Ein Wiedersehen mit der Künstlerin Ute Bernhard bietet die nächste Veranstaltung der Reihe "Kunst im Kirchturm" in der Pankratiuskirche Schottenstein. Unter dem Titel "per luce" (Scheine durch! Nimm Licht auf!) zeigt sie Arbeiten, die anknüpfen an Werke, die sie für das Projekt "12 Worte/12 Orte" geschaffen hatte, das im Rahmen der Luther-Dekade im Jahr 2014 stattfand. Für die Pankratiuskirche Schottenstein hatte Ute Bernhard damals die Arbeit "10 Gebote" geschaffen, die seitdem zentral an der Stirnseite des Gotteshaus zu sehen sind. Dabei verwendete sie eine der persönlichen Handschrift abgewandelte Kunstschrift, meist mit feinem Pinsel in weißer Farbe auf monochromen Flächen. Aufgebracht wurde die Schrift auf zwei oder dreidimensionalen Bildträgern.


Auch jetzt widmet sich die Künstlerin wiederum dem Thema Schrift - diesmal in verhüllter Form. Unter einem Tuch verborgen ist dabei ein Buch zu erahnen - mit Schrift, die durchscheinen will und doch nicht wirklich zu lesen ist. Im Schottensteiner Kirchturm präsentiert Ute Bernhard auf zwei Stockwerken Installationen mit Büchern, Poesie und Verhüllung in weißem Stoff.


Im Jahr 1966 in Bayreuth geboren, studierte Ute Bernhard von 1986 bis 1993 an der Kunstakademie Karlsruhe. Seit 2003 lebt und arbeitet die Künstlerin in Koblenz (Infos online unter www.utebernhard.de).


Die Ausstellung mit Ute Bernhard ist die Vierte im Rahmen dieser Reihe, die von der evangelischen Kirchengemeinde Schottenstein getragen wird, unterstützt durch eine Reihe von Sponsoren, der Niederfüllbacher Stiftung, dem Dekanat Michelau und der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Der Kirchturm und die Pankratiuskirche in Schottenstein haben ihr ganz eigenes Gepräge, es ist reizvoll, hier Werke professioneller Gegenwartskunst zu erleben.


Ist das nicht ein Widerspruch?

"Perluce!" ist ein lateinisches Verb in der Aufforderungsform. Es bedeutet so viel wie "durchscheine!", erklärt Ute Bernhard ihr Konzept. "Im Schottensteiner Kirchturm arbeite ich mit Verhüllung. Ist das nicht ein kompletter Widerspruch? Genau hier ist mein Ansatz. Die Gegensätze durchziehen unser Menschsein, unsere Welt, unsere Persönlichkeiten, und im Ringen um Wahrheit muss unterschieden, gegenübergestellt werden. Reformation beinhaltet Widerspruch, Umbau, ist Umformung", reflektiert die Künstlerin.


Wie Martin Luther sich mit der Bibel und ihrem Wort in großer Tiefe und Entschiedenheit auseinander gesetzt hat, so habe sie sich dem einzelnen Wort und seiner Bedeutung gewidmet. Als bildende Künstlerin und als Lyrikerin hat sie stets mit dem geschriebenen Wort gearbeitet, so dass in ihren Werken Anschauung, Objekt und Poesie zusammen kommen.


"Die Worte sind anwesend, lesbar und dennoch in verschiedenen Graden verhüllt, verborgen, was uns zeigt, dass immer neu auf- und entdeckt werden sollte, was Wahrheit und Erkenntnis sein kann", so Ute Bernhard.



Sichtbar werden



Die Ausstellung Kirchengemeinde Schottenstein: "per luce" - Werke von Ute Bernhard im der Pankratiuskirche Schottenstein. Eröffnung am heutigen Samstag, 3. Juni, um 19 Uhr. Bis 16. Juli geöffnet sonntags von 9 bis 18 Uhr, Mittwoch, Freitag und Samstag von 17 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon: 09533/263)
Der Ausstellungsort Zur Kirchengemeinde Schottenstein (Dekanatsbezirk Michelau)
mit ihren etwa 500 Gemeindegliedern gehören mehrere Dörfer der politischen Gemeinde Itzgrund. Das Kirchenschiff der Pankratiuskirche (Turm von 1499) wurde 1704 und 1960 neu gestaltet: Der Kanzelaltar wurde durch eine dominante Kreuzigungsgruppe ersetzt.