Es ist ein Drahtseilakt - im Wortsinn. Wackliges Balancieren, mit den Armen rudern und sich gegenseitig halten - die Jungs sind hochkonzentriert. "Bevor ihr weitergeht, haltet erst einmal ihn", weist Moritz die anderen an und deutet auf den Kleinsten in der Gruppe. Moritz ist einer der ältesten und wurde von den zehn anderen ausgewählt, die Führung zu übernehmen. Peter Dienst, Leiter der evangelischen Jugendbildungsstätte Neukirchen, steht dabei und greift nur ein, wenn sich alles zu verknoten droht. "Wisst ihr schon, wie ihr das lösen wollt?", fragt er, als es darum geht, auf dem Drahtseil um die Ecke zu gehen und ein dicker Pfosten im Weg steht.

"Das ist eine gute Übung für Konfliktlösungen. Hier erfahren die Jungs auch, ob die Gruppe funktioniert." Das läuft beim Fröbelturmbauen ähnlich.
Zwölf Jungen halten Seile in der Hand, haben sich sternförmig geordnet und versuchen Holzklötze mit Hilfe eines Metallbügels, der in der Mitte hängt, aufeinander zu platzieren, ohne dass der Turm umfällt.

Respektvolles Miteinander

Das ist nicht leicht. Aber auch diese Übung fördert das aufmerksame und respektvolle Miteinander. Schließlich müssen sie noch versuchen, eine Plane so klein wie möglich zusammenzulegen und alle darauf stehen zu bleiben. Philipp nimmt Fabian huckepack, damit mehr Platz wird. "Das geht schon, er ist ja leicht", sagt Philipp und schleppt Fabian auch noch weiter, als das Spiel längst aus ist. "Die Jungs kennen sich nicht.

Das macht es besonders spannend. Heute sollen sie sich durch die Spiele erst einmal näherkommen", erzählt Matthias Scheibe, einer der Organisatoren und Mitglied der Coburger Männer-AG, die die "Itzgründer Jungentage" ins Leben gerufen haben. Es geht darum, dass Jungs einmal unter sich sind, sich mit erwachsenen Männer messen und auseinandersetzen müssen. Eine Situation, die sie im Alltag eher selten erleben.

Weil viele von ihnen mit alleinerziehenden Müttern oder mit Vätern aufwachsen, die wenig Zeit für sie haben. Und im Kindergarten und der Schule sind es auch in erster Linie Frauen, die sich mit ihnen beschäftigen. Anders in Neukirchen. Da sind die Kerle mal drei Tage unter sich. Nach dem Kennenlerntag gibt es am nächsten Tag Workshops und einen richtigen Männerabschluss mit Wolfsjagd und Wikingerschach.

Trotzdem haben auch Frauen viel mit den "Itzgründer Jungentagen" zu tun. Damion und Leon sind dabei, weil ihre Mütter das wollten. Jam'ih ist selbst drauf gekommen, hat aber seine Mutter gebeten, ihn anzumelden. Und Jannek? "Wir haben aus der Zeitung erfahren, dass die Jungentage stattfinden. Ich habe das Michael und Johannes erzählt, die wollten auch mitmachen." Aber die Anmeldung habe auch seine Mutter übernommen.