Das Jahr 1813 ist durch die Völkerschlacht bei Leipzig in die Geschichte eingegangen. Im gleichen Jahr wurden Dichter und Musiker geboren, die im 19. Jahrhundert neue Wegmarken setzten: Georg Büchner, Friedrich Hebbel, Richard Wagner und Otto Ludwig.


1813 in Eisfeld geboren


Vor 200 Jahren, am 12. Feb ruar 1813, wurde Ludwig in Eisfeld geboren. Hier verbrachte er seine Jugend und das elterliche Gartenhaus ist heute eine Dichtergedenkstätte. Weitere Stationen seines Lebens waren Leipzig, Meißen und zuletzt Dresden, wo er 1865 starb.


Sonderausstellung


Aus Anlass seines 200. Geburtstages widmet ihm die Stadt Eisfeld, unterstützt von zahlreichen Sponsoren, ein Otto-Ludwig-Festjahr mit verschiedenen Veranstaltungen bis zum 8. September.
Eine Sonderausstellung des Museums Otto Ludwig im Schloss Eisfeld, "Jedes Blättchen ist mir wie ein Bruder" ehrt den Dichter, Poeten, Musiker und Literaturtheoretiker und stellt sein Leben und Werk in den Spiegel von deutscher und Eisfelder Geschichte.


Musikstudium bei Felix Mendelssohn-Bartholdy


Nach einem Musikstudium in Leipzig bei Felix Mendelssohn-Bartholdy, widmete er sich der Literatur. Erst nach seinen Tod, in den darauf folgenden Jahrzehnten, hat die Erkenntnis Bahn gebrochen, dass Otto Ludwig zu einem der bedeutendsten Erzähler und Dramatiker der nachklassischen Zeit gerechnet werden muss, die im 19. Jahrhundert ihre Stimme erhoben.

Möglichst objektiv

Literarisch bekannt wurde Otto Ludwig durch seine Werke "Zwischen Himmel und Erde", "Die Heiteretei", "Die Makkabäer", "Der Erbförster", "Die Emanzipation der Domestiken", "Die wahrhaftige Geschichte von den drei Wünschen" und andere.


Poetischer Realismus


Otto Ludwig prägte den Begriff poetischer Realismus, in dem er eine Wirklichkeitsdarstellung beschreibt, die sich um Objektivität der Erzählerperspektive bemüht. Er schuf mit seinem Werk "Zwischen Himmel und Erde" den für die damalige Zeit typischen deutschen psychologischen Roman.


Naturgeschichte der Leidenschaften


Sein Werk geht weit über den Rahmen einer Heimatgeschichte hinaus. Mit großer Meisterschaft begründete er die "Naturgeschichte der Leidenschaften" im schlichten thüringischen Handwerkerhaus einer Dachdeckerfamilie. Kleinste, dabei aber doch bedeutsame Augenblicke des seelischen Erlebens werden mit einer Kunst dargestellt, die auch heute noch nicht überholt ist.


Unablässiges Ringen


Otto Ludwigs ganzen Leben war gekennzeichnet durch ein unablässiges Ringen, eine freie, gefestigte christliche Persönlichkeit zu werden. Im Jahr 1842 verließ er "nach anzüglichen Bemerkungen über sein ‚Berufs- und Brotloses Leben‘" Eisfeld für immer und begann ein weiteres Studium in Leipzig.


1849 nach Dresden



Sieben Jahre später, 1849, zog er nach Dresden, nachdem er immer wieder kurze Zeit in verschiedenen Städten Deutschlands gelebt hatte. Ein Jahr nach seinem Umzug nach Dresden gelangte am 4. März 1850 am dortigen Hofthea ter sein erfolgreichstes Drama "Der Erbförster" zur Uraufführung. 1852 heiratete er Emilie Winkler und hatte mit ihr drei Kinder. 1860 erkrankte Ludwig an einem Nervenleiden, dem er schließlich am 25. Februar 1865 erlag.


Literarisches Erbe


Die Sonderausstellung in Eisfeld zeigt, dass das literarische und geistige Erbe Otto Ludwigs es wert ist, gepflegt zu werden. Seine literarischen Charaktere sind aus dem Leben gegriffen. In seinen Werken findet man die unverfälschte Natur und die Ursprünglichkeit des Herzens. Aber nur selten gelang es ihm, sein selbstgestecktes Ziel im Streben nach künstlerischer Vollendung und Naturwahrheit zu erreichen.


Sucher und Grübler


Er, der suchende und grübelnde Kopf, der körperlich kranke, aber dennoch warmherzige und humorvolle Mensch, fühlte sich innerhalb seiner Zeit, seiner Gesellschaft oft unverstanden und zurückgestoßen, nicht nur in Eisfeld unter engen spießbürgerlichen Verhältnissen, sondern auch im nüchternen Getriebe der Großstädte Leipzig und Dresden. So zog er sich mehr und mehr in eine einsame Lebensführung zurück und suchte Zuflucht in der Natur, in der ihm "jedes Blättchen wie ein Bruder" war.

Festschrift

Im Salier-Verlag ist in Zusammenarbeit mit dem Verein "Freunde von Kirche und Schloss zu Eisfeld" eine Festschrift erschienen: "Und Wahrheit ging mir von jeher über all Schönheit. Otto Ludwig neu entdecken", die im Buchhandel und in der Touristinforma tion im Eisfelder Schloss für 15 Euro erhältlich ist.



Die Autorinnen und Autoren, die Herausgeberin Helga Schmidt für diesen Band gewonnen hat, beschäftigen sich zum Teil seit Jahren intensiv mit dem Leben und Schreiben Ludwigs, manches gehört schon zum klassischen Schriftgut zur Erforschung des Schriftstellers, manches ist eine kleine launige Randbemerkung - wie der Beitrag von Friedrich Christian Delius. Darüber hinaus sind Briefe und Gedichte Otto Ludwigs selbst eingestreut. Maren Goltz wiederum beschäftigt sich intensiv mit Otto Ludwigs Scheitern in Leipzig.



Festjahr mit Ausstellung, Lesungen und Konzerten



Museum Otto Ludwig Schloss Eisfeld Sonderausstellung "Jedes Blättchen ist mir wie ein Bruder". Geöffnet von Dienstag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 13 bis 17 Uhr. Bis 26. Mai

Szenische Lesung zu dem Drama "Der Erbförster" von Otto Ludwig, Gastspiel des Meininger Theaters, 19. April, 19.30 Uhr im Schlosssaal Eisfeld

Festliches Konzert Kompositionen und Lieder von Otto Ludwig und Felix Mendelssohn-Bartholdy mit Matthias Friedel (Tenor) und Kathrin Gerth (Klavier) 4. Mai, 19..30 Uhr, Schlosssaal Eisfeld
Lesung "Literatur im Salon" - "Die Heiteretei" von Otto Ludwig mit Helga Schmidt und Brigid Jacobi, 9. Juni, 15 Uhr, Dichtergedenkstätte Otto Ludwig, Gartenhaus

Geburtstagsfest "Heiter, Heiterer, Heiteretei..." - Ein sommerliches Otto-Ludwig-Geburtstagsfest (Schlosshoffest des Lions-Club Eisfeld),
22. Juni, Beginn: 18 Uhr

Kleine Hausmusik mit Christoph Rosenbaum (Tenor) - 2. August, 15 Uhr, Dichtergedenkstätte Otto Ludwig, Gartenhaus

Karten und Kartenvorbestellungen Touristinformation Eisfeld, Tel. 0   36   86/30   03   08 (www.stadt-eisfeld.de)