Eigentlich keine Zeit. Und kein Geld. Trotzdem: Die Fakultät Design hält an ihren "Designtagen" fest, auch wenn die nicht mehr so heißen. Den Namen "Coburger Designtage" hat sich das Coburger Designforum Oberfranken schützen lassen. Deshalb gibt es nun den "Designcampus open". Die Werkschau der vier Studiengänge Integriertes Produktdesign, Innenarchitektur, Architektur und Bauingenieurwesen wird flankiert von Workshops und Vorträgen. Die Veranstaltungensind offen für jedermann - Interessierte, angehende Studenten oder Ehemalige, die die Designtage gerne nutzen, um mal wieder in ihrer Hochschule vorbeizuschauen.

Studentenprojekte

Mit den Coburger Designtagenhat die Fakultät formal nichts (mehr) zu tun. Das betont nicht nur Dekan Joachim Driller, sondern auch die Vertreter der vier Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Innenarchitektur und Integriertes Produktdesign. Ihren Anfang hatten die Designtage als Hochschulveranstaltung, das Coburger Designforum Oberfranken (CDO) kam erst später dazu. Für Außenstehende war der Unterschied kaum zu merken: Treibende Kräfte waren der vormalige Dekan Werner Kintzinger und Professor Auwi Stübbe, gleichzeitig Vorsitzender des CDO. 2012 gab es erstmals (wieder) zwei Veranstaltungsorte: neben dem Hochschulbereich am Hofbrauhaus das damals leerstehende C&A-Gebäude (heute Wöhrl). Doch auch dort wuselten Studenten, bauten Bars und Ausstellungen auf.

Dieses Jahr ist die Trennung deutlicher: Das CDO präsentiert Designer am Schillerplatz und in der Alten Angerturnhalle, auf dem Hochschulcampus zeigen Studenten von vier Fachrichtungen eine "Werkschau". Nicht so perfekt, nicht so durchgestylt wie vielleicht in früheren Jahren, sagt Gerhard Kampe, der Studiengangsleiter im Integrierten Produktdesign. Kleinere Projekte, auch weil das Geld fehlt, das CDO dank der Sponsoren und Fördermittel immer zur Verfügung hatte. Projekte der Studenten, wie Dekan Driller betont. "Das CDO präsentiert sich nicht mehr mit Hilfe der Studenten, sondern die Studenten präsentieren sich selbst", fasst Helmut Bielenski zusammen, Studiengangsleiter im Fach Architektur.

Zu sehen ist genug: Da wäre der Showroom, den Studenten des Integrierten Produktdesigns im siebten Semesters entwickelt haben, nebst den zugehörigen Vitrinen und den Designobjekten darin. Die Aufgabe lautete, Dinge zu zu schaffen, die sich ohne großen Aufwand in Kleinstserien herstellen lassen ("seriell unkonventionell"). So wird eben geschmolzener Kunststoff in einer Schüssel auf einem schnelldrehenden Plattenteller zentrifugiert - heraus kommen Schalen mit körniger Außenfläche. Die Architekten zeigen unter anderem Entwürfe für ein Wohngebiet auf dem ehemaligen Brockardt-Gelände oder Modelle für Ferienhäuser, die nicht nur bewohnt kaum Energie brauchen, sondern auch schon beim Bau.

Weniger Zeit

Die Werkschau trägt auch den geänderten Studienbedingungen Rechnung. Die Bachelor- und Masterstudiengänge "erlauben uns gar keine großen Veranstaltungen mehr", erläutert Driller, und die angehenden Innenarchitekten seien "fast das halbe Semester" nur mit den Designtagen beschäftigt gewesen. "Das ging auch auf Kosten von Lehre und Studium", betont Rolf Döll, der Professor für Innenarchitektur. Die Studierenden seines Fachbereichs werden beim Designcampus unter anderem Beratung für Innenraumgestaltung anbieten - eine Anmeldung ist erbeten (E-Mail an verena.fritsch@hs-coburg.de).

Egal, wie sie heißen: Die Designtage sind ein Markenzeichen für Coburg und die Hochschule, räumt Wolfgang Bielenski ein. Der Name "Designcampus open" steht nicht nur für die Orientierung nach außen, zum Besucher, sondern auch für die Funktion der Veranstaltung nach innen: Die vier Studiengänge, die sich nun schon das zweite Semester einen gemeinsamen Campus teilen, sollen sich auch als Einheit erleben. "Der Designcampus ist in dieser Form einzigartig", betont Professor Gerhard Kampe.

Herzogenaurach - Coburg - NY

Gemeinsam ist den vier Studiengängen das Element der Gestaltung. Das brauchen auch die Bauingenieure, erläutert deren Studiengangsleiter Friedemann Zeitler. Dass aus dem gemeinsamen Campus einmal eine "Coburger Schule der Gestaltung" werden könne, sei eine Zukunftsvision, sagt Dekan Driller. Zumindest der eine von zwei Master-Studiengängen der Fakultät heißt schlicht "Design" und steht jedem Hochschulabsolventen offen, der gestalterisch begabt ist. Eine der ersten Absolventinnen war Wirtschaftsingenieurin, erzählt Gerhard Kampe. Sie landete bei einem Sportartikelhersteller in Herzogenaurach, war dort für eine Modelinie zuständig, machte ihren Master in Coburg und geht nun nach New York.