Blaue Augen, ein verschleierter Blick, der nach innen geht. Und ein Gesicht aus irgendeiner märchenhaft fernen Zeit, umrahmt von zarten Farben, von fließend leichten Stoff und kleinen Troddeln, die wie Blüten aussehen. Ein Gesicht wie aus "1001 Nacht".


Dichtung oder Wahrheit?



Tatsächlich aber ist dies das Gesicht einer Tänzerin, die 1875 in Paris geboren wurde und einst eine Berühmtheit war: Cléo de Mérode. Ihr wird eine handfeste Liaison mit Leopold II. nachgesagt, dem aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha stammenden König der Belgier.
Dichtung oder Wahrheit? Für Zeitgenossen lieferte diese - ob vermeintliche oder tatsächliche - Liaison zwischen der jungen Tänzerin und dem doch schon betagten Monarchen reichlich Stoff für Spott und Ironie bis hin zu Karikaturen und verbaler Verballhornung. Sein Umgang mit Cléo de Mérode jedenfalls machte aus König Leopold ganz einfach Cléopold.

Weich wie Wachs


Modelliert hat dieses Gesicht der französische Künstler Georges Despret um 1907. Das Porträtrelief sieht aus wie geschaffen für Madame Tussauds berühmtes Wachsfigurenkabinett. Tatsächlich aber ist es aus Glas: Pâte de verre.


Das Gesicht der schönen Tänzerin liefert das Titelmotiv für eine neue Studioausstellung im Glasmuseum in der Rosenau. "Pâte de Verre. Vom Jugendstil bis zum Studioglas" lautet das Motto der Schau. Sie zeigt die Entwicklung von "Pâte de Verre" im 20. Jahrhundert vom Jugendstil bis zum Studioglas.


Rund 50 Objekte



Die Bandbreite reicht von kostbaren Skulpturen des französischen Jugendstils mit Meisterwerken von Henry Cros, Georges Despret und Victor Amalric Walter über Arbeiten des Art Déco von Francois-Emile Décorchemont bis hin zu jüngsten Objekten der Studioglasbewegung aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Österreich, der Schweiz, Estland, Ägypten und Japan. Zu sehen sind 50 Werke von mehr als 30 Künstlern. Die umfangreichen Bestände der Coburger Kunstsammlungen werden um ausgewählte gut ein Dutzend Leihgaben von Künstlern, öffentlichen Sammlungen und Galerien ergänzt.