Der aktuell noch rätselhafte Tod zweier Jungvögel trübt die Gesamtbilanz der ausgeflogenen Störche im Coburger Land noch einmal spürbar: Nicht mehr 26, sondern nur 24 haben die schwierige Aufwuchszeit überstanden. Dabei waren die Voraussetzungen doch so gut. 17 Brutpaare waren in diesem Jahr in der Region aktiv - fünf mehr als 2020.

Dass es dennoch keine bei einem normalen Sommer durchaus mögliche Rekordzahl an Jungvögeln gab, ist dem schlechten Wetter aus dem Frühjahr zuzuschreiben. Hans-Peter Schönecker zitiert aus seiner Jahresstatistik: "Fünf Storchenpaare hatten einen witterungsbedingten Totalverlust ihrer Brut." Es betraf die beiden Horste in Scherneck, einen bei der Firma Müller in Neustadt, den in Neida und den in Wiesenfeld.

Mit seinen Problemen mit dem schlechten Wetter steht das Coburger Land nicht alleine da. Oda Wieding, die bei der LBV-Zentrale im mittelfränkischen Hilpoltstein die bayerische Storchenpopulation im Blick hat, berichtet auf Tageblatt-Nachfrage, dass die mehrfach durchziehenden Regenfronten vor allem im Voralpenraum negative Wirkung hatten. Bei längerem Dauerregen fliegen nämlich die Altvögel mit dem nassen und entsprechend schweren Gefieder kaum zur Nahrungssuche. Deshalb gab es aus Südschwaben und dem südlichen Oberbayern gleich mehrere Meldungen, dass an vielen Nestern gerade mal nur ein Jungstorch flügge geworden ist. Aus Mittelfranken wurden dagegen teilweise bis zu fünf Junge gemeldet. Wieding vermutet deshalb: "Dort gab es zwischen den Regenschauern ausreichend Lücken." Der Starkregen habe zwar zu Überschwemmungen geführt, aber zu kaum Ausfall bei der Weißstorchbrut.

Für die meisten geht es ab Richtung Westen

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Nahezu sämtlichen Jungvögel aus der Region haben sich inzwischen Trupps von durchziehenden Artgenossen angeschlossen und sind schon auf dem Weg Richtung Süden. Jetzt haben die Altvögel Zeit, nach überaus stressigen Brut-Wochen ein bisschen zur Ruhe zu kommen und selbst Kraft für den Flug ins Winterquartier zu sammeln. Auffällig dabei: Die Vögel schauen von Tag zu Tag schöner aus, weil sie endlich wieder Zeit zur Pflege ihres Gefieders haben.Das geht bei der Aufzucht der Jungen nicht. Ein bisschen werden die Altvögel auch noch hier bleiben, schätzt der LBV-Storchenbeauftragte: "Ich gehe ich davon aus, dass die ersten Altstörche uns Anfang September verlassen werden." Die in Oberfranken lebenden Störche ziehen übrigens fast alle über die Westroute (Frankreich, Spanien, Gibraltar) nach Afrika. Oder sie bleiben schon in Spanien hängen, weil ihnen da die Witterung und Nahrungsangebot während der Wintermonmate ausreichen.

Ein paar bleiben da - vermutlich

Die Frage, ob - wie im vergangenen Jahr in Meschenbach und Scherneck - auch Storchenpaare während des gesamten Winters im Coburger Land bleiben werden, bleibt hingegen noch eine Zeit lang offen. Erfahrungsgemäß bleiben Vögel, die Anfang November noch da sind, den gesamten Winter über hier. Aber: Ein früher Wintereinbruch kann aber noch hier gebliebene Störche zum Abwandern veranlassen.