Die Ausgangslage: Coburg wird nach Kriegsende 1945 der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen. Etliche Coburger versuchen angesichts dessen, die Stadt zu verlassen - gerade diejenigen, die sich im Nationalsozialismus hervorgetan hatten. Andere hoffen darauf, dass nun, unter sowjetischem Kommando, ein neues, besseres Coburg geschaffen werden kann - ein sozialistisch geprägtes.

Das schlägt sich auch im Stadtbild nieder: Was soll aus den Denkmälern des Herzogtums werden? Prinz Albert darf nach intensiven Diskussionen auf dem Marktplatz bleiben. Zum einen, weil seine Beseitigung schon eine Idee der Nazis war, gegen die es in der Coburger Bevölkerung erheblichen Widerstand gab. Also hat man hier eigentlich ein Denkmal für den Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Anders ergeht es den beiden Herzögen: Die Statue von Ernst I. auf dem Schlossplatz wird früh abgeräumt. Ernst I. hatte das Volk betrogen (aufgrund seiner Schulden wurde die Coburger Währung abgewertet) und somit kein Denkmal verdient. Zunächst wird auf den Sockel ein Karl-Marx-Kopf gesetzt. 1970 wird beschlossen, hier mit einer Stele an den "Blutsonnabend" (3. September 1921) zu erinnern, als die bayerische Polizei eine Demonstration von Sozialdemokraten und Gewerkschaften blutig niederschlug. Das Marx-Denkmal wandert auf den entsprechend umbenannten Albertsplatz.

Das Reiterdenkmal Ernst II. wird in den Innenhof der Veste versetzt. Ernst II. hält man zugute, dass er den Staaten Coburg und Gotha eine vergleichsweise liberale Verfassung gegeben hatte. Außerdem war es ja möglich gewesen, während seiner Herrschaft 1875 in Gotha die Sozialistische Arbeiter-Partei zu gründen, die Vorläuferin der SPD. Der Platz des Reiterdenkmals dient nun dem Gedenken an die Opfer des Faschismus. Dafür wird kurzerhand das CC-Ehrenmal etwas umgemeißelt - der Stil passt auch zum Sozialismus.

Neubaugebiete entstehen in Wüstenahorn und im Norden der Stadt. Auf der Fernstraße 4 (in der DDR bleibt es bei diesen Bezeichnungen, in Westdeutschland wird eine "Bundesstraße" daraus) in Richtung Süden herrscht in den unmittelbaren Nachkriegsjahren kaum Verkehr; ab 1952 ist der Wechsel über die Grenzen der Besatzungszonen ohnehin so gut wie eingestellt. Orte wie Rossach, Watzendorf und Scheuerfeld liegen nun in der Fünf-Kilometer-Sperrzone. Weil aber das Coburger Land so etwas wie das Süd-Schaufenster der DDR ist, vermeidet die sozialistische Führung allzu auffällige Maßnahmen. Aber auch hier werden Familien zwangsumgesiedelt und viele Dörfer bluten wegen Zuzugsverbots aus. Evakuiert und geschleift werden schon in den 50er-Jahren Orte, die in unmittelbarer Nähe zur Grenze liegen und schwer zu überwachen sind, wie Birkach am Forst und Häusles.

Südlich von Rossach wird 1973 ein Grenzübergang eingerichtet. Die Bundesrepublik finanziert der DDR sogar eine Umgehungsstraße für Rossach, Großheirath, Untersiemau und Meschenbach. In diese Dörfer gelangen auch DDR-Bürger nur mit Passierschein - da kann man doch nicht einfach Leute aus dem Westen hindurchfahren lassen. Gleichzeitig wird der Hochwasserschutz im bayerischen Teil des Itzgrunds verbessert.

Die F4 führt nach wie vor durch Coburg, allerdings nicht mehr über den Marktplatz. Uferstraße, Sonntagsanger und der Neue Weg werden ausgebaut, unter anderem, damit die Tiertransporte der LPGs leichter zum neuen Schlachthof in Neuses fahren können. Außerdem gelangen so die Grenztruppen schneller gen Süden. Coburg ist ein großer Standort, die Kasernen aus der Nazi-Zeit werden weiter genutzt.

Wer als Besucher aus dem Westen Coburg auf dem (komplizierten) Bahnweg erreicht, steht fasziniert vor den alten Hotels am Bahnhofsplatz, die zwar viel von ihrem Glanz verloren haben, ihn aber noch erahnen lassen.

Baut auf, baut auf!

Ab den 70er-Jahren, als dank des kleinen Grenzverkehrs mehr Besucher aus dem Westen kommen, wird verstärkt versucht, die historische Bausubstanz der Altstadt zu erhalten und zu sanieren.

Parkmöglichkeitenbestehen nur auf dem Anger. Die Coburger selbst benötigen keine Autos. Neben einem gut funktionierenden Busnetz gibt es sogar eine Straßenbahnlinie ins Wohngebiet Cortendorf und eine Standseilbahn nach Wüstenahorn, wo zum Wohngebiet ein großes Freizeit- und Einkaufszentrum gehört. Dafür bröckeln am Festungsberg die Villen.

In der Innenstadt ändert sich wenig: Tageblatt-Druckerei und die Hofbräusäle bleiben stehen und werden bis zum Schluss genutzt. Die Spitalgasse wird zu Beginn der 80er-Jahre Fußgängerzone mit den Kaufhäusern "Central" (früher "Mohren") und "Konsument".

Stadtbild und Kultur

Bis in die 70er-Jahre wird in der Coburger Altstadt so gut wie nichts weggerissen: Wohnraum ist zu kostbar. Was steht, wird so gut es geht erhalten. Wo Gebäude nicht mehr zu retten sind, bleiben Brachen.

Die Veste bleibt Museum. Die russischen Besatzer tasten das Inventar nicht an, anders als in Gotha, wo viele Kunstwerke abtransportiert werden. Aber in Coburg waren die Kunstschätze seit 1919 in Stiftungs- und damit in Volkes Hand. Die Ehrenburg, Sitz des Archivs und der Landesbibliothek, wird weiterhin so genutzt. Auch das Naturkundemuseum bleibt in Betrieb. Schloss Callenberg wird enteignet und im Lauf der Jahre zur Forst-Hochschule ausgebaut.

Das Theater wird kräftig gefördert. Wegen der Platznot erhält es die Palais Edinburgh und Kyrill sowie das Bürglaß-Schlösschen dazu.

Arbeit und Vergnügen

Die Wirtschaftsstruktur im Coburger Land bleibt vorerst stabil. Maschinenbauer haben gut zu tun, Spielzeug und Möbel werden gebraucht, aber zu großen Teilen in den Westen exportiert.

Die Industriebetriebe werden nach und nach verstaatlicht und in immer größere Kombinate eingegliedert. So entstehen unter anderem der VEB Fensterheber, der mit anderen Unternehmen aus der Maschinenbaubranche zum Kombinat "Teilefertigung" zusammengefasst wird. Neben diesem Kombinat sind die Grenztruppen und die Verwaltung die größten Arbeitgeber in der Stadt; im Landkreis bieten die Spielzeug- und Möbelindustrie sowie die Landwirtschaftsbetriebe Arbeit.

Höhepunkte des Jahres sind das Coburger Schützenfest, das ab 1955 wieder gefeiert werden darf, und die Gregorius- oder Kinderfeste, deren Tradition gepflegt wird.