaltet schließlich ein Inkasso-Unternehmen ein, das die Schulden eintreiben soll. "Die Gebühren, die das Unternehmen vom Gläubiger verlangte, wurden dann auch mir mit in Rechnung gestellt", sagt Theresa Müller. Und so werden aus 50 Euro, die sie nicht hat, plötzlich 400. "Das glaubt man im ersten Moment gar nicht, wenn man dieses Schreiben mit der Rechnung in der Hand hält", erinnert sie sich.
Als sie sich gar nicht mehr zu helfen weiß, geht sie zur Schuldnerberatung des Caritasverbands in Coburg. "Das kostet sehr viel Überwindung, vor allem weil man sich so schämt", gibt Theresa Müller zu.
"Häufig ist das Problem, dass viele verschiedene Sachen zusammenkommen", sagt Schuldnerberaterin Frauke Seitz. So sei es auch bei Theresa Müller gewesen. "Die ausstehende Rechnung war nur ein Beispiel, hinzu kamen noch Mietschulden, sehr geringes Einkommen und hohe Ausgaben, solche Dinge."
Bevor Schuldner in die Beratung der Caritas aufgenommen werden, müssen sie einen Erfassungsbogen ausfüllen, Einnahmen und Ausgaben angeben sowie eine grobe Übersicht der Gläubiger und Schulden. "Wenn man dann die Summe am Ende zusammenrechnet, ist das wirklich peinlich", erzählt Theresa Müller.
"Es ist eben oft das Problem, dass das Schamgefühl viele überschuldete Menschen davon abhält, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen", erläutert Norbert Hartz, stellvertretender Geschäftsführer der Schuldnerberatung. "Erst wenn der Leidensdruck zu hoch ist, wenden sie sich mit ihren wirtschaftlichen Problemen an eine Beratungsstelle."
"Viele wissen auch gar nicht, dass es so eine Stelle in Coburg gibt", ergänzt Theresa Müller. Sie selbst habe davon erst von einer Bekannten erfahren.
Mit umfangreicher Beratung kann die Caritas aber helfen, sich aus dem Teufelskreis zu ziehen. "Ganz wichtig ist aber, dass die Klienten auch mitarbeiten und sich an unsere Vorgaben halten", betont Frauke Seitz. "Das heißt vor allem, keine neuen Schulden aufnehmen."


Existenz sichern

Anhand der verfügbaren finanziellen Mittel erstelle sie dann mit dem Klienten einen Schuldenbereinigungsplan. "Um den umsetzen zu können, führen wir von der Beratungsstelle auch Verhandlungen mit den Gläubigern."
Wichtig sei in jedem Fall, die Existenz - Wohnung, Strom, Heizung, Essen - zu sichern und keine Zahlungsversprechen abzugeben, die nicht eingehalten werden können. "Wenn wir unsere Versprechen nicht erfüllen, würden wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren und die Gläubiger würden sich in Zukunft nicht mehr zu Verhandlungen bereiterklären", sagt Seitz.
"Aber uns geht es nicht nur um die Tilgung der Schulden an sich", betont Norbert Hartz. "Wir haben natürlich auch einen pädagogischen Auftrag." Soll heißen: Die Schuldnerberater versuchen, darauf hinzuwirken, dass der Klient in Zukunft seine Bedürfnisse hinterfragt und achtsam mit seinem Geld umgeht, damit keine Neuverschuldung entsteht.
"Da muss man gerade bei jungen Menschen schon früh anfangen", ist sich Norbert Hartz sicher. Deswegen zeigt die Caritas öffentliche Wanderausstellungen in Schulen, um junge Menschen über die Gefahren, zum Beispiel bei der Schuldenfalle Handyvertrag und Folgen der Überschuldung, aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren.
Ab Dienstag, 7. März, bis Montag, 13. März, ist die Wanderausstellung in der Rückertschule zu sehen, und von Mittwoch, 15. März, bis Montag, 20. März, an der Grund- und Mittelschule in Bad Rodach.