Der Präsident der Coburger Turnerschaft, der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) und Vorsitzender Stefan Wulf bezeichnen die am Mittwoch öffentlich gewordenen Planungen für die neue Dreifach-Sporthalle auf dem Anger als "schlichtweg mangelhaft". Sie würden, wie es in einer Stellungnahme der beiden heißt, "nicht den berechtigten Interessen der Coburger Sportvereine entsprechen".

Zweifel an "sportlicher Funktionalität"

Michelbach kritisiert insbesondere, dass man auf den Einbau eines Gymnastikraumes sowie eine Konditionsraumes verzichten wolle. "Bei allem Verständnis für architektonisch anspruchsvolle Planungen sollte bei einer Sporthalle letzten Endes auch die sportliche Funktionalität im Vordergrund stehen. Die Sportvereine brauchen gesonderte Konditions- und Gymnastikräume, um so auch dem hohen Nutzungsbedarf für den Breiten- und Spitzensport nachkommen zu können. Die hierfür notwendigen Kosten lassen sich sicherlich an der Ästhetik einsparen", so Michelbach.

Auch das teilweise Versenken der Halle in den Boden müsse zumindest kostentechnisch hinterfragt werden. Hier erwarte die Turnerschaft klare Vergleichsberechnungen, wie sich die Kosten eines Versenkens der Halle gegenüber denen eines ebenerdigen Baus verhalten. Der Haushaltsansatz von 6,5 Millionen Euro ohne die besagten Ergänzungsräume läge im Vergleich zu anderen Hallen "auf sehr teurem Niveau".

Wulf warnt vor Verschlechterungen

Ähnlich argumentiert der Vorsitzende der Coburger Turnerschaft, Stefan Wulf. Gleichzeitig ärgerte er sich über die "pauschale Aussage", wonach man keinen Gymnastikraum brauche, weil es angeblich andere Räume gäbe. "Es darf nicht vergessen werden, dass mit dem Abriss der Angerhalle für die Turnerschaft notwendige Räumlichkeiten wegfallen. Wenn man diese Räume in der neuen Halle nicht gleichwertig ersetzt, bedeutet das einen nicht hinnehmbaren Rückschritt und eine Verschlechterung der Situation für die Vereine. Die Turnerschaft allein hat mehrere Abteilungen (z.B. Kraftdreikämpfer), die auf einen Kraftraum oder einen Mehrzweckraum (z.B. Tischtennis, Sportakrobatik) angewiesen sind", erklärte Wulf.

"Ich werde meinen Mitgliedern jedenfalls nicht sagen, dass unser mit mehr als 1400 Mitgliedern in 20 Abteilungen mitgliederstärkster Breitensportverein der Region mit dem Vorschlag zufrieden sein kann. Wir bieten Spitzensport, der auch eine größtmögliche Unterstützung bei den Räumlichkeiten verdient hat." Der erste Vorsitzende bedauerte es zudem sehr, dass trotz mehrfacher Angebote keine Gespräche seitens der Verwaltung mit den Vereinen, die ja die Hallen intensiver als der Schulsport nutzen, geführt würden. "Die Stadtverwaltung arbeitet in diesem Fall leider weniger für als vielmehr gegen seine Bürger."

Die Beratung des Stadtrates in dieser Angelegenheit kommt aus Sicht der Coburger Turnerschaft eher "einem Schildbürgerstreich" nahe.