Coburgs Zukunftsbahnhof erstrahlt in neuem Glanz: Ein verheißungsvoller Titel, der für Coburg vor allem meint: Die historische Eingangshalle ist denkmalgerecht und mit ungewöhnlichen Sitzmöbeln aufgefrischt.

Zwar hat die Baumaßnahme länger gedauert als geplant, vor allem die Wiederherstellung der Unterführung. Aber es ist ja das ansehnliche Ergebnis, was zählt.

Am Güterbahnhof wird's rund

Dass das Globe am Güterbahnhof gebaut wird, ist dem Engagement vieler zu verdanken. Doch wo viele mitreden (wollen), ist Ärger nicht weit.

Bauboom 2021 in Coburg: Im früheren Milchhofgelände werden neue Wohnungen fertig, am Sonntagsanger entstehen ein Hotel, eine Wohnanlage und ein Bio-Supermarkt. Nur der Umbau des früheren DSZ lässt auf sich warten. Auch die Stadt baut: Die frühere Schlachthof-Kühlhalle wird für die Creapolis der Hochschule und Zukunft.Coburg.Digital zu einem "Macher-Zentrum" umgebaut. Außerdem fällt 2021 der Startschuss für die Ertüchtigung der "Alten Pakethalle" am Güterbahnhof. Danach soll das Gebäude ganzjährig nutzbar sein.

Doch Coburgs derzeit größte Baustelle befindet sich gegenüber der früheren Güterbahnhofs-Stückguthalle. Dort entsteht das "Globe", ein Kultur-Rundbau, den das Landestheater ab Ende 2022 als Ausweichquartier nutzen können soll. Denn die Betriebserlaubnis fürs Theatergebäude am Schlossplatz erlischt im Sommer 2022; dann soll dort mehrere Jahre lang saniert werden. Das Globe wird in dieser Zeit als Spielstätte dienen. Aus der kühnen Idee zweier Studenten der Hochschule Coburg (Isabell Stengel und Anders Macht), die sich im Rahmen eines Seminars mit möglichen Ausweichspielstätten befassten, wird also insofern Realität, als dass ein Rundbau entsteht. Das Globe hat nämlich inzwischen viele Eltern, so die drei Gesellschafter der Globe Coburg GmbH (die Unternehmen Brose, HUK-Coburg, Kaeser) sowie deren Planer und die Stadt Coburg als Bauherrin. Aber wie das so ist - nicht immer sind sich die Eltern einig.

Daraus entwickelte sich 2021 auch einiger Ärger. Zum Beispiel, als im Frühjahr der zuständige Senat für Stadtentwicklung und Bauen die Farbe für die Fassade auswählte. Die gefiel Michael Stoschek nicht, Vertreter von Brose als einem der drei Gesellschafter in der Globe-GmbH. Die GmbH hat mit den Plänen auch die Zuständigkeit für den Bau des Globe an die Stadt abgegeben, und damit auch die Entscheidung für ein helles Grau als Fassadenfarbe. Er distanziere sich von dem Projekt, schrieb Stoschek im September an die Mitglieder des Rotary Clubs Coburg, dem auch Stoschek angehört.

Etwas über zwei Monate später kam der nächste Ärger: Es sollte Richtfest gefeiert werden, doch wegen der Pandemiebestimmungen wurde der Festakt mit kurzfristig abgesagt. Stoschek hatte - gemäß Redemanuskript - den Anlass nutzen wollen, mehr Mitsprache bei der Gestaltung des Globe einzufordern. Dabei geht es nicht nur um die Farbe oder den Innenraum, sondern auch um die Außenanlagen. Hierfür wurde ein anderer Planer beauftragt als das Münchner Büro Jühling, das für die Globe GmbH bereits Entwürfe gefertigt hatte. Die Stadt hat sich Anfang Dezember vertraglich verpflichtet, in jeder Publikation auf die ersten Planer zu verweisen.

Das machte sich ein Anwalt zunutze, der die Plakate der "Stadtgalerie" des Coburger Designforums an den Arkaden gesehen hatte: Dort war zwar das Globe abgebildet, aber die Namen nicht genannt. Die Plakate waren fertig, bevor es die Vereinbarung gab.

So groß: Das neue Klinikum

So toll: Coburgs IT- und Medienzentrum

So süß: Coburgs Wanderfalken werden zum Hit im Netz

Abschied vom Haus Gottes für alle

Menschen 2021

Die Bundestagswahl im September bringt Deutschland eine neue Regierung und dem Wahlkreis Coburg/Kronach gleich zwei neue Abgeordnete: Dass Jonas Geissler (CSU) das Direktmandat holt, ist aber nicht die größte Überraschung - sondern, dass der 37- jährige Kronacher überhaupt von seiner Partei ins Rennen geschickt worden war.

