Martin Lücke bewirbt sich für den SPD-Unterbezirk Coburg/Kronach um eine Kandidatur für das Europäische Parlament. Bei einem "Europa-Parteitag" im Coburger Stadtteil in Beiersdorf unterstützten die Delegierten einstimmig den Coburger Stadtrat bei seinem Vorhaben, als oberfränkischer Vertreter bei der Wahl im Mai 2014 ins Rennen zu gehen.

Die endgültige Entscheidung darüber trifft der SPD-Bezirksparteitag am 11. Oktober in Himmelkron. Neben Martin Lücke gibt es mindestens einen weiteren Kandidaten. So hat der SPD-Unterbezirk Hof hat mit dem Juso-Bezirksvorsitzenden Sebastian Fischer bereits einen Bewerber benannt.

Aber egal, wen die SPD letztlich ins Rennen schickt: Zu tun bekommt es der Direktkandidat allen voran mit der amtierenden CSU-Europaabgeordneten Monika Hohlmeier.

Beim Parteitag in Beiersdorf stellte sich Lücke, der Notfallarzt und freigestellter Betriebsrat am Klinikum Coburg ist, vor. Ähnlich wie die beiden kommissarischen Unterbezirksvorsitzenden Ralf Pohl und Carsten Höllein in ihrer Begrüßung wünschte sich Lücke ein soziales und demokratisches Europa, für das er sich engagieren wolle.

Als Gastredner trat der amtierende SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug aus Amberg auf. Er kritisierte die einseitige Sparpolitik, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy den anderen Ländern auferlegt hätten. Das sei die Ursache für die Wachstumseinbrüche in der Europäischen Union (EU). Als einen "Tropfen auf den heißen Stein" bezeichnete er die diskutierten sechs Milliarden Euro, welche die EU für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ausgeben wolle. Dafür seien viel mehr Mittel notwendig. Der SPD-Abgeordnete versuchte anhand von Zahlen zu belegen, was ein Ausstieg von Griechenland aus der Eurozone der Bundesrepublik Deutschland kosten würde: "Wir müssen deshalb an einem Verbleib ein großes Interesse haben."

Außerdem machte Ertug deutlich, wie wichtig aus Sicht der sozialistischen Fraktion im Europäischen Parlament die Einführung eines Mindestlohns sei. "Wir sind für Equal Pay, der gleiche Lohn für die gleiche Arbeit am gleichen Ort für beide Geschlechter." In seinem Vortrag ging der gelernte Krankenkassen-Betriebswirt auf Themen wie transnationale Verkehrsnetze und die heiß diskutierte Privatisierung der Wasserversorgung ein. Aufgrund der europaweiten Bürgerinitiative mit vielen Unterschriften habe die Kommission die Wasserversorgung aus der Liberalisierungsrichtlinie herausgenommen, so Ertug. Das sei ein Erfolg der Bürger in Europa, die ihren Unmut kundgetan hätten.

In der anschließenden Diskussion forderte der Europaabgeordnete, dass das Parlament ein Initiativrecht für Richtlinien, also mehr Kompetenzen bei der Gesetzgebung, erhalte, das bisher nur die Kommission habe. "Das wäre ein erster Schritt, für mehr Demokratie zu sorgen." Das Parlament sei nämlich die einzig direkt gewählte Institution der EU. Auch wies Ertug auf den Vorschlag hin, dass die Bürgerinnen und Bürger in der EU den Kommissionspräsidenten direkt wählen sollen. Dann gebe es auch einen "Wahlkampf", und die Parteifamilien könnten die ihre Unterschiede gegenüber den Wählerinnen und Wählern deutlich machen. Das sei derzeit im Parlament schwer möglich, weil es keine klassische Verteilung von Regierung und Opposition gibt.