Wenn die Pharmavertreter ins Haus kommen, dann haben sie einen Koffer mit Medikamenten dabei. Ist dort auch Geld drin, das sie neben den Arzneimittel-Proben über den Behandlungstisch schieben? "Das können wir uns gar nicht leisten", sagt Oliver Gregor. Denn er und seine Kollegen haben ein enges Budget für die Verschreibung von Medikamenten, das sie nur bei Strafe überschreiten. 75 Euro pro Vierteljahr und Patient dürfen sie ausgeben. "Wird dieser Wert um fünf Prozent überschritten, gibt es eine Beratung durch die kassenärztliche Vereinigung. Bei 15 Prozent gibt es eine Abmahnung und bei 25 Prozent müssen wir zurückzahlen, was wir zu viel ausgegeben haben", erzählt Oliver Gregor.

Eine Budgetüberschreitung gebe es aber schnell, wenn einer der Patienten zum Beispiel aus dem Krankenhaus entlassen werde und teure Medikamente zur Nachbehandlung verschieben bekomme. "Was ich ihm mehr gebe, müsste ich bei anderen einsparen", erläutert der Hausarzt. Eine schwierige Situation für jemanden, der sich an den hippokratischen Eid gebunden fühlt. Werde ein neues Medikament getestet, dann verlaufe das in vier Phasen. Phase eins ist der Tierversuch und Stufe zwei der Test an freiwilligen Gesunden. Auf Stufe drei werden ausgewählte Patienten in Prüfpraxen oder an Kliniken mit dem neuen Medikament unter stärkster Überwachung behan delt. Noch eine vierte Phase schreibt der Gesetzgeber vor. Dabei geht es um Nachbetrachtung und Anwendungsberatung. "Das heißt, die Firmen müssen die Beurteilungen von Arztpraxen auswerten", erläutert Oliver Gregor. Und für diese Leistung gebe es ein Honorar von 50 Euro, kein Bestechungsgeld. Aber: "Wir Hausärzte halten uns da zurück." Denn auch im Fall der Teilnahme an solchen Studien gelte weiter die Budget-Vorgabe.


Kostenersparnis ist marginal

Außerdem: Ein gemeinsamer Bundesausschuss, dem bei 13 Mitgliedern nur drei Ärzte angehörten, entscheide, wann und wie oft Ärzte sich bei Arzneimitteln für die billigere Variante entscheiden müssen. "Das heißt, wenn ich ein Cholesterinmedikament verschreiben will, muss ich in Bayern bei 92,9 Prozent der Patienten ein Medikament einsetzen, das ich ohne diese Vorschrift vielleicht nicht vewendet hätte. Damit wird unsere Freiheit eingeschränkt."

Die Kostenersparnis ist nach Ansicht von Oliver Gregor marginal. Er nennt dafür ein Beispiel. "Es kommen immer wieder neue Präparate auf den Markt, auch preiswerte, für die wir uns entscheiden müssen. Besonders ältere Patienten sind damit oft überfordert." Es bestehe die Gefahr, dass sie falsche Medikamente einnehmen. "Also schicke ich eine Gemeindeschwester vorbei, die nachschaut." Das koste mitunter das Hundertfache eines bewährten, aber vielleicht teuren Medikaments. Es sei ein Teufelskreis, in dem sich die Hausärzte bewegen müssten. Nun pauschal zu behaupten, niedergelassene Mediziner seien korrupt und darüber nachzudenken, wie man sie per Gesetz noch weiter einschränken könne, gehe zu weit. "Das ist Rufmord an einem Berufsstand."