Für die Mitglieder von klassischen Hilfsorganisationen wie BRK, ASB oder THW ist es relativ normal, auch mal kurzfristig in ein Katastrophengebiet auszurücken. Doch dass jetzt sogar ein Team des Coburger- Entsorgungs- und Baubetriebs (CEB) in den vom verheerenden Hochwasser betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz mit anpackt, zeigt, wie dramatisch dort die Lage ist. "Man denkt, man ist irgendwo im Krieg", beschreibt es Andreas Müller; er ist einer von vier CEB-Mitarbeitern, die seit Montag im Landkreis Ahrweiler im Einsatz sind. Ihre Aufgabe besteht darin, mit Hilfe von zwei Saugspülfahrzeugen aus dem CEB-Fuhrpark zig Abwasserkanäle und Abwasserschächte vom Schlamm zu befreien. Auch so mancher Keller eines Hauses wurde schon sauber gemacht, wie Andreas Müller am Mittwoch in einem Interview mit dem Coburger Lokalsender Radio Eins sagte.

Große Dankbarkeit bei den Menschen

Von zwei Dingen zeigt sich Andreas Müller ganz besonders beeindruckt. Da wäre zum einen die Dankbarkeit der betroffenen Menschen: "Sie sind froh, wenn sie uns sehen. Jeder sagt: ,Danke - danke, dass ihr da seid!‘" Zum anderen berichtet der Coburger, wie tapfer viele Menschen sind: "Sie stehen vor Scherben, haben nichts mehr - und trotzdem haben sie das Lachen noch nicht verloren."

Das Team um Andreas Müller wird am Freitag wieder in die Vestestadt zurückkehren - der CEB-Einsatz ist damit aber noch lange nicht beendet. Bereits am Sonntag werden sich die nächsten Helfer auf den Weg machen. Dann wird wohl auch Oliver Grell zum Team gehören. Er findet es "selbstverständlich", in so einer Situation zu helfen, wie er dem Tageblatt sagte.

Ausgangspunkt des CEB-Einsatzes war ein Aufruf des Verbands kommunaler Unternehmen. Der hatte Ende vergangener Woche mit Blick auf die bisweilen völlig zerstörte Infrastruktur in den Katastrophengebieten herumgefragt, welche kommunalen Bauhöfe sowohl mit Menschen als auch mit Gerätschaften aushelfen können. Als dann wiederum intern beim Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb gefragt wurde, wer sich einen solchen Einsatz zutraue, meldeten sich sehr viele Mitarbeiter. Deshalb dürfte es wohl auch kein Problem sein, dass der zunächst auf zwei Wochen geplante Einsatz wohl mindestens noch um eine weitere Woche verlängert wird.

Der Umstand, dass sich zwei Spezialfahrzeuge des CEB vorübergehend in Rheinland-Pfalz befinden, hat für die Versorgung des heimischen Gebiets übrigens keine negativen Auswirkungen. "Wir haben noch ein weiteres Spülfahrzeug, mit dem der laufende Betrieb sichergestellt ist", erklärt Oliver Grell.

19 weitere BRK-Helfer im Einsatz

Der BRK-Kreisverband Coburg hat am Dienstag seinen zweiten Einsatz in Rheinland-Pfalz begonnen. Mit dabei sind diesmal 19 Helferinnen und Helfer aus folgenden neun Bereitschaften: Hassenberg, Ebersdorf, Rödental-Froschgrund, Rödental-Einberg, Coburg, Sonnefeld, Neustadt, Bad Rodach und Itzgrund. Sie haben unter anderem ein Motorrad und einen Krankenwagen dabei; ihre Aufgaben sind - wie schon beim Einsatz der ersten Abordnung vergangene Woche - eine medizinische Grundversorgung sowie Krankentransporte. Außerdem stehen Mitglieder der Psychosozialen Notfallversorgung weiter in Alarmbereitschaft und könnten jederzeit ins Katastrophengebiet eilen.