Die europäischen Jugend-Meisterschaften im Bouldern wurden in diesem Jahr in zwei Wettkämpfen entschieden. Einer fand im schweizerischen Grindelwald am Fuße des Eiger und der andere in nicht weniger spektakulärer Umgebung in den französischen Alpen bei Briancon statt.

Joachim Tensing aus Coburg kletterte in beiden Wettkämpfen ins Finale der besten sechs Akteure, was nur einem weiteren Athleten gelang. Schon das ist eine herausragende Leistung angesichts der enormen Leistungsdichte, die auf europäischem Niveau in dieser modernsten und speziell für Jugendliche auch attraktivsten Disziplin des Kletterns zu finden ist.

Dass am Ende der beiden Wettkämpfe, nach einem Sieg in Grindelwald und einem 4. Platz in L'Argentière, dann sogar der Europameistertitel stand, war eine Riesenüberraschung und sicher der Höhepunkt in der bisherigen Kletterkarriere des 18-jährigen Coburgers.

2007 begann die Karriere


Die Wettkampfkarriere von Joachim Tensing begann, wie für fast alle Talente des Alpenvereins, auf bayrischer Ebene. Schon bei einem seiner ersten Wettkämpfe, den bayrischen Bouldermeisterschaften in Landshut im Jahr 2007, holte er - damals 13-jährig - souverän den Titel bei der Jugend C.

Es war den Verantwortlichen der Sektion Coburg schnell klar, dass ihnen hier ein außergewöhnliches Klettertalent "zugelaufen" war, ganz ohne Kletterhintergrund in der Familie, rekrutiert aus der sehr regen Jugendarbeit des Coburger Alpenvereins.

Grundkönnen war vorhanden


Von Anfang an beeindruckte Joachim Tensing mit schneller Auffassungsgabe, sehr gutem Vorstellungsvermögen und außergewöhnlicher, kletterspezifischer Grundkraft. Andere für das Leistungsklettern wichtige Elemente wie Athletik, Beweglichkeit und Körperspannung waren in den ersten Jahren eher durchschnittlich entwickelt.
In Kombination allerdings mit einer anderen außerordentlichen Fähigkeit, nämlich Biss und Konsequenz beim Training, hat der Coburger sich in den Folgejahren auf diesen Feldern enorm entwickelt. Heute steht vor uns ein ausgeprägt athletischer junger Sportler mit enormer Körperkraft. Er scheint an den fürs moderne Bouldern typischen, offen-flachen Griffstrukturen zu ziehen, wie andere an Reckstangen.

Parallel zum konsequenten Training wurden Wettkampferfahrungen und -erfolge gesammelt. Vom bayrischen Meister der Jugend C im Vorstiegsklettern 2009 bis hin zum deutschen Meister der Jugend B im Bouldern 2010.
Beim Training lief Joachim Tensing in diesen Jahren durch das nicht immer wirklich stimmige Fördersystem des Alpenvereins in und zwischen Bundesstützpunktraining, Bayern- und Nationalkader. Und wie wohl immer bei erfolgreichen Sportlern hat der Erfolg nicht nur Schokoladenseiten. Speziell die Saison 2011, die mit einem tollen 3. Platz bei den deutschen Meisterschaften im Schwierigkeitsklettern endete, war auch schwierig und belastend.

Auf Bouldern spezialisiert


Deutschlandcups, deutsche Meisterschaften, Europacups, dazwischen Trainigscamps mit Bayern- und Bundeskader: Die zahlreichen Starts, die damit verbundenen sehr aufwendigen Reisen und der Wettkampfdruck waren schon sehr stressig in dieser Saison und haben Joachim Tensing veranlasst, über seine Ziele neu nachzudenken. Daraus resultierte die Entscheidung, sich 2012 ausschließlich auf Boulderwettkämpfe zu konzentrieren.

Die Trainingsbedingungen im Coburger Kletterzentrum sind dazu nahezu optimal, wohingegen die Coburger Halle für erfolgsversprechendes Vorstiegsklettertraining einfach zu niedrig ist. Aktuell besucht Joachim Tensing die 10. Klasse der Waldorfschule und hat da das Ziel Abitur klar vor Augen.

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