Eigentlich hatte er einen Spitzenjob: Matthias Kaiser war Geschäftsführer des Campus Kulmbach der Uni Bayreuth. "Mein Schwiegervater hat gesagt: Wie kann man denn nur so eine Stelle aufgeben?" Kaiser lacht. Er lacht gerne und er lacht laut. Die tiefe Männerstimme ist noch draußen im Gang der Hochschulleitung zu hören. Das ist neu. Fast ein Vierteljahrhundert war Maria Knott-Lutze als Kanzlerin die Verwaltungschefin der Hochschule Coburg; zum 1. Oktober übernahm Kaiser das Amt von ihr.

Eine Reihe blauer Bücher

Am ersten Tag stellte er den Schreibtisch um und räumte eine Reihe blauer Bücher ein: Fachliteratur aus dem Wirtschafts-Verlag Springer und Gabler. Kaiser hat an der Brandenburgischen TU Cottbus Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen studiert und dort im Fachgebiet BWL und Marketing auch promoviert. Bereits vor knapp zehn Jahren veröffentlichte er seine Dissertation zur "Zukunft von eLearning an Hochschulen" - ein Thema, das in der Corona-Krise rasant an Bedeutung gewonnen hat. Der neue Kanzler will die Digitalisierung insgesamt vorantreiben und verschiedene Bereiche vernetzen. Innerhalb der Hochschule, aber auch darüber hinaus: mit anderen Hochschulen, Unternehmen, Stadt- und Landkreis.

Der 42-Jährige versteht sich als Brückenbauer, als einer, der Verbindungen schafft. Das passt. Coburg ist in der Hochschullandschaft bekannt dafür, dass hier so unterschiedliche Bereiche wie Soziale Arbeit und Versicherungswirtschaft gemeinsame Projekte durchführen, dass beispielsweise Kulturgüterschutz und Technik zu einem neuen Masterstudiengang Digitale Denkmaltechnologien verbunden werden oder dass bei ZukunftsDesign Absolventen verschiedener Fachgebiete zusammenarbeiten. "Als Wirtschaftsingenieur liebt man fachheterogene Teams", sagt Kaiser. "Weil man überall das Beste, die Rosinen, herauspicken kann." Das gelte auch für die Zusammenarbeit von Verwaltung und Fakultäten, sagt er; immer mit dem Ziel, den Studierenden die bestmögliche Ausbildung und den Mitarbeitenden einen echten Servicemehrwert zu ermöglichen. Auch in Corona-Zeiten.

Nach den ersten zwei Tagen an der Hochschule habe seine Frau, die eine Pfarrstelle in Helmbrechts hat, gesagt: "Ich merke, dass du dort als Mensch schon angekommen bist."

Seit 2014 in Franken

Der gebürtige Westfale kam 2014 nach Franken, um am Lehrstuhl für Innovations- und Dialogmarketing der Universität Bayreuth zu habilitieren. "Ich höre gut zu. Ich will das Beste für die Hochschule und in meiner neuen Position kann ich viel Gutes bewegen." Das sei auch in etwa gewesen, was er seinem Schwiegervater entgegnete, als der sich wunderte, warum er Kulmbach verlassen wolle: "Dort fing alles mit einem weißen Blatt Papier an, der Campus war ein klassisches Start-up. Hier in Coburg geht es um das Management im Bestand - das ist eine ganz andere Verantwortung." Matthias Kaiser nickt zufrieden, fügt hinzu: "Diese große Gestaltungsaufgabe: Das reizt mich. Wir haben einen wichtigen Auftrag für diese Region."