Zum Bockbier-Anstich gehört das Derblecken. Das übernimmt der Vorsitzende persönlich: Wenn die SPD Coburg-Mitte zum Maibockfest lädt, steigt Martin Ruggaber in die Bütt. Diesmal nahm er aber als erstes die eigene Partei aufs Korn. Die SPD im Unterbezirk habe sich zeitweise verhalten wie ein Zerstörer, "nur, dass die Geschütze nach innen montiert waren". Damit spielte Ruggaber auf die Diskussionen um den vormaligen Bundestagskandidaten Carl-Christian Dressel an, der im März die Kandidatur zurückgezogen hatte. Nun soll Coburgs Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) das Mandat im Wahlkreis Coburg-Kronach erkämpfen.
Was die Kommunalwahl 2014 angeht, ließ Ruggaber keinen Zweifel daran, dass die SPD zum dann fünften Mal mit Oberbürgermeister Norbert Kastner ins Rennen gehen will. "Wir werden unser schönes Coburg nicht den anderen überlassen."
Lange hielt sich Ruggaber nicht vor der eigenen Tür auf, sondern kehrte lieber bei den anderen: Gerhard Amend (CSB) brauche die SPD nicht in Sachen politischer Diskussion zu belehren, und Thomas Bittorf (CSU) solle in der eigenen Partei durchsetzen, was er vorgeschlagen habe: Nämlich auf eine Materialschlacht im Kommunalwahlkampf zu verzichten.
Michael Stoscheks Name wurde zwar nicht genannt, aber es war klar, wer gemeint war. Wenn Rödentals Bürgermeister Gerhard Preß (CSU) 2002 Oberbürgermeister in Coburg geworden wäre, hätte er die Innenstadt gestärkt, hatte Stoschek in einem Leserbrief geschrieben. Preß habe in Rödental Märkte auf der grünen Wiese angesiedelt,"zum Teil noch größer als erlaubt", kommentierte Ruggaber. "Wenn Gerhard Preß der Stärker der Innenstadt ist, dann ist Papst Franziskus der Erfinder der Homo-Ehe."
Die voraussichtlich nächste OB-Kandidatin der Coburger CSU, "Dr. Birgit Weber zu Guttenberg" schreibe ab, lästerte Ruggaber: Dass Coburg erst sparen müsse, bevor Steuern erhöht würden, habe zuerst der SPD-OB Norbert Kastner gesagt. Dass die Stadt ein Ausgabenproblem habe, stamme von HUK-Vorstandssprecher Wolfgang Weiler. Und ihr Vorschlag, eine Sporthalle anstelle des Grünflächenamts am Glockenberg zu bauen, sei unrealistisch.
"Es wird ein harter Wahlkampf werden", prophezeite Ruggaber. Doch er weiß auch, wann er endet: Am Freitag, 14. März 2014, mit einem vorgezogenen Maibockfest.