Weil sich die Kreisverbände Coburg-Stadt und Coburg-Land nicht einig waren, konnte sich Geissler bei der Nominierungsversammlung gegen den favorisierten René Boldt durchsetzen. Der ist zu diesem Zeitpunkt noch Chef der Coburger CSU, zieht sich von diesem Posten aber im Herbst zurück.

Deutlich besser läuft 2021 und speziell auch der Wahlabend für Johannes Wagner: Der 30 Jahre alte Kinderarzt, der zuletzt am Klinikum in Coburg tätig war, schafft über die Landesliste der Grünen den Sprung nach Berlin. Derweil schreibt der bisherige Coburger Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach ein Buch über sein Leben als Unternehmer und vor allem als Politiker. Immerhin gehörte er 27 Jahre dem Bundestag an!

Aber nicht nur in der Politik geht 2021 eine Ära zu Ende, sondern auch in der Wirtschaft: Friedrich Herdan hört auf als Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg. Zu seinem Nachfolger wird Andreas Engel gewählt. Interessanterweise stellt sich 2021 auch Engels Lebensgefährtin Antoinetta Bafas einer neuen Herausforderung: Sie wird neue Kulturbeauftragte des Coburger Stadtrats.

Apropos Kultur: Die Zeit von Bernhard F. Loges als Intendant des Coburger Landestheaters wird man rückblickend nicht als Ära bezeichnen können. Denn 2021 fällt die Entscheidung, dass der mit Loges 2018 vereinbarte Fünf-Jahres-Vertrag nicht verlängert wird. Einen Nachfolger wird es vorerst allerdings nicht geben, stattdessen übernimmt 2023 ein sogenanntes Direktorengremium - diesem gehört mit Daniel Carter auch der neue Generalmusikdirektor an, der 2021 seine Tätigkeit am Landestheater aufgenommen hat.

O du traurige...

Blder sagen manchmal mehr als tausend Worte. Die Dramatik der Corona-Pandemie zeigt sich zum Beispiel sehr eindrücklich auf dem Foto von mehreren Bundeswehrsoldaten, die am Klinikum Coburg begrüßt werden. Denn in Zeiten wie diesen ist jede helfende Hand willkommen. Und doch wirkt es auf den ersten Blick eben auch beängstigend, wenn uniformierte Menschen zum Beispiel die Einlasskontrollen im Krankenhaus übernehmen.

Die vielen Belastungen, die mit Corona einhergehen, lassen sich sehr treffend mit dem Foto von einem leeren Klassenzimmer veranschaulichen - oder aber, später im Pandemieverlauf, mit einem Foto von Kindern, wie sie endlich wieder in die Schule dürfen, dort allerdings sogar am Platz Maske tragen müssen.

Tiefschlag für Händler

Die Traurigkeit wiederum, die uns immer wieder erfasst, symbolisiert sehr gut das Foto vom Weihnachtsmarkt in Coburg, der Ende November bereits komplett aufgebaut war, der dann aber doch kein Weihnachtsmarkt sein durfte. Die Stadt hatte allerhand organisiert, um den Menschen - sei es mit 3G oder 2G - zumindest ein bisschen Freude und Abwechslung zu bieten. Doch dann steigen die Infektionszahlen, und in Bayern gibt's erneut ein komplettes Verbot für Weihnachtsmärkte. Das ist für die Schausteller ein Tiefschlag - so, wie auch viele andere Händler, Gastronomen oder Veranstalter gleich reihenweise Tiefschläge in 2021 einstecken müssen.

Corona legt vieles lahm. In Coburg, wo sonst im Sommer eigentlich ein Fest das andere jagt, fällt das besonders auf. Erneut gibt es weder ein Schlossplatzfest noch ein Vogelschießen, aber immerhin reicht's für ein kleines Samba-Konzertwochenende als Trostpflaster fürs erneut nicht machbare XXL-Festival. An drei Wochenenden wird ein Musikfestival ("Coltur") auf die Beine gestellt, das heimischen Künstlern ein Podium bietet. Die Idee ist toll und auch aller Ehren wert - aber dann ist es doch wieder wie verhext: An allen drei Wochenenden ist das Wetter in Coburg dermaßen schlecht, dass viel weniger Zuschauer kommen als dass es diese Veranstaltungsreihe verdient gehabt hätte.

Was auffällt: Um die Menschen in der Corona-Tristesse ein wenig aufzuheitern, reichen plötzlich ganz kleine Dinge. An mehreren Stellen in der Coburger Innenstadt werden im Frühjahr zum Beispiel Holzpaletten aufeinandergestapelt - diese unkonventionellen Sitzgelegenheiten werden dankbar angenommen! Doch Freud' und Leid liegen in Corona-Zeiten speziell in der Innenstadt einer "Einkaufsstadt" eng beieinander: Viele Geschäfte bangen in Coburg um ihre Existenz; denn die Lockdowns haben den Online-Handel als ohnehin stetig wachsenden Hauptkonkurrenten noch zusätzlich beflügelt. Längst fragen sich viele: Wie wird unsere Welt, wie werden unsere Städte aussehen, wenn die Pandemie endlich überstanden ist? Antwort: anders.

Aus für den "Tambacher Sommer"

Doch nicht an allem ist die Pandemie schuld. Den "Tambacher Sommer" wird es künftig nicht mehr geben, weil Veranstalter und Vermieter sich nicht einigen konnten. Alle Konzerte, die für 2022 bereits geplant waren (unter anderem mit Christina Stürmer), werden abgesagt.

Geschichte ist auch bald das "Theater im Hexenturm" von Peggy Hofmann, das Ende 2021 schließt. Und wann wird in Witzmannsberg endlich mal wieder (Laien-)Theater gespielt? Noch ist die Bühne, auf der sonst die Trächer Theatergruppe auftritt, blockiert. Die Bühne befindet sich nämlich im Kulturzentrum, das derzeit zum Impfzentrum für die Stadt und den Landkreis Coburg umfunktioniert ist. Da ist dann doch wieder die Pandemie im Spiel.

Fluthilfe aus dem Coburger Land

Und was wir daraus gelernt haben

Der große Wurf für Rödental

Digitalisierung ist die Zukunft, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im November in Rödental. Deutschland humpelt dieser Zukunft allerdings eher entgegen, als dass es ihr im Sauseschritt entgegen eilt. Wohl deswegen war dem obersten Bayern die Einweihung der Digitalen Manufaktur besonders wichtig, zu der er auf das ehemalige Goebel-Areal gekommen war.

Gut, im Anschluss wurde gleich noch die Feier "Coburg 100 Jahre bei Bayern" nachgeholt. Der dazu geschlossene Staatsvertrag macht die Stadt dem Freistaat wohl eher teuer als lieb - etwa mit Blick auf die kostspielige Sanierung des Landestheaters, aber ein Jubiläum ist eben schon ein Grund zu feiern, und davon gab es in Corona-Zeiten nicht unbedingt viele. Zurück nach Rödental. Das Gründerzentrum für Absolventen der digitalen Fakultät der Hochschule Coburg war dem Ministerpräsidenten einen Besuch wert. Es kostet zwar auch, wird aber als Investition in die wirtschaftliche Zukunft gesehen. Neben diesem Zentrum und dem Pilates Loft "Broadway Body" ist noch Platz auf dem Gelände. Es wird spannend sein, zu sehen, was sich dort noch entwickelt und als großer Wurf für Rödental erweist.

Nicht alle neuen Projekte sind von der Stadtführung so gern gesehen wie die Digitale Manufaktur. Der Bau einer so genannten Gülle-Lagune, einem Erdfolienbecken als Zwischenlager für Naturdünger, etwa soll durch eine Klage verhindert werden. Eine Entscheidung steht noch aus.

Biker mit Herz

Neben Corona, Digitalisierung und Bauprojekten blieb auch im Corona-Jahr 2021 Zeit für Menschlichkeit. Anfang Oktober donnerten schwere Motorräder vom Festplatz in Rödental nach Cortendorf. Es waren die Blue Knights, ein Biker Club für Polizisten, die dem seit vielen Jahren nach einem Motorradunfall gelähmten Bernd Buchenau einen Traum erfüllten. Er durfte im Beiwagen eine Runde mit drehen.

In Neustadt dagegen machte Corona einem Projekt der Menschlichkeit einen Strich durch die Rechnung. Der Verein Tschernobyl Kinderhilfe konnte nicht wie seit Jahrzehnten eine Gruppe von Kindern aus der Katastrophenregion des Reaktorunglücks zur Erholung ins Coburger Land holen. Selbst die Hoffnung, die Besuche 2022 wieder aufnehmen zu können, zerschlug sich in der vierten Welle der Pandemie für den Vorsitzenden Dieter Wolf und seine Helfer.

Neustadt arbeitet unterdessen an seiner Entwicklung. Wohngebiete werden erschlossen, weil immer mehr Menschen in der Puppenstadt leben wollen, und die Stadt profitiert davon, dass der Landkreis Baulastträger der weiterführenden Schulen ist. Die Sanierung des Arnold-Gymnasiums geht in die nächste Runde und auch für die Realschule gibt es Überlegungen, wie sie sinnvoll saniert werden kann.