Dekan Andreas Kleefeld weiß, was es heißt, direkt an der Itz zu wohnen: "Ab einem bestimmten Pegelstand haben wir das Wasser im Keller", sagt der evangelisch-lutherische Geistliche, der im Pfarrhaus von Heilig-Kreuz wohnt, direkt gegenüber der Stelle, wo die Lauter in die Itz mündet.

Die Lauter war es nämlich, die zusammen mit Rottenbach und Sulz zuletzt das Bahnhofsviertel unter Wasser setzte. Die Itz ist seit dem Bau des Froschgrundsees zum großen Teil beherrschbar: Das Schmelzwasser aus dem Thüringer Wald wird seit 1986 an der Landesgrenze zurückgehalten. Die Sulz ergießt sich inzwischen in den Goldbergsee bei Neuses. Dorthin wird auch ein Teil der Lauter abgeleitet, wenn ihr Pegelstand schon in Oberlauter entsprechend hoch ist. In Coburg fließt sie nun in einem hochwandigen Bett: Teil eins der auf vier Bauabschnitte angelegten Hochwasserfreilegung.
Begonnen wurde mit dem Bau des Hochwasserschutzwerks an der Itzmündung; wenn alles fertig ist, hat die Lauter bis hin zur Callenberger Unterführung neue Ufermauern bekommen.
Zum ersten Bauabschnitt gehört auch ein Pumpwerk, das das Wasser aus den Regenwasserkanälen im Bereich der Heiligkreuzschule direkt in die Lauter befördern kann. "Zurückstauende Regenwasserkanäle und nicht ablaufende Straßeneinläufe gehören hier der Vergangenheit an", sagte gestern Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) zufrieden.

Gestern feierte der Bezirk Oberfranken den Abschluss des ersten Bauabschnitts. Für den Bezirk ist es auch der letzte: Für die nächsten drei Bauabschnitte zeichnet der Freistaat Bayern direkt verantwortlich. Er trug aber jetzt schon die Hälfte der Kosten von insgesamt 2,6 Millionen Euro. Die andere Hälfte teilten sich die Stadt und der Bezirk. Für die anstehenden Bauabschnitte wird Coburg einen höheren Anteil aufbringen müssen: 2,2 Millionen Euro sind für den zweiten Bauabschnitt in diesem und im nächsten Jahr eingeplant. Insgesamt sollen die restlichen drei Bauabschnitte 7,6 Millionen Euro kosten, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU).

Denzler hatte im Dezember 2008 den symbolischen ersten Spatenstich für den Lauter-Ausbau gesetzt. Nun reichte er - genauso symbolisch - den Staffelstab an Umwelt-Staatssekretärin Melanie Huml (CSU) weiter. Seit 1. Januar 2009 ist der Freistaat zuständig für die sogenannten Gewässer zweiter Ordnung, zu denen auch die Lauter gehört. Weil aber der erste Bauabschnitt noch 2008 begann, durfte ihn der Bezirk auch fertigstellen.
Unabhängig vom Hauptgeldgeber liegt die Regie für die Arbeiten wie bisher schon beim Wasserwirtschaftsamt Kronach. Voraussichtlich im Sommer, nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens, werden die Arbeiten im Abschnitt zwischen Heiligkreuzschule und Raststraße fortgesetzt.

Dafür waren in den vergangenen Wochen bereits Bäume gefällt worden. Bei den ersten Baumfällungen zu Jahresbeginn 2009 hatte es noch lautstarke Proteste von Anwohnern gegeben. Aus dieser Erfahrung habe man gelernt, sagte Coburgs Dritter Bürgermeister und Baureferent Hans-Heinrich Ulmann (CSB). Diesmal seien die Anwohner vorab über die Fällungen unterrichtet worden. Proteste gab es diesmal nicht.