Inzwischen heißt der Weihnachtsmarkt im Volksmund schon "Glühweinmarkt", wie Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) im Verwaltungssenat anmerkte. Dort stand am Montag die Änderung der Richtlinien für die Vergabe von Weihnachtsmarktständen auf der Tagesordnung. Er sei davon ausgegangen, dass es nur um die Öffnungszeiten gehe, sagte Kastner irgendwann in der sehr munteren Diskussion. Bislang dürfen die Stände bis spätestens 21.30 Uhr geöffnet haben; gesetzlich möglich wäre 22 Uhr. Dafür dürfen sie an Sonntagen erst ab 11 Uhr öffnen (wegen des Feiertagsgesetzes).

Doch Stefanie Grundmann vom städtischen Rechtsamt erläuterte noch eine ganze Reihe weiterer Änderungen. So sollten unter anderem die Bewertungskriterien angepasst werden, nach denen die Stände ausgewählt werden. Wer auf dem Coburger Weihnachtsmarkt verkaufen will, muss sich bis 1. März bewerben.
Eine Auswahlkommission sichtet die anonymisierten Unterlagen.

Der Bewerbungsschluss ist deshalb so früh, weil die Beschicker die Möglichkeit haben sollen, ihre Ware auf den entsprechenden Fachmessen zu ordern, erläuterte Frank Briesemeister. Er ist im Tourismusbetrieb verantwortlich für den Weihnachtsmarkt.

Doch was ein "familienfreundliches Angebot" ist, konnte auch Briesemeister nicht beantworten. Das ist eines der Kriterien, die in der Richtlinie neu festgeschrieben werden sollen. Gestrichen wurden dagegen Formulierungen wie "Innengestaltung des Verkaufsstands mit weihnachtlicher Dekoration" oder "Sauberkeit". Letztere sei bei anonymisierten Bewerbungen nicht zu überprüfen, und die weihnachtliche Dekoration sei ohnehin Teil des Vertrags mit den Händlern, erläuterten Grundmann und Briesemeister.

Den Verwaltungssenat, allen voran den OB, überzeugte das nicht. Die Richtlinie stelle zu sehr auf die Ware ab, kritisierte der OB. "Es müsste auch eine weihnachtsmarktbauliche Beurteilung geben."

Der strittigste Punkt war freilich ein anderer: Schon in der jetzt geltenden Richtlinie steht, dass die maximal fünf Glühweinstände auch anderes Sortiment verkaufen sollen. Nur vier Stände dürfen andere alkoholische Heißgetränke verkaufen. Das bedeutet aber unterm Strich, dass es insgesamt neun Stände gibt, die Glühwein, heißen Beerenwein, Met oder Glögg anbieten.

Andererseits sollten solche Getränkestände nur einen Markt-Anteil von 20 Prozent haben. Diese Marke wurde im Entwurf für die neue Richtlinie auf 35 Prozent heraufgesetzt und definiert, dass es um den flächenmäßigen Anteil geht, nicht um die Zahl der Stände. Damit würde nur festgeschrieben, was seit Jahren Fakt sei, sagte Briesemeister.

Eine flächenmäßige Beschränkung schließe nicht aus, dass weitere Glühweinstände dazukommen können, warnte Alfred Lieb (CSB). Dann lieber bei maximal neun Ausschankstellen bleiben. "Wir haben jetzt genau das, was wir vermeiden wollten", stellte der OB fest. Einen "Glühweinmarkt" habe der Betriebssenat Tourismus jedenfalls nicht als Ziel gesetzt, als er den Weihnachtsmarkt 2008 neu konzipieren ließ.

Deshalb wurde die Diskussion über die neuen Richtlinien ergebnislos abgebrochen. Nun soll sich der Betriebssenat Tourismus Gedanken machen, was politisch gewollt ist. Wenn das dann entsprechend formuliert ist, kann der Verwaltungssenat die neue Richtlinie verabschieden. Weil das aber kaum vor Ablauf der Bewerbungsfrist für die Händler zu machen ist, bleibt's für den Weihnachtsmarkt 2013 bei der alten Richtlinie. Der Verwaltungssenat habe das Thema zu spät auf den Tisch bekommen, stellte Kastner abschließend fest. "Und für den nächsten Versuch sollte es richtig vorberaten werden."