"Stellt den Koffer bloß nicht an einem Bahnhof oder Flughafen ab", sagt Ulrich Schmerbeck und grinst. Die Gefahr, dass er als potenzieller Bombenträger konfisziert werde, sei einfach zu groß. Ansonsten wünscht sich aber der Ideengeber dieser außergewöhnlichen Aktion, dass der Koffer so weit wie möglich reist und nach einem Jahr am besten wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkehrt. Dieser Punkt war am Donnerstagabend der Herzog-Alfred-Brunnen im Hofgarten. Dort hatten sich außer Uli Schmerbeck, Bettina Lesch-Lasaridis, Peggy Hoffmann und ein paar andere getroffen, um den Koffer zu verabschieden.
"Das ist eine private Aktion. Es geht uns darum, in einer absolut kontrollierten Welt das Thema Loslassen in den Mittelpunkt zu rücken", erläutert Uli Schmerbeck. Er hatte die Idee, das Gepäckstück auf Reisen zu schicken. "Ich habe auf dem Schlossplatz beobachtet, wie jemand, der dort geparkt hatte, seinen Koffer stehen gelassen hat", erzählt er. Er habe das vergessene Stück ins Theater gebracht, aber dort wollte es niemand. "Da dachte ich, man könnte daraus eine Kunstaktion machen."
Mit Bettina Lesch-Lasaridis spann er den Gedanken weiter, Peggy Hoffmann steuerte einen alten Koffer bei und Martin Keil von der Firma Formglas beschriftete ihn. Wer den Koffer findet, darf ihn mitnehmen und woanders abstellen. In eine Art Tagebuch können Geschichten und Erlebnisse geschrieben werden. Und der oder die Finder sollten einen Alltagsgegenstand hineinlegen, können aber auch einen herausnehmen. Es ist ebenfalls möglich, unter www.facebook.com/groups/derkoffer zu posten. Das zählt auch. So entsteht ein wanderndes Geschichtenbuch. Am Donnerstag haben Annie und Martin ein Gedicht ins Tagebuch geschrieben und den Koffer mitgenommen. Wohin?