Lang, intensiv und mit viel Herzblut, sagt Kulturbürgermeister Martin Stingl (SPD), haben sie am Dienstag bis in die Nacht im städtischen Kultursenat diskutiert. Am Ende fiel die Entscheidung einvernehmlich: Es wird auch in diesem Jahr kein Nikolausmarkt in Neustadt bei Coburg stattfinden. Es habe zu viele Gründe gegeben, die gegen den Nikolausmarkt sprachen, ergänzt Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) und verweist auf die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie: die Inzidenzwerte explodieren und in Bayern steht die Krankenhaus-Ampel auf rot.

Dabei haben sie sich im Bereich Kultur, Sport, Tourismus in den vergangenen Wochen einen Haufen Arbeit mit der Vorbereitung des Nikolausmarktes gemacht. "Vor 14 Tagen sind wir noch davon ausgegangen, dass wir auf den Marktplatz gehen", berichtet der Oberbürgermeister. 7 Tage später lief "nur" noch alles auf einen weihnachtlichen Markt unter den Bedingungen von "3G+" im Freizeitpark hinaus. Und jetzt: Gar nichts! "Wir hätten mit einer Entscheidung gerne noch länger gewartet, aber die mitwirkenden Vereine, Organisationen und Händler brauchen Planungssicherheit", sagt Martin Stingl. Der Kulturbürgermeister bedauert die Absage zutiefst, weil - zumindest bei der Marktplatz-Variante - das Interesse groß war: "Wir hatten mehr Anfragen von Händlern als in den Jahren vor der Corona-Pandemie."

Mit Abstand? Nicht möglich!

Im Vorfeld der Entscheidung hat es Gespräche mit den örtlichen Vereinen und Institutionen gegeben, die den Neustadter Nikolausmarkt seit Jahrzehnten prägen. Dazu gehört als Veranstalter der großen Tombola die Tschernobyl-Kinderhilfe. Dort sah man beim Nikolausmarkt die gleichen Probleme wie die Stadt. Weil der Verein seine Ehrenamtlichen bei der Ausgabe der Lose und Preise nicht unnötigen Risiken aussetzen wollte, hätte es so oder so heuer keine Tombola gegeben. Im Neustadter Rathaus ist man sich deshalb überzeugt: Es ist nicht die Zeit für eine Großveranstaltung, bei der es eventuell sogar Vorgaben zum Mindestabstand zu beachten gibt. "Die wären zum Beispiel bei den Kindern bei der Päckchenausgabe nicht einzuhalten gewesen", sagt Martin Stingl. Die Neustadter Kinder werden aber heuer mit großer Wahrscheinlichkeit wenigstens die Päckchen bekommen. "Wir werden eine Lösung finden", hofft der Oberbürgermeister, dass die Situation es heuer zulässt, den Schülern die beliebten Weihnachtspäckchen zukommen lassen. Im vergangenen Jahr war dies in der Hochphase der Pandemie nicht möglich.

Das Interesse war riesig

Frank Rebhan bedauert die Absage auch wegen der Neustadter Geschäftswelt. Denn die hätte davon profitiert, wenn der Nikolausmarkt am zweiten Adventswochenende auf dem frisch sanierten Markt stattgefunden hätte. Ein anderer Standort wie der Freizeitpark oder der heuer aufgrund der Marktplatz-Bauarbeiten eh nicht verfügbare Schützenplatz seien immer nur zweitbeste Wahl gewesen, betont der OB: "Unter normalen Umständen wären wir auf den Markt gegangen, alleine schon aus Gründen der Innenstadtbelebung."

Aber normal ist halt derzeit gar nichts. Alleine schon deshalb, weil man sich im Neustadter Rathaus erst am Anfang einer erneut heftigen Corona-Welle sieht. Frank Rebhan blickt sorgenvoll auf die Entwicklung im Nachbarlandkreis Sonneberg, wo die Zahl der Corona-Neuerkrankten inzwischen auf 787 Personen pro 100000 Einwohner binnen sieben Tagen angekommen ist. Und da sagt die Erfahrung aus den vergangenen Monaten dem Oberbürgermeister: "Bei den vielfachen Verflechtungen ist es sehr wahrscheinlich, dass sich diese Werte - in welcher Form auch immer - angleichen werden.

Es bleibt die Hoffnung auf 2022

Auf Spekulationen, wie es mit kommenden Veranstaltungen im Stadtgebiet aussehen wird, lassen sich weder Kultur- noch Oberbürgermeister ein. Frank Rebhan geht zwar davon aus, dass die Corona-Zahlen spätestens im Frühjahr wieder ein einigermaßen normales gesellschaftliches Leben zulassen werden. Aber bis dahin, da ist der OB überzeugt, wird's noch zäh: "Die Menschen werden zurückhaltend sein." An der Marschroute für Veranstaltungen im kommenden Jahr wird die aktuelle Entwicklung indes nichts ändern. Wie Martin Stingl bestätigt, laufen derzeit unter anderem die Vorbereitungen für das Puppenfestival, das 2022 rund Himmelfahrt (Donnerstag, 26. Mai) stattfinden soll. Und zwar in dem Umfang, wie es die Besucher aus der Vor-Corona-Zeit gewohnt sind. Da rüttelt auch der Oberbürgermeister kein bisschen dran: "Wenn nicht die große Negativwende kommt, dann lassen wir im kommenden Jahr nichts ausfallen, was jetzt geplant ist."