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Coburg
Corona-Pandemie

Corona-Scouts in Oberfranken: Auf der Suche nach Kontaktpersonen

Das große Ziel lautet: Die Infektionskette unterbrechen. Dafür wurde das Personal im Gesundheitsamt Coburg aufgestockt. Die sogenannten Containment-Scouts sind aber auf die Mitarbeit der Infizierten angewiesen.
 
Dr. Roswitha Gradl, Leiterin des Gesundheitsamts Coburg, und einige Mitarbeiter des Contact-Tracing-Teams: Sie haben die Aufgabe, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten zu ermitteln und festzustellen, ob sie möglicherweise selbst infiziert sind. Foto: Corinna Roesler
Dr. Roswitha Gradl, Leiterin des Gesundheitsamts Coburg, und einige Mitarbeiter des Contact-Tracing-Teams: Sie haben die Aufgabe, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten zu ermitteln und festzustellen, ob sie möglicherweise selbst infiziert sind. Foto: Corinna Roesler

Über hundert Covid-19-Infizierte in Stadt und Landkreis Coburg, täglich Neuinfektionen und auch genesene Fälle - mal mehr, mal weniger. Aber wie werden Infizierte ermittelt, Kontaktpersonen ausfindig gemacht? Und woher weiß man, wer wann genesen ist? Das zu ermitteln ist Aufgabe der Gesundheitsämter. Ihr Ziel: Die Unterbrechung der Infektionskette.

Die Arbeit beginnt, sobald ein neuer Corona-Infizierter ans Gesundheitsamt gemeldet wird. Die Mitteilungen kommen von den Laboren direkt. Einer der Ärzte klemmt sich ans Telefon, ruft den Patienten an, fragt welche Symptome er hat, wie es ihm geht, erläutert ihm alles Wissenswerte zur Infektion, was Quarantäne bedeutet und wie das weitere Vorgehen ist: Der Patient erhält eine Liste vom Gesundheitsamt, in die er all seine Kontaktpersonen einträgt, und er muss ein Tagebuch über den Krankheitsverlauf führen.

Corona-Infektion: Wer hatte Kontakt?

Darüber hinaus wird der Patient täglich einen Anruf des Arztes erhalten. Diese Anrufe werden auch dokumentiert.

Wenn die Kontaktliste der infizierten Person eintrifft, geht sie sofort an die Mitarbeiter der sogenannten Contact Tracing Teams (CTT). Dort werden die Kontaktpersonen nach und nach angerufen und abgefragt: Wie nahe sind Sie dem Infizierten gekommen? Wie lange hatten Sie Kontakt? Wie fühlen Sie sich? Bemerken Sie irgendwelche Symptome: Fieber, Kurzatmigkeit, trockenen Husten, Geruchs- oder Geschmacksstörungen?

Anhand dieser Abfrage werden die Kontaktpersonen des Infizierten in verschiedene Kategorien eingeordnet. Für diejenigen, die engen und/oder längeren Kontakt zu der infizierten Person hatten, wird eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet. Treten in dieser Zeit keine Symptome auf, werden sie aus der Quarantäne entlassen. Bemerken die Betroffenen jedoch Symptome, werden sie getestet - und zwar durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes.

Kette unterbrochen?

Bei einem positiven Testergebnis wird auch dieser Fall dem Gesundheitsamt als Neuinfektion gemeldet und der Ablauf beginnt von vorn: Es gilt, die Kontaktpersonen dieser Person zu ermitteln. Das dürften in der Regel weniger sein als beim ersten beschrieben Fall, da sich diese neu infizierte Person ja bereits in Quarantäne befand und daher höchstens zu Personen aus dem eigenen Hausstand Kontakt gehabt haben dürfte.

Kontakt-Kategorien

Kontaktpersonen der zweiten Kategorie sind solche, die keinen engeren oder längeren Kontakt zu einer infizierten Person hatten, die beispielsweise an derselben Besprechung wie eine infizierte Person teilgenommen haben, aber nicht mit ihr im direkten Kontakt standen, also weiter als 1,5 Meter entfernt waren. Aber die Dokumentation dieser Kontaktpersonen ist wichtig. Sollte sich eine sogenannte Kontaktperson 2 infizieren, kann man die Infektionsketten besser nachvollziehen.

Das Verfahren wird bei Fällen in Einrichtungen, wie zum Beispiel einem Pflegeheim, natürlich diffiziler: Tritt dort eine Infektion auf, sind nicht nur Kontaktpersonen zu ermitteln und Abstriche von allen Bewohnern und Mitarbeitern zu nehmen. Es sind weitere Maßnahmen notwendig: Infizierte Personen müssen isoliert werden, das Pflegepersonal getrennt eingesetzt werden. Personal, das infizierte Personen betreut, darf nicht auch noch nicht infizierte Bewohner betreuen. Man spricht hier von Kohortenbildung.

Bei all dem werden die betroffenen Einrichtungen von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes eng begleitet und beraten.

Rädchen, die ineinander greifen

Die Aufgaben im Gesundheitsamt Coburg sind genau organisiert. Da gibt es verschiedene Teams, die wie einzelne Rädchen ineinander greifen: Vom Laborteam, das für die Abstriche zuständig ist, über vier Contact-Tracing-Teams, die sich um die Kontaktpersonenermittlung kümmern, einem Kernteam, das die Entwicklung der einzelnen Infizierten beobachtet und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen ergreift, bis hin zu dem Leitungsteam, das insbesondere Einrichtungen mit infizierten Personen betreut.

Und nicht zu vergessen ist auch das Team, das für die Meldungen verantwortlich ist. Schließlich ist die Entwicklung der Fallzahlen - Neuinfektionen, Genesene, etc. - genauso wichtig, um die Weiterverbreitung des Virus einzudämmen. Nicht zuletzt, weil seit kurzem die Landkreise ab einem Wert von 50 Neuinfektionen auf 100000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) selbst Maßnahmen ergreifen müssen, die die Weiterverbreitung unterbrechen sollen